Newsticker

Seehofer will Grenzkontrollen zu anderen EU-Staaten Mitte Juni aufheben
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Feuerwehr Landsberg: Abschied von zwei Urgesteinen

Landsberg

08.02.2020

Feuerwehr Landsberg: Abschied von zwei Urgesteinen

Zwei Urgesteine der Landsberger Feuerwehr beenden ihren aktiven Dienst. Georg Obermayer (links) und Karl-Heinz Novy dürfen ihre Helme mitnehmen. 
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Georg Obermayer und Karl-Heinz Novy sind zwei Urgesteine der Landsberger Feuerwehr. Sie erzählen von Bränden, Gemeinschaft und was es mit dem persönlichen Helm auf sich hat.

Sie sind zwei Urgesteine der Landsberger Feuerwehr. Doch jetzt haben Karl-Heinz Novy und Georg Obermayer den aktiven Dienst beendet, weil sie die Altersgrenze von 65 Jahren überschritten haben. Beide haben viel erlebt bei der Feuerwehr. Für das LT blicken sie noch einmal zurück und erzählen von Einsätzen, bei denen sie an ihre Grenzen stießen, von geretteten Schwänen und Katzenbabys und dem Glück, das sie bei so manchem Einsatz hatten.

Neun Uhr morgens im Landsberger Feuerwehrhaus oben in der Saarburgstraße. Auf dem großen Monitor über dem Eingang flimmert das aktuelle Einsatzbild: Der nächtliche Sturm hat Bäume entwurzelt und Äste auf den Straßen verteilt. Man sieht zwei Einsatzfahrzeuge vor Ort. Ansonsten ist alles ruhig. Getränke werden angeliefert und von einem der drei älteren Herren, die sich hier jeden Morgen treffen, angenommen. Die ausgedienten „alten Kämpfer“ schauen nach dem Rechten, trinken gemeinsam einen Kaffee, einer von ihnen raucht. Sie reden über Gott und die Welt, in ihrem Fall: Landsberg und die Feuerwehr. Man frotzelt, scherzt und „politisiert“.

Mehr als einmal haben sie ihr Leben riskiert

Einmal Feuerwehr, immer Feuerwehr. Karl-Heinz Novy, genannt Charly, und Georg Obermayer, Spitzname Jörgi, sind im Mai vergangenen Jahres beide 65 Jahre alt und damit aus dem aktiven Dienst verabschiedet worden. Während Novy als „Späteinsteiger“ erst mit 29 Jahren zur Landsberger Feuerwehr kam, ist Obermayer seit seinem 14. Lebensjahr dabei. Beide haben viel erlebt, Fürchterliches genauso wie Schönes. Nach belastenden Einsätzen haben sie zusammen gesessen und geredet, auch früher schon, als es noch kein Kriseninterventionsteam gab. Mehr als einmal haben sie ihr Leben riskiert, haben Brände gelöscht, Verkehrsopfer aus Autos geschnitten, Tote geborgen, aber auch Schwäne und Katzenbabys gerettet, Wasserleitungen repariert sowie schwerkranke, übergewichtige Personen durch Fenster zum Transport abgeholt.

Feuerwehr Landsberg: Abschied von zwei Urgesteinen

„Wir haben so oft so viel Glück gehabt und ich wünsche allen Kollegen, dass sie genau wie wir immer gut von einem Einsatz zurückkehren“, sagt Jörgi Obermayer. Bei allem Schalk, der im Gespräch oft hervorblitzt, klingt bei beiden eine gehörige Portion Demut mit, wenn sie nun am Ende ihre Laufbahn auf ihre Zeit bei der Feuerwehr zurückschauen. „Man darf keine Angst haben“, sagt Charly Novy, „Aber man muss Respekt haben vor dem Feuer und man muss wissen, wann Schluss ist, und seine eigenen Grenzen bei jedem Einsatz kennen.“

Sobald der Pipser tönte, verließ er seinen Arbeitsplatz

Im Jahr 1995 wurde Charly Novy nach etlichen Lehrgängen und einigen Jahren als Jugendwart Kommandant der gesamten Landsberger Truppe. Als Chef war er 20 Jahre lang für die Mannschaft, die Fahrzeuge, die Ausbildung sowie die Gebäude verantwortlich. Gleichzeitig war er Einsatzleiter und damit meistens der erste vor Ort. Der gelernte Maschinenschlosser, angestellt bei den Bayerischen Wasserkraftwerken (Bawag, später Eon, jetzt Uniper), konnte jederzeit, sobald sein Piepser tönte, seinen Arbeitsplatz verlassen und zur Zentrale eilen.

Für Jörg Obermayer als selbstständigen Schreinermeister mit eigenem Geschäft am Englischen Garten, war das nicht immer selbstverständlich. Er wurde 1995 Zweiter Kommandant und legte diesen Posten aber sechs Jahre später nieder, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und freiwilligem Engagement war schwierig. Obermayer diente bis zur Pensionierung als Hauptlöschmeister. „Wenn ich gerade im Kundengespräch sitze“, so Obermayer, „und der Kunde ist womöglich noch weit angereist, dann kann es schwierig sein, aufzuspringen und das Gespräch zu verlassen.“ Aber der überwiegende Teil seiner Kunden hätte Verständnis gezeigt. Immerhin gibt es neben den ehrenamtlichen Rettungssanitätern und der Freiwilligen Feuerwehr wohl kaum einen gesellschaftlich derart anerkannten sowie für das Gemeinwesen wichtigen Job.

„Da habe ich das erste Mal richtig Angst gehabt“

Viele – gerade schreckliche – Erlebnisse sind beiden Männern auch nach Jahren noch präsent. „Man darf es nicht an sich herankommen lassen und erinnert sich doch an alles“, so Jörg Obermayer. Da war zum Beispiel vor vielen Jahren der Einsatz „beim Brand des ehemaligen Baby Butt draußen in Gewerbegebiet in der Lechwiesenstraße“. Charly Novys Kinder waren damals noch klein, „ich kenne mich hier aus“, habe er gesagt, „ich habe hier gerade einen Kinderwagen gekauft“ und ging in den völlig verrauchten Laden. Stolperte über ein Bett, verlor den Kontakt und fand nicht mehr heraus. Die Atemschutzmaske hält für maximal 20 Minuten. „Da habe ich das erste Mal richtig Angst gehabt.“ Man könne 50 Zentimeter neben der Tür stehen und sie dennoch nicht sehen, so stark kann die Rauchentwicklung die Sicht behindern. In der Regel kriecht man auf allen Vieren über den Boden, weil da die Sicht vergleichsweise besser ist. Es war Jörgi Obermayer, dem er schließlich als Erstem wieder begegnet ist. Noch mal gut gegangen.

Wer erinnert sich noch an die stille Alarmierung

Früher waren an den Hitzeschutzanzügen übrigens die Ohren nicht bedeckt, erzählt Obermayer. Wenn die Ohrläppchen oder die Haut dahinter zu heiß wurde, wusste man: jetzt raus hier. Andere Zeiten, andere Geräte, andere Technik. Schwer vorstellbar, wie die Feuerwehren früher ohne Funkgerät und Navi den Einsatzort suchen mussten. Oder erinnert sich noch jemand in der Altstadt an die „stille Alarmierung“? Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man den Bewohnern keine weiteren Sirenen mehr zumuten und installierte einen „Induktor mit zwei Schleifen“ und einer Art Alarmglocke auf jedem Haus eines Feuerwehrmannes.

Ein Original vom Seelberg kann man übrigens im „Feuerwehrmuseum“ im obersten Stock des Gebäudes besichtigen, genauso wie beispielsweise eine Schiebedrehleiter von 1926, einen Hitzeschutzanzug aus dem Jahr 1958, original Leinen-Eimer, mit denen seinerzeit Menschenketten gebildet wurden, und viele andere archaisch anmutende Dinge, von denen man sich heute nur schwer vorstellen kann, wie damit Brände gelöscht wurden. Das Museum ist übrigens 1998 von den heute „alten Herren“, darunter Charly Novy und Jörgi Obermayer, selber errichtet worden.

Zum Abschied werden die Helme übergeben

Zum offiziellen Abschied wurden Novy und Obermayer – der Tradition entsprechend - zur Erinnerung und als Dank ihre Helme übergeben. An diesen ist (ebenso wie an den Jacken) genau gekennzeichnet, welche Position und Funktion der Träger innehatte. So ist im Notfall eindeutig erkennbar, wer Kommandant (drei Striche), wer Rettungsassistent (RA an der Seite), wer Jugend (roter Punkt) ist und wer Atemschutzgeräte (A) tragen darf. Charly Novy hat Anfang des Jahres darüber hinaus noch die Auszeichnung „Ehrenkommandant“ erhalten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren