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Kaufering

04.02.2020

Filmpremiere in Kaufering: Helden auf der Bühne des Lebens

Ausschnitt aus den Dreharbeiten zur Neuauflage von „Roland Rebers Todesrevue“.
Bild: WTP

Plus Roland Rebers Todesrevue wird in Kaufering präsentiert. Sie zeigt mit bissigem Humor aufsteigende, sinkende und vor allem selbst ernannte Stars.

Als junger Theaterautor hat Roland Rebers im Jahr 1984 eine bissige Satire über das Privatfernsehen verfasst. Jetzt hat der im Landkreis Landsberg lebende Regisseur den Stoff erneut verfilmt. Seine „Todesrevue“ präsentierte er im Filmpalast in Kaufering. Darin wird deutlich, dass die Satire aus dem Jahr 1984 längst Realität ist. Gedreht wurde auch in Kaufering.

„1984“, Orwells Zukunftsroman vom Ringen um Privatsphäre in einem totalitären Überwachungsstaat, spielt in genau dem Jahr, in dem in Deutschland die ersten „Privaten“ auf Sendung gingen. In den neuen Talk- und Spielshows gab es bald nichts mehr, worüber „man nicht spricht“ oder was „man nicht tut“. Unter anderen Vorzeichen kamen die neuen Fernsehformate Orwells Vision von einer Art gläsernem Menschen überraschend nah. Ebenfalls 1984 mutmaßte ein junger Theaterautor in einer bissigen Satire, dass all dies erst der Anfang einer Entwicklung sei, deren mögliche Auswüchse man nicht grotesk genug zeichnen könne. Schwarzseherei unterstellte man damals Roland Reber, der mit seiner schrägen „Todesrevue“ eine ganz eigene Betrachtung des Menschen „auf der Bühne des Lebens“ anstellte. Jetzt hat der Regisseur das Thema erneut verarbeitet und im Filmpalast in Kaufering präsentiert.

Im Kauferinger Filmpalast wurde die Neuauflage von „Roland Rebers Todesrevue“ gezeigt. Mit dabei waren (von links) Antje Nikola Mönning, Marina Anna Eich, Elisa Oberzig und Regisseur Roland Reber (vorne).
Bild: Minka Ruile

Anhand der Kandidaten einer Spielshow deklinierte Roland Reber die Frage durch, wie weit etwa Singles gehen und der Sensationsgier des Publikums nachgeben würden – in der Hoffnung auf einen Lebenspartner zur Belohnung. 35 Jahre später hat die Wirklichkeit die damalige Zukunftsvision längst eingeholt und werden Menschen nicht mehr nur öffentlich vorgeführt, sondern stellen sich in den sozialen Netzwerken millionenfach selbst zur Schau. Grund genug für Reber, das Thema noch einmal als Filmstoff zu verarbeiten. Als mittlerweile zehnte WTP-Produktion feierte „Roland Rebers Todesrevue“ auf den Hofer Filmtagen 2019 Deutschlandpremiere und wurde im Filmpalast nun auch dem Kauferinger Publikum vorgestellt.

Filmpremiere in Kaufering: Helden auf der Bühne des Lebens

Einer der Drehorte, das ZenDo, ist dort zu finden, ein anderer, der Iglinger Sommerkeller, liegt ganz in der Nähe. Und auch die Komparsen für seine Indie-Filme sucht das Reber-Team vorzugsweise in der Region, in der es selbst zu Hause ist. Die zur Vorstellung angereiste Filmcrew mit Antje Nikola Mönning, Marina Anna Eich, Elisa Oberzig und allen voran Roland Reber konnte im ausverkauften Kinosaal deshalb viele Bekannte begrüßen. Diese fanden sich auf der Leinwand vor allem in den Reihen des Publikums der Fernsehshow und teilweise auch als Akteure auf der Bühne wieder, wie etwa die Mädchengruppe in ihren knappen Kostümen, die wohl nicht zufällig an die Garderobe der Tutti-Frutti-Girls erinnerten, oder die in die Jahre gekommenen rosa Plüsch-Bunnies – Glamourfaktor null; der Massengeschmack wird in Rebers Kommerzfernsehen mit Trash bedient.

Ein Film mit teils bissigem Humor

Zwischen die schon im Theaterstück festgeschriebenen Showeinlagen streut der Film nun ergänzend Aktionen der neuen „Stars“ aus den sozialen Netzwerken, in denen die Durchschnittlichkeit regiert. Wer wie der „Mensch mit der Maske“, der „nichts ist und nichts hat“ (vor allem kein besonderes Talent) im Meer der Bedeutungslosen nicht untergehen möchte, muss über sich selbst hinauswachsen. Hilfsmittel zur Selbstoptimierung stehen zahlreich bereit und werden im Film mit teils bissigem Humor verhandelt. Wenn auch sie nicht zum Erfolg verhelfen, bleibt als letztes Mittel der Wahl eine spektakuläre Aktion: Traurige Berühmtheit und „Likes“ in Millionenhöhe erlangt der „Mensch mit der Maske“ schließlich, als er sich vom Dach eines Hochhauses stürzt und selbst dabei filmt. Wenigstens jetzt gibt es eine positive Reaktion und keinen „Shitstorm“ wie ihn etwa die freizügige Patsy (Antje Nikola Mönning) über sich ergehen lassen muss.

Eisi Gulp schiebt seine Kundschaft durch die Gänge

Das Leben gerät in Roland Rebers Todesrevue aus den Fugen und mit der Nennung beinahe sämtlicher Gründe stellenweise auch Rebers filmische Revue selbst. Denn das Tollhaus der Lebenden wäre nicht komplett ohne einen Ort für die Sterbenden – so man sie denn ließe – und einen weiteren für die Toten. Also bleiben aus dem Theaterstück die Krankenstation erhalten, in der Herr Naumann (Wolfram Kunkel) nach einem „guten Leben“ vergeblich nun auch um einen „guten Tod“ bittet, und die Pathologie, in der ein ordnungsliebender Totenfahrer (Eisi Gulp) seine Kundschaft durch die Gänge schiebt.

Schauspieler Eisi Gulp wirkt ebenfalls in der Neuauflage mit.
Bild: WTP

Das alles ist nicht immer passgenau miteinander zu verzahnen und deshalb in der losen Form einer Revue gut angesiedelt. Und wenn sich die Handlung in der Vielzahl der Einfälle und angeschnittenen Themen auch manchmal leicht verfranst, ist die Revue, zumal als „Todes“-Revue, dennoch sehr unterhaltsam und nimmt die Zuschauer mit in all ihre Höhen und Tiefen.

Roland Rebers "Todesrevue" ist ab Donnerstag, 6. Februar, um 22.15 Uhr im Filmpalast in Kaufering zu sehen.

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