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Denklingen

30.03.2019

Finanzen: In Denklingen sind die fetten Jahre bald vorbei

Der Umbau des Gasthauses Hirsch in Denklingen zum neuen Rathaus und die Neugestaltung des Platzes davor sind Projekte, die die Gemeinde mehrere Millionen Euro kosten.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Derzeit hat die Gemeinde Denklingen rund 20 Millionen Euro auf der hohen Kante. Bis ins Jahr 2021 soll das Geld aufgebraucht sein.

Die Gemeinde Denklingen verfügte Ende vergangenen Jahres über Rücklagen von 20,5 Millionen Euro. Davon wird am Ende des Jahres 2021 voraussichtlich nichts mehr übrig sein und die Gemeinde muss dann weitere Darlehen über fast zehn Millionen aufnehmen. Aktuell hat Denklingen Schulden von mehr als 6,3 Millionen Euro. Dass bald alles Geld aufgebraucht sein wird, liegt an diversen Großprojekten, die im jetzt verabschiedeten Haushalts- und Finanzplan enthalten sind. Diesen beschlossen die Gemeinderäte ohne nennenswerte Diskussion. Sie hatten das Zahlenwerk zuvor bereits bei einer Klausur besprochen.

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In den Finanzplanungen vorgesehen sind auch Mittel für zwei Großprojekte, bei denen noch nicht klar ist, wann diese umgesetzt werden. Geschäftsstellenleiter Johann Hartmann informierte, dass die Gemeinde beim Glasfaserausbau 2,4 Millionen Euro einplant habe, um schnell reagieren zu können, sollten der Bund oder der Freistaat ein neues Förderprogramm auflegen. „Vorher werden wir in dem Bereich aber nicht investieren“, so Hartmann.

Ein siebenstelliger Betrag ist für den Rathausvorplatz vorgesehen

Überraschend ist, dass im jetzt beschlossenen Finanzplan auch 3,1 Millionen Euro für die Neugestaltung des Rathausplatzes vorgesehen sind. Der Gemeinderat hatte Anfang März die Ausschreibung aufgehoben, weil die Kosten explodierten. Die beiden Baufirmen, die sich um die Ausführung beworben hatten, forderten 3,5 Millionen Euro - 150 Prozent mehr, als das beauftragte Architekturbüro veranschlagt hatte. Bürgermeister Andreas Braunegger begründet dies so: „Es wurde wohl vorsorglich eine größere Summe vermerkt. Bei der Ausarbeitung des Finanzplans war die Höhe der Angebote noch nicht bekannt.“ Die Realisierung werde aber zu diesem Preis nicht erfolgen, sagt Braunegger. Die Kosten sollen nun gesenkt werden, indem ein kleineres Baufeld gewählt wird.

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Sechsstellige Summen fließen in den kommenden Jahren unter anderem auch in die Erweiterung des Feuerwehrhauses Dienhausen, ein neues Fahrzeug für die Dienhausener Wehr und einen neuen Wertstoffhof. „Der jetzige Standort an der Industriestraße ist zu klein und zu lärmintensiv für die Anwohner. Deswegen weichen wir an die Ortsstraße Egart aus, die in Richtung Epfach führt“, so Hartmann. Eingestellt wurden auch 680.000 Euro für den Erwerb von Grundstücken, um weiteren Wohnraum schaffen zu können. Wo die zwei kleinen Baugebiete entstehen sollen, dürfe er noch nicht sagen, so Braunegger, die Ausweisung durch den Gemeinderat stehe noch aus.

Bei der Gewerbesteuer droht ein Einbruch

Den zahlreichen Ausgaben stehen möglicherweise sinkende Einnahmen gegenüber. Zumindest kalkuliert die Gemeinde hier zurückhaltender. Das betrifft vor allem die Gewerbesteuer. Plante die Verwaltung in den vergangenen Jahren mit 6,5 Millionen Euro aus diesem Bereich, sind für heuer und die kommenden Jahre nur noch fünf Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen eingestellt. „Wir beobachten die wirtschaftliche Entwicklung natürlich und berücksichtigen dies in unseren Planungen“, sagte Braunegger. Kürzlich hatte Denklingens größter Arbeitgeber, die Firma Hirschvogel, angekündigt, aufgrund der sich eintrübenden Konjunkturlage zurückhaltender agieren zu wollen.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Größe des Haushalts. Im vergangenen Jahr hatten die Gemeinderäte noch einen Rekordhaushalt mit 21,5 Millionen Euro verabschiedet. Heuer sind es 19,4 Millionen Euro. „Wir haben einen gewissen Investitionsstau, den wir nun abbauen. Ich hoffe, wir kommen ab dem Jahr 2023 oder 2024 wieder in ruhiges Fahrwasser“, kommentiert Braunegger die finanziellen Herausforderungen.

Diese Herausforderungen stehen an

Mehrere Großprojekte will die Gemeinde Denklingen in den kommenden Jahren stemmen. So kostet das geplante Bürger- und Vereinszentrum 14 Millionen Euro. Die Erneuerung des Trinkwassernetzes summiert sich voraussichtlich auf zehn Millionen Euro, wobei in der Summe die Mehrwertsteuer nicht eingerechnet ist. „Die bekommen wir als Umsatzsteuer vom Finanzamt zurück“, begründet Geschäftsstellenleiter Johann Hartmann. Für den Neubau der Kindertagesstätte sind 5,2 Millionen Euro und für die Sanierung des jetzigen Rathauses 1,4 Millionen Euro einkalkuliert. Dort soll dann eine Arztpraxis beheimatet sein. Die Verwaltung zieht ins frühere Gasthauses Hirsch um, das zum neuen Rathaus umgebaut wird.


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