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Goys Letzte Montage

28.06.2012

Finnisches „Bier“ ist nicht einfach zu übersetzen

Mina Kindl (links) und Elisabeth Günther am Montag in der Veranstaltungsreihe „Goys letzte Montage“.
Bild: Stephanie Millonig

Synchronregisseurin Mina Kindl und Schauspielerin sprechen über das Übertragen von Filmen ins Deutsche

Dießen „Und jetzt die Stimme noch 15 Jahre älter, der Mann hat übergewicht und ist gerade die Treppe heraufgelaufen.“ So kann eine Regieanweisung lauten, die ein Synchronsprecher umzusetzen hat. Die seit Kurzem am Ammersee lebende Synchronregisseurin Mina Kindl (LT berichtete) und die Schauspielerin Elisabeth Günther aus Dießen stellten im Rahmen von Goys „Letzten Montagen“ diesen weitgehend unbekannten Filmbereich vor.

Detailreich schilderte Mina Kindl, die für ihre Synchronisation von „Das Meer in mir“ ausgezeichnet wurde, welchen Könnens und welcher technischen Raffinessen es bedarf, um fremdsprachigen Schauspielern deutsche Worte in den Mund zu legen. Auftraggeber für die Synchronisation sind Filmverleihfirmen. Kindl fühlt sich dem Werk verpflichtet, das heißt, auch in der deutschen Version soll die Atmosphäre dem Original nahekommen. Was nicht immer einfach ist. „Beim Filmen von Aki Kaurismäki lässt sich die Lakonie der Sätze manchmal nicht ins Deutsche rüberbringen.“ Finnische Wörter und Sätze sind länger, sodass in einer Barszene beispielsweise aus „ein Bier“, im Deutschen „ein kleines Bier“ werden muss, um die Mundbewegungen zu koordinieren.

Kindl übernimmt in ihren Produktionen viele Bereiche von der Erarbeitung des Dialog-Buchs bis hin zur Auswahl der Synchronsprecher, die zumeist ausgebildete Schauspieler sind. Zum Schluss sorgen Tonmeister und Cutterin für die richtige Mischung und den richtigen Schnitt, auch hier ist die Synchronregisseurin mit von der Partei.

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Kindl will am Original bleiben, erlaubt sich aber auch kleine Änderungen, wenn es hinsichtlich der Synchronisation nicht anders geht. Dann wird in einem Almodovar-Film das Körpergewicht eines Mannes schon mal um ein Kilogramm verändert, da die Lippen im Großformat nicht zu den deutschen Lauten der ursprünglichen Zahl passen würden. Oder aus einem irischen Kinderlied wird in „Die Asche meiner Mutter“ ein deutsches Kinderlied, was auch Kritik einbrachte: Vom „dunklen Gewerbe“ war die Rede, was Kindl als diffamierend empfindet.

Untertitel sind oft der falsche Weg

Synchronisationen werden von cineastischen Puristen oft abgelehnt. Kindl stimmt zu, dass es viele schlechte Synchronisationen gibt, aber sie verwahrt sich gegen pauschale Kritik. „Ich selbst liebe die Originalversion“, erzählt die 66-Jährige, doch nicht jeder könne Filme in Französisch, Englisch, Italienisch oder Spanisch betrachten, geschweige denn in Finnisch. Untertitel hält Kindl bei dialoglastigen Filmen, wie bei vielen französischen Arbeiten, für den falschen Weg. „Bei Untertiteln geht die Hälfte der Dialoge verloren, außerdem schafft es auch eine emotionale Distanz.“

Kindl plädiert dafür, dass Filmkritiker auch deutsche Filme besuchen und die Synchronisation rezensieren. Sie fordert Qualität in diesem Bereich, macht aber die Erfahrung, dass für viele Filmverleiher der Kostenfaktor eine immer größere Rolle spielt. Es wird gespart, die Qualität sinkt. Eine Erfahrung, die Elisabeth Günther teilt. Die Schauspielerin hat in der Herr-der-Ringe-Triologie den Dialog von Liv Taylor gesprochen und war auch schon die deutsche Stimme von Juliette Binoche. 380 Euro brutto war die Gage für Herr der Ringe, schildert Günther, wie wenig diese Arbeit wertgeschätzt wird. Wie Synchronisation funktioniert, demonstrierte Kindl abschließend an einigen Filmausschnitten, die auf Französisch oder Italienisch und dann in Deutsch zu sehen waren.

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