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Penzing

11.12.2018

Fliegerhorst: Auch das Ausschlachten ist jetzt vorbei

Letzter Appell am Fliegerhorst Penzing (von links): Oberst Ingo Stüer, Oberst Stefan Schmid-Schickhardt, Oberstleutnant Robert Rummel und Oberleutnant Lasse Claußen. Am Dienstag war Außerdienststellungsappell für den abgesetzten Bereich des Instandsetzungszentrums 11.
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Letzter Appell am Fliegerhorst Penzing (von links): Oberst Ingo Stüer, Oberst Stefan Schmid-Schickhardt, Oberstleutnant Robert Rummel und Oberleutnant Lasse Claußen. Am Dienstag war Außerdienststellungsappell für den abgesetzten Bereich des Instandsetzungszentrums 11.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die letzte Einheit auf dem Penzinger Fliegerhorst ist Geschichte. Sie kümmerte sich seit 1999 um die Transall-Flotte und zerlegte die Flugzeuge bis zum Schluss.

Noch ein Abschied auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing: Nach dem LTG 61 räumt nun auch die Instandsetzung das Feld. Der abgesetzte Bereich Penzing des Erdinger Instandsetzungszentrums 11 wird zum Jahresende aufgelöst. Am Dienstagnachmittag traten die jetzt noch rund 50 militärischen und zivilen Angehörigen der Dienststelle zum Außerdienststellungsappell an. 19 Jahre waren sie für die Inspektionen der Transallmaschinen zuständig, zum Schluss vor allem für die Hochwertteilegewinnung. Als Hochwertteilegewinnung könnte man auch als „Ausschlachten“ von Flugzeugen bezeichnen, die nicht mehr weiter geflogen werden.

In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die sogenannte Hochwertteilegewinnung: Staubsauger aus, Deckel zu

Zuerst wurden die Maschinen gewartet, dann zerlegt

In den ersten Jahren ging es hingegen darum, die Maschinen flugbereit zu halten. 146 Inspektionen wurden von 1999 bis 2017 vorgenommen. Es galt nicht nur, die Technik sicher am Laufen zu halten, da sei auch schon mal eine Transall mit Einschusslöchern aus Bosnien-Herzegowina zurückgekommen. Und aus Mali seien Käfer und Echsen als blinde Passagiere nach Penzing gekommen, blickte der Chef der Dienststelle, Oberleutnant Lasse Claußen, zurück. Mit der Zeit seien die Fehlerdiagnosen umfangreicher geworden und irgendwann folgte dann die „allertraurigste Aufgabe“ der Instandsetzungstruppe: Im April 2010 wurde damit begonnen, aus ausrangierten Flugzeugen noch für im Dienst befindliche Maschinen verwendbare Ersatzteile auszubauen, bevor die Flugzeuge anschließend verschrottet wurden und dabei „von einem Bagger martialisch zerrissen wurden“, wie es Claußen formulierte. 39 Transalls ereilte in Penzing dieses Ende, daneben wurden dort 17 Maschinen an Museen abgegeben oder zu Schul- und Ausbildungsgeräten umgebaut.

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Bis zu 2500 Teile wurden in den ersten Jahren pro Flugzeug in die Ersatzteillager der Bundeswehr gebracht, zum Schluss waren es nur noch rund 200, ist der Chronik der Penzinger Dienststelle zu entnehmen. Das konnte mal eine kleine Spezialschraube sein, oder aber auch ein großes Bugfahrwerk. Der Schrott – vor allem Aluminium und Stahl – fließt dann in den Recycling-Kreislauf.

Die Transall - der Lanz-Bulldog der Lüfte

Ein paar Jahre werden die Hochwertteile auch noch gebraucht. Einige Transalls sind noch beim Lufttransportgeschwader 63 im schleswig-holsteinischen Hohn im Einsatz und das mindestens noch bis 2021, erklärt Oberstabsfeldwebel Peter Jentscher.

Die in Penzing ausgebauten Teile werden aber sicherlich noch einige Zeit länger ausreichen, glaubt Manfred Schwarz. Der 52-jährige Iglinger gehörte fast von Anbeginn an zur Instandsetzungstruppe. Schwarz hatte, wie er erzählt, zunächst Flugzeugmechaniker am Flugplatz in Fürstenfeldbruck gelernt, war dann Zeitsoldat, arbeitete zehn Jahre in der Wirtschaft. 2000 kam er zur Bundeswehr zurück, als die Penzinger Außenstelle des Manchinger Instandsetzungszentrums im Aufbau war und Leute vom Fach gesucht wurden. Bei den Transalls war Schwarz für die Bremsläufe zuständig, er kontrollierte die Funktionsweise der Triebwerksregelung. Allein dabei, hat er einmal überschlägig gerechnet, wurden rund eine Million Liter Kerosin verbraucht.

Zivile Beschäftigte sind noch auf dem Fliegerhorst

Wie es für ihn beruflich nach seiner Penzinger Zeit weitergehen wird, sei noch offen. Bis weit ins nächste Jahr hinein wird er aber noch in Penzing zu tun haben. Er gehört zum 32-köpfigen Nachkommando, das noch aufräumt und die restlichen Teile „ausschleust“, wie es im Fachjargon heißt. Bis zum Sommer sollen alle Büros, die Flugzeughalle und die Werkstätten leer geräumt sein und alle Werkzeuge und Gerätschaften im Materialkreislauf der Bundeswehr angekommen sein. Dann werden definitiv die letzten Soldaten Penzing verlassen. Zurück bleiben dann vorerst nur noch die zivilen Beschäftigten des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums. „Es war eine interessante Tätigkeit“, blickt Schwarz zurück. Und es sei schade um die so zuverlässigen Transalls, die er deswegen gerne mit alten Lanz-Bulldogs vergleicht.

So geht es mit dem Personal weiter

Wer von den Instandsetzern in den nächsten Monaten nicht in den (vorgezogenen) Ruhestand geht, wird meist in einem der umliegenden Bundeswehrstandorte eine neue Beschäftigung finden, zum Beispiel in Kaufbeuren, auf dem Lechfeld oder beim Instandsetzungszentrum 13 auf der anderen Seite von Landsberg, in der Welfenkaserne. Da geht es auch ums Fliegen, wenngleich im dortigen Bunker keine ganzen Flugzeuge zur Inspektion gebracht werden, sondern nur Cockpitkomponenten.

Die formelle Außerdienststellung nahm Oberst Stefan Schmid-Schwickhardt, der Kommandeur des Waffenunterstützungszentrums 1 in Manching, vor. Er dankte nicht nur den Penzinger Soldaten und Zivilbeschäftigten für ihren Einsatz, sondern auch der Bevölkerung von Penzing und der Umgebung für die der Bundeswehr entgegengebrachte Unterstützung und Wertschätzung.

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