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Penzing

16.11.2018

Fliegerhorst: Landrat will Einfluss nehmen

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Transall-Maschinen auf dem Fliegerhorst in Penzing.
Bild: Ulrich Wagner

Wenn der Militärflugplatz in Penzing endgültig aufgelöst wird, will Thomas Eichinger das Gebiet in einem Zweckverband sichern und weiterentwickeln.

Was wird aus dem ehemaligen Fliegerhorst Penzing? Mit dieser Frage beschäftigen sich seit einigen Jahren vor allem die Gemeinde Penzing und die Stadt Landsberg, auf deren Flur die Militärs seit den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Stützpunkt unterhielten. Nach deren Abschied sind nun aber weit mehr als nur die beiden Kommunen tangiert, meint der Landrat des Landkreises, Thomas Eichinger. Gestern stellte er daher Pläne zur Gründung eines Zweckverbands zur Nachverwertung und Entwicklung des Areals vor – mit mindestens dem Freistaat Bayern, dem Landkreis Landsberg, der Gemeinde Penzing und der Stadt Landsberg als Mitglieder. Aber auch weitere, kleinere Gemeinden des Umlandes und Gebietskörperschaften lädt er ein, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Ein Objekt der Begierde

Schon lange, bevor das Lufttransportgeschwader 61 vor knapp einem Jahr außer Dienst gestellt wurde und die letzten Soldaten im September kommenden Jahres den mittlerweile stillgelegten Fliegerhorst verlassen werden, ist das 270 Hektar große Areal zwischen Penzing und Landsberg zum Objekt der Begierde geworden. Interessenten gaben sich schon unter Eichingers Vorgänger Walter Eichner die Klinke in die Hand. Die Gemeinde Penzing ließ inzwischen ein Gutachten erstellen, das die Entwicklung des Geländes durch Privat-Investoren und den Automobilclub ADAC vorsieht. Eine Mischung aus Gewerbe, Wohnen und eventuell Forschung hatte sich der Stadtplaner Professor Joachim Vossen ausgedacht.

Noch ist der Bund Eigentümer des Areals und hat den Fliegerhorst bislang nicht zurückgegeben. Noch steht eine Rückmeldung einer Organisationseinheit der Bundeswehr aus, die sich mit dem Thema Cyber-Technologie auseinandersetzt. Thomas Eichinger: „Wenn die auch noch verzichten, dann geht der Fliegerhorst an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die sich um dessen weitere Nutzung kümmert.“

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Eine Allianz schmieden

Doch so lange möchte der Landkreis-Chef nicht warten. Er möchte, dass die Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand behält, sprich das 270-Hektar-Areal weiterentwickelt. Für eine Gemeinde der Größenordnung Penzings aber sicher finanziell nicht zu stemmen. Auch wenn es einen Beschluss des Bundestags gibt („Verbilligungsrichtlinie“), dass im Falle einer Nutzung für sozialen Wohnungsbau Konversionsflächen günstiger abgegeben werden, würde wohl über eine Summe gesprochen, die im dreistelligen Millionenbereich liege. Im Falle einer Veräußerung an Investoren sieht Eichinger aber die organische Entwicklung des Gebietes und den Einfluss darauf gefährdet: „Nach dem Verkauf ist nahezu jedes Mitspracherecht der öffentlichen Hand verloren gegangen.“ Daher möchte er eine Allianz schmieden: den Zweckverband.

Nach dem Vorbild des Zweckverbands Freiham favorisiert er eine Mitgliedergruppe, die sich aus dem Landkreis, der Anliegergemeinde, der Kreisstadt, aber auch umliegenden Gemeinden, eventuell Landkreisen oder gar der Stadt München zusammensetzt. Außerdem kommt der Freistaat als „starker Partner“ mit hinzu. Erste Gespräche habe er bereits im Bauministerium geführt und sei auf offene Ohren gestoßen. Dort wurde gerade die Wohnungsbaugesellschafft „BayernHeim“ aus der Taufe gehoben, die zum ziel hat, dass in Bayern bis 2025 mindestens 10000 Mietwohnungen geschaffen werden: „Es gibt ein Interesse, mit dabei zu sein.“

Führungsrolle für Penzing

Der Landkreis selbst würde im Zweckverband keineswegs die Führerschaft anstreben. Die sollte, ergänzt der Wirtschaftsförderer des Landkreises, Bernhard Lachner, unbedingt bei der Gemeinde Penzing bleiben. Dies ließe sich aber vertraglich alles ganz exakt festlegen. Eichinger kann sich vorstellen, den Landkreis mit einem kleinen Anteil zu beteiligen. Wichtig sei vor allem, dass die Bestandsgebäude, die ja vor wenigen Jahren vom Bund noch komplett saniert wurden, sofort in eine Nutzung kommen. So würde der Landrat Teile der unter Raumnot leidenden Landkreisverwaltung gerne dort unterbringen. Auch für eine Außenstelle einer Hochschule sei dort ein glänzender Standort.

Oberbürgermeister Mathias Neuner ist bei einer Zweckverbandslösung sofort mit dabei. Er hatte schon mehrfach deutlich geäußert, dass Landsberg bei einem Verkauf an einen Investor aus dem Spiel wäre: „Dann würden wir unsere rund 26 Hektar selbst entwickeln.“ Die Alternative Eichingers begrüßt er uneingeschränkt: „Das ist von überregionaler Wichtigkeit.“ Die Bürger Penzings wird Bernhard Lachner, am kommenden Montag über den Alternativvorschlag des Landkreises informieren. Beginn im Gasthof Frank ist um 19.30 Uhr.

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