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Landsberg

04.05.2020

Förster machen sich Sorgen um den Wald im Landkreis Landsberg

Ein ausgewachsener Buchdrucker (Borkenkäfer) auf einer Rindenschuppe in Nahaufnahme.
Bild: Michael Friedel

Plus Stürme, Hagel, Trockenheit und jetzt der Borkenkäfer. Wie Waldbesitzer im Landkreis Landsberg auf die Probleme reagieren sollen.

„Heuer ist es besonders kritisch.“ Die Förster Friedrich Wendorff und Erwin Schmid sowie Martin Mall, Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Landsberg, blicken mit Sorge auf die Wälder im Landkreis Landsberg. Und der Borkenkäfer ist heuer so gefährlich wie nie zuvor.

„Die Stürme Sabine und Bianca in diesem Winter, die teils schweren Hagelschäden von Pfingsten 2019 und die Trockenheit begünstigen den Borkenkäfer“, sagt Wendorff. Dieser habe in den vergangenen Jahren bereits eine große Population aufbauen können. Zudem habe der Schädling aufgrund der stetig wärmeren Witterung seinen Schwärmflug erneut eine Woche früher beginnen können und dies bereits das dritte Jahr in Folge.

Von größter Wichtigkeit sei deshalb die regelmäßige Kontrolle durch die Waldbesitzer. Ab sofort und bis in den Juni sollte deshalb zumindest 14-tägig, noch besser jede Woche, auf frischen Befall kontrolliert werden, sagt der Förster. „Diese Verpflichtung muss auch in Zeiten von Corona wahrgenommen werden.“ Gefährdet seien besonders Südränder von Wäldern und Stellen, an denen der Käfer in den vergangenen Jahren bereits wütete.

Braunes Bohrmel bleibt oft in der Rinde einer Fichte hängen.
Bild: Florian Stahl

„Es ist wichtig, die erste Schwärmwelle abzufangen“, sagt Erwin Schmid vom Forstrevier Ammersee. Klares Indiz für frischen Befall sei braunes, schnupftabakähnliches Bohrmehl in den Rindenschuppen und/oder am Stammfuß. „Solche Bäume müssen sofort geschlagen und mindestens 500 Meter vom Wald entfernt gelagert werden.“ Diese Entfernung könne der Käfer nicht mehr fliegen. Wer den Erstbefall im Frühjahr entdecke und aus dem Wald entferne, habe meist für den Rest des Jahres Ruhe. Entfernen, so betonen die drei Fachleute, bedeute, dass alles weg muss, inklusive Wipfel und Brennholz.

Das Mischen von Baumarten ist wichtig

Die Holzpreise seien zwar im Keller und zusätzlich seien rund 15.000 Festmeter Privatholz noch nicht abgefahren, für die Waldbesitzer gelte es aber, Vermögen zu sichern. Verantwortungsvolles Handeln in Bezug auf den Schädling stehe im Vordergrund. Friedrich Wendorff macht das an einer einfachen Rechnung fest: „Die aus einer befallenen Fichte ausschwärmenden Käfer vernichten 400 Fichten. Bei drei Bruten pro Saison ist innerhalb eines Jahres ein Hektar Fichtenwald zerstört.“ Gerade deshalb müsse von der Fichtenmonokultur Abstand genommen werden. Bei der Neuanpflanzung sei das Mischen von Baumarten wichtig. „Wir Förster besprechen das, falls gewünscht, mit den Waldbesitzern.“

Förderungen seien möglich. So gewähre der Freistaat für die „insektizidfreie“ Borkenkäferbekämpfung – schlagen und entfernen – eine Prämie von bis zu zwölf Euro pro Festmeter. Für die Wiederaufforstung von Schadensflächen mit Mischwald gibt es laut Wendorff ebenfalls Unterstützung aus dem Waldförderprogramm.

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