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Geltendorf

17.05.2019

Frau Kerscher und die Amsel, die im Traktor brütet

Ottilie Kerscher ist Landwirtin - und hat ein Herz für Vögel. Eine Amsel hat sich im Traktor der Geltendorferin eingenistet.
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Ottilie Kerscher ist Landwirtin - und hat ein Herz für Vögel. Eine Amsel hat sich im Traktor der Geltendorferin eingenistet.
Bild: Thorsten Jordan

Eine Amsel brütet im Motorraum eines Traktors von Landwirtin Ottilie Kerscher aus Geltendorf. Der Vogel ist Ausfahrten nicht abgeneigt und darf dort mit seiner ganzen Familie leben.

Einen nicht alltäglichen Fahrgast hat die Geltendorfer Landwirtin Ottilie Kerscher seit einigen Wochen: Eine Amsel hat sich einen betagten Renault-Traktor als Nistplatz ausgesucht und möchte dort offenbar auch ihren Nachwuchs großziehen. Dabei scheint sie auch kurzen Spritzfahrten nicht abgeneigt. Zumindest bleibt der Vogel unerschrocken in seinem Nest sitzen, wenn es auf dem Hof etwas zu tun gibt.

Vor drei Wochen entdeckte Ottilie Kerscher ihren nicht alltäglichen Untermieter. Zunächst bemerkte sie lediglich Stroh zwischen dem Motorblock und der Fahrerkabine: „Ich dachte, da hat es ein Vogel halt versucht.“ Doch dann wurde aus dem Stroh ein Nest. Die Amsel selbst zeigte wenig Scheu, wenn sich jemand näherte. Ottilie Kerscher, die sich selbst seit über 30 Jahren für Vögel interessiert, fragte einen Ornithologen. Der riet ihr eher, das Nest zu entfernen.

Sehen Sie hier das Video-Interview mit Ottilie Kerscher:

Frau Kerscher und die Amsel, die im Traktor brütet
Landwirtin Ottilie Kerscher aus Geltendorf und ihre Amsel, die im Traktor lebt

Das wollten Ottilie Kerscher und ihr Mann Josef dann doch nicht. „Wir haben so viele verschiedene Vögelarten, die bei uns auf dem Hof brüten, warum sollten wir das Amselnest da wegräumen?“ Ein weiterer Rat war, in der Nähe eine Nistmöglichkeit zu schaffen. Doch da hatten die Kerschers die Sorge, dass Krähen oder andere Nesträuber eine leichte Beute finden. „Unter der Motorhaube ist das Nest trocken und gegen seitliche Einflüsse klappen wir immer die Fahrertür zum Schutz nach vorne.“ Außerdem, so dachte sich das Ehepaar, werde der alte Traktor nur selten und nur auf kurzen Wegen auf dem Gelände bewegt.

Ein Jungtier ist schon geschlüpft

Ottilie Kerscher war immer noch der Meinung, dass die Amsel, sobald der Motor angelassen werde, sicherlich das Weite suchen werde und sich woanders ein Nest baue. Doch sie hatte sich geirrt: „Beim ersten Mal ist sie nach ein paar Metern zwar aufgeflogen, aber dann wieder ins Nest zurückgekehrt.“ Die Landwirtin fuhr dabei extra langsam und nur im ersten Gang, um den Vogel nicht zu sehr zu verschrecken. Bei den nächsten Malen blieb die Amsel für immer längere Strecken im Nest und nun lässt sie sich vom Motorengeräusch und den Vibrationen überhaupt nicht mehr stören.

Der Traktor wird so wenig wie möglich bewegt

Dennoch haben Ottilie und Josef Kerscher beschlossen, den Traktor so wenig wie möglich zu fahren, damit die Amsel ihre Eier, die sie inzwischen ins Nest gelegt hat, in größtmöglicher Ruhe ausbrüten kann. Josef Kerscher: „Wir stapeln halt jetzt unsere Heuballen per Hand.“

Seit dieser Woche hat sich so viel Fürsorge bereits bezahlt gemacht. Das erste Junge hat Ottilie Kerscher bereits ausgemacht und sie hofft, dass noch weitere Folgen werden. „Es sind ja nur ein paar Wochen, dann werden die flügge und die Amselfamilie wird weiterziehen.“

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