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Landsberg

11.04.2018

Früheres Militärgelände: Eine Gedenktafel mit besonderer Bedeutung

In der Irving-Heymont-Straße zwischen dem ehemaligen Offizierskasino und dem Staatlichen Hochbauamt in Landsberg ist am Mittwoch eine Gedenktafel enthüllt worden. Sie erinnert an die "Displaced Persons", die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände der damaligen Saarburgkaserne untergebracht waren. Von links: Kurt Stürmer, Franz Xaver Rößle, Hans Lichnowski und Oberbürgermeister Mathias Neuner.
Bild: Julian Leitenstorfer

Wo früher die Saarburgkaserne in Landsberg stand, wird jetzt wieder an einen besonderen Ort mit Geschichte erinnert. Dort waren nach den Kriegswirren Überlebende untergebracht.

Die von dem amerikanischen Offizier Irving Heymont (1918-2009) gestiftete Tafel, die an das von 1945 bis 1950 bestehende Lager für Displaced Persons in Landsberg erinnert, ist im Stadtbild jetzt wieder besser sichtbar. Im Beisein früherer Angehöriger des Flugkörpergeschwaders 1 in der Saarburgkaserne wurde am Mittwoch die nunmehr an einer Stele angebrachte Tafel in der Irving-Heymont-Straße auf dem ehemaligen Militärgelände präsentiert.

Mehr als 20.000 Menschen durchliefen das Lager

Das Erinnerungszeichen wurde vor 29 Jahren von Irving Heymont gestiftet. Er leitete von September bis Dezember 1945 das auf dem Kasernenareal eingerichtete DP-Lager. Dort waren in den ersten Nachkriegsjahren zeitweise bis zu 7000 DPs untergebracht. Insgesamt durchliefen das Lager rund 23.000 Menschen, erinnerte Oberbürgermeister Mathias Neuner. Als DPs wurden Überlebende des Holocaust und andere während des Kriegs entwurzelte oder verschleppte Personen bezeichnet. Am 10. September 1989 wurde die Tafel am Eingang der Kaserne enthüllt.

Die Kaserne wurde erneut zum Flüchtlingslager

Lange blieb sie dort nicht, denn im Zuge der wenige Wochen später einsetzenden politischen Umwälzungen (Ende des Kalten Kriegs und der deutschen Teilung) wurde die Kaserne ab Herbst 1989 erneut zu einem Flüchtlingslager (und zwar für Menschen, die damals der DDR den Rücken kehrten), bis sie dann 1990 aufgelöst wurde. Damals war Kurt Stürmer als Oberstleutnant stellvertretender Kommodore des Geschwaders. Auch er war am Mittwoch bei dem Termin an der Erinnerungstafel dabei.

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Als das Gelände anschließend von der Stadt gemietet und weitervermietet wurde, sei die Tafel in die Grundschule an der Katharinenstraße versetzt worden, blickte der damalige Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle zurück. Schließlich fand sie einen Platz an einem rückwärtigen Eingang der Schule, wo sie kaum mehr beachtet wurde.

Bald wird eine weitere Gedenkstätte enthüllt

Schon lange war es Rößle daher ein Anliegen, die Tafel wieder auf das ehemalige Kasernengelände, aus dem inzwischen das Wohngebiet Katharinenanger geworden ist, zurückzuversetzen. Als geeigneter Platz wurde die kleine Grünanlage neben dem ehemaligen Offizierscasino zwischen der Irving-Heymont- und der Geschwister-Scholl-Straße ausgewählt – in Sichtweite zum Gefallenendenkmal der Saarburgkaserne. Dort wird demnächst auch noch eine weitere Gedenkstätte enthüllt. Sie wird an das Ehepaar Alois und Maria Elsner erinnern, die in den letzten Kriegsmonaten KZ-Häftlinge in Kaufering mit Bekleidung, Medikamenten und Lebensmitteln versorgten.

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