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Fuchstal

20.08.2019

Fuchstal: Eine Gemeinde ohne Barrieren

Anja Charafeldin vom Inklusionsbeirat des Landkreises ist selbst Betroffene und erzählt Redakteurin Stephanie Millonig, warum sie Leeder als Wohnort gewählt hat.
Bild: Julian Leitenstorfer

Für Menschen mit Behinderung sollten Behörden, Praxen und Lokale barrierefrei sein. Anja Charafeldin vom Inklusionsbeirat erklärt, warum sie gerne in Leeder lebt.

Neben dem Rathaus in Leeder steht eine gemütliche Sitzgruppe mit Blick auf die zentrale Straßenkreuzung und stattliche historische Häuser. Ein Platz, um sich zu treffen und ratschen und vor allem für Senioren und Menschen mit Behinderung ein willkommener Ort, um Pause zu machen. Anja Charafeldin, Mitglied im Inklusionsbeirat des Landkreises und Beirat für Menschen mit Behinderung, sitzt hier und erzählt, warum Fuchstal als Leuchtturmprojekt benannt wurde. Damit will der Inklusionsbeirat Projekte hervorheben, die sich durch ein besonderes Engagement für die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung starkmachen.

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Auf den Rollstuhl angewiesen

Anja Charafeldin spricht aus eigener Erfahrung. Sie leidet unter Multipler Sklerose und ist je nach körperlicher Verfassung auf Krücken oder auf einen Rollstuhl angewiesen. Und sie lebt seit neuneinhalb Jahren in Leeder und hat ihre Gemeinde als Leuchtturmprojekt vorgeschlagen: „Ein Dorf ist barrierefrei – Asch, Leeder und Welden“ lautet der Titel dieses dörflichen Leuchtturms.

Wichtig war für die 49-Jährige vor einigen Jahren bei der Frage „wo ziehst du hin?“, dass sie möglichst viele Einrichtungen und Orte in ihrer neuen Heimat mit ihren Hilfsmitteln erreichen kann. Und im Fuchstal fand sie diese Möglichkeiten – und den reizvollen Ort Leeder und eine schöne Landschaft sowie günstigere Immobilienpreise gegenüber Landsberg oder Greifenberg, wo Anja Charafeldin früher lebte.

Fuchstal: Eine Gemeinde ohne Barrieren

Gehwege sind abgesenkt

In Leeder geht es schon damit los, dass die Gehwege abgesenkt sind – was Menschen mit Gehbehinderung oder Rollstuhlfahrern das Fortkommen erleichtert. Arztpraxen in Leeder und Asch seien barrierefrei, ebenso wie die beiden in Leeder ansässigen Banken und der Supermarkt, wie Anja Charafeldin erzählt: „Der Edeka hat sogar einen Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer.“

Besonders wichtig für Rollstuhlfahrer, um am geselligen Leben teilnehmen zu können: Lokale und Wirtshäuser mit ebenerdigen Türen und barrierefreier Toilette. „Der Luitpoldsaal hat so eine Toilette und das Restaurant daneben ist ebenerdig erreichbar.“ Ebenerdig erreichbar sei auch Theresas Landbistro, sagt Anja Charafeldin. Und in Seestall gebe es eine Pizzeria, die man erreichen könne.

Eine Inklusionsgruppe im Kindergarten

Anja Charafeldin erinnert sich, dass es in Landsberg schwieriger gewesen sei, ein Lokal zu finden, das Menschen mit Rollstuhl nutzen könnten. Auch Fuchstalhalle und Schule seien barrierefrei, und im Kindergarten gebe es eine Inklusionsgruppe. Und auch das Pfarrzentrum sei für Rollstuhlfahrer ohne Barriere zu befahren. „Es ist irre für so ein kleines Dorf.“

Bürgermeister Erwin Karg habe immer ein offenes Ohr – „für Inklusion, Integration und Bienenweide“, sagt Anja Charafeldin und zeigt auf den Blühstreifen rund ums Rathaus. Manfred Eder, ebenfalls Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung, sei Rollstuhlfahrer und lebe schon lange in Leeder. Er werde immer mit einbezogen, wenn es um Belange von Menschen mit Behinderungen gehe. Das Rathaus habe einen Aufzug und jetzt sei im Außenbereich noch eine barrierefreie Toilette gebaut worden. Auch einen Behindertenparkplatz gibt es, wenngleich er nicht ganz der DIN-Norm entspricht, da er abschüssig ist, wie Anja Charafeldin erzählt.

Lob für die Sitzgelegenheiten

Aber wichtig sei, dass etwas gemacht werde. Die Wohnungen in den vier Gemeindehäusern seien ebenfalls für Rollstuhlfahrer geeignet. „Ich glaube, in einer wohnt auch einer.“ Und im ganzen Dorf gibt es immer wieder Sitzgelegenheiten. Was nicht nur Menschen wie Anja Charafeldin zugutekommt, die nicht lange stehen kann, sondern allen – vor allem den Senioren.

Nicht nur Orte werden vom Inklusionsbeirat benannt. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die inklusive Ministrantengruppe der Pfarrei Zu den Heiligen Engeln in Landsberg.

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