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Landsberg/Schongau

04.01.2020

Fuchstalbahn: Ist das Verkehrsministerium zu defensiv?

Politisch wird eine Reaktivierung der Fuchstalbahn (unser Bild zeigt die Strecke bei Unterdießen) in den Landkreisen Landsberg und Weilheim-Schongau befürwortet. Doch wie kann sie konkret umgesetzt werden?
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der Arbeitskreis hat den Eindruck, dass eine Reaktivierung gar nicht gewollt ist. Das Bayerische Verkehrsministerium weist die Kritik der Umweltinitiative Pfaffenwinkel zurück und stellt erneut vier Bedingungen.

Die politischen Absichtserklärungen sind abgegeben: Die Landkreise Landsberg und Weilheim-Schongau befürworten die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Fuchstalbahn zwischen Landsberg und Schongau. Doch wie sieht es mit den weiteren Schritten aus? Der Arbeitskreis Fuchstalbahn der Umweltinitiative Pfaffenwinkel macht mit einer Postkartenaktion (rund 1300 Karten wurden bislang ausgegeben) gegenüber dem Verkehrsministerium in München Druck. Mit der Antwort des Ministeriums ist die Umweltinitiative jedoch nicht ganz zufrieden.

Auch wenn die Kreistage in Landsberg und Weilheim-Schongau zuletzt die Reaktivierung des Personenverkehrs politisch unterstützt haben – an den vier Bedingungen, an die solche Wiederbelebungen in Bayern geknüpft werden, hält das Verkehrsministerium fest. Diese sind: 1000 Reisende pro Werktag; die Bahninfrastruktur müsse ohne Zuschuss des Freistaats in einen Zustand versetzt werden, der einen attraktiven Zugverkehr ermöglicht; es muss einen Streckenbetreiber geben, der keine höheren Kosten als die Deutsche Bahn verlangt, und die Aufgabenträger des ÖPNV müssten sich verpflichten, ein mit dem Freistaat abgesetztes Buskonzept im Bereich der Reaktivierungsstrecke umzusetzen.

Ministerium: Nicht immer ist der Zug klimafreundlicher

Doch damit nicht genug: Das Argument des Arbeitskreises, eine Reaktivierung der Bahnstrecke wäre ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, wird in der Antwort des Ministeriums durchaus relativiert: Bei der Fuchstalbahn handle es sich um eine dieselbetriebene Strecke, heißt es dazu. Kurze Haltepunkabstände und häufiges Anfahren erhöhten den spezifischen Energieverbrauch stark. Solange man die Fahrgäste mit einem Bus transportieren könne, verbrauche ein Bus mit 25 bis 30 Litern Diesel pro 100 Kilometer deutlich weniger Energie pro Sitzplatz als ein Dieseltriebwagen mit rund 100 Litern pro 100 Kilometer. Bei weniger als 1000 beförderten Personen pro Tag sei ein Zug auch weniger wirtschaftlich als ein Bus.

Fuchstalbahn: Ist das Verkehrsministerium zu defensiv?

Mit Wasserstoff oder mit Akku fahren?

Der Arbeitskreis Fuchstalbahn der Umweltinitiative Pfaffenwinkel sieht darin eine „defensive Diktion“ des Ministeriums, die den Eindruck vermittle, „dass die Reaktivierung von stillgelegten Bahnlinien Ihrerseits gar nicht gewollt wird“, schreibt Arbeitskreis-Sprecher Harald Baumann in seiner Antwort an Verkehrsminister Hans Reichhart. Das Ministerium verkenne, dass nach einer Reaktivierung der Bahnlinie mit einer deutlich höheren Fahrgastnachfrage gerechnet werden könne. Außerdem bleibe außer Acht, dass Bahnstrecken elektrifiziert oder mit Wasserstoff angetriebenen Zügen befahren werden können. Mit einem Ringschluss der Lechfeld-, Fuchstal-, Pfaffenwinkel- und Ammerseebahn mit teilweise elektrifizierten Abschnitten könnten Hybrid-Akkus aufgeladen werden. Und schließlich müsse in die Kalkulation der gesellschaftliche Mehrwert einer Bahnreaktivierung einfließen: Der Arbeitskreis nennt dabei die Entlastung von Straßen wie der Bundesstraße 17, positive Effekte besonders für den Schul- und Ausbildungsverkehr sowie für Freizeit und Tourismus.

Diese Kritik ließ das Verkehrsministerium jedoch nicht auf sich sitzen: Seit Beginn der Bahnreform seien in Bayern vier Strecken reaktiviert und 60 ehemals stillgelegte Bahnhaltepunkte wiedereröffnet worden. Außerdem fahre der Freistaat bereits seit 1996 mit dem Bayerntakt eine angebotsorientierte Verkehrspolitik auf der Schiene. Zudem betont das Ministerium erneut, dass bei weniger als 1000 Fahrgästen pro Tag ein Busverkehr ökologischer und ökonomischer sei als ein Bahnverkehr.

Bald könnte es höhere Zuschüsse für die Gemeinden geben

In der praktischen Umsetzung der Reaktivierung sind nach den vier Kriterien des Freistaats in erster Linie die Bahn als Betreiber der Fuchstalbahn (für die Bahnstrecke an sich) und die Gemeinden entlang der Strecke (für Bahnübergänge und die Anbindung anderer Verkehrsmittel an die Bahnstrecke, etwa in Form von Park-&-Ride-Plätzen) gefordert. Die Gemeinden können jedoch mit hohen Bundeszuschüssen rechnen. Eine laufende Änderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes sieht laut Harald Baumann aus Schongau, dem Sprecher des Arbeitskreises Fuchstalbahn, künftig finanzielle Förderungen von bis zu 90 Prozent vor.

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04.01.2020

Die Reaktivierung der Bahn für den Personenverkehr sehe ich um so fragwürdiger, wenn man bedenkt dass die Bahnstrecke auf ihrem 30 km Weg von Landsberg nach Schongau genau einen Ort durchquert, nämlich nach 16 km Denklingen. Das Ziel der Bahnstrecke war von Anfang an der Güterverkehr, u.a. um die unzuverlässige und wetterabhängige Lechflößerei zu entlasten. Ich bin als Kind noch mit der Bahn gefahren, Ziel Weldener Weiher (!), schon damals bestand der "Personenverkehr" aus einer Dampflok mit mehreren Güterwägen und einem angehängten Personenwaggon.

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