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Landkreis Landsberg

11.11.2019

Fuchstalbahn: Wie werden die Weichen gestellt?

Fahren irgendwann einmal wieder regelmäßig Personenzüge auf der Strecke der Fuchstalbahn zwischen Landsberg und Schongau? Entsprechende Initiativen gibt es.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Plus Die Befürworter einer Reaktivierung der Fuchstalbahn erleben ein Wechselbad der Gefühle. Welche Chancen und Probleme die Bürgermeister der Gemeinden entlang der Strecke sehen.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das die Befürworter einer Reaktivierung der Fuchstalbahn gerade erleben. Sie fordern, dass zwischen Landsberg und Schongau wieder regelmäßig Personenzüge fahren. Eine entscheidende Rolle könnten die Bürgermeister entlang der Strecke spielen. Wir haben mit ihnen gesprochen, was sie von den Plänen halten.

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Erst konnten sich die Befürworter der Initiative Fuchstalbahn darüber freuen, dass der Kreistag Weilheim-Schongau das Anliegen einstimmig unterstützt, dann folgte die schlechte Nachricht aus dem Bayerischen Landtag. Die Parlamentarier stimmten darüber ab, ob die Kriterien geändert werden sollen, ab denen sich die Inbetriebnahme von Bahnstrecken rechnet. Bislang gilt die starre Vorgabe von mindestens 1000 Reisenden pro Kilometer an Werktagen. Für die Änderung der Kriterien stimmten 67 Landtagsabgeordnete, 107 waren dagegen.

Debatte im Landtag: Grüne gegen CSU

Die Kauferinger Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel war danach enttäuscht: „Heute hätten CSU und Freie Wähler die Möglichkeit gehabt, im Landtag die Weichen dazu zu stellen.“ Der CSU-Abgeordnete Alex Dorow aus dem Landkreis Landsberg votierte dagegen. Aus Sicht von Triebel nimmt die Entscheidung keine Rücksicht auf die Siedlungsdichte und benachteilige ländliche Räume.

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Alex Dorow betont, dass sich die Vorgabe von 1000 Reisenden pro Kilometer in der Vergangenheit bewährt habe. Er verwies aber auch darauf, dass beschlossen worden sei, die Entscheidung mehr auf die örtliche Ebene zu verlagern. „Ziel ist es, auf die Bürgermeister zuzugehen. Zu reden, auf welchen Strecken es sinnvoll ist und dort Lösungen zu finden.“

Das Vorhaben, die Fuchstalbahn für den Personenverkehr zu reaktivieren, begrüßt er. Die Voraussetzungen seien dort günstiger als bei vielen anderen Strecken im Freistaat, weil es noch ein intaktes Netz gebe und die Haltepunkte mit vergleichsweise wenig Aufwand hergerichtet werden könnten.

Unterschiedlich fällt das Echo bei den vom LT befragten Bürgermeistern entlang der Trasse aus. Kinsaus Bürgermeister Marco Dollinger befürwortet, dass wieder Personenzüge fahren. Letztlich liege die Entscheidung aber beim Gemeinderat. Selbst wenn der Zug nicht in Kinsau halten sollte, würde Dollinger die erneute Inbetriebnahme begrüßen. „Es wäre trotzdem ein Gewinn und ich denke, dass die Leute auch bereit wären, mit dem Rad oder Auto zum nächsten Haltepunkt zu fahren.“

Einige Bürgermeister zeigen sich zurückhaltend

Harald Baumann vom Arbeitskreis Fuchstalbahn der Umweltinitiative Pfaffenwinkel verwies in einer Podiumsdiskussion in Fuchstal vergangene Woche darauf, dass die Bayerische Eisenbahngesellschaft eine Mindestgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern fordere, weswegen nicht alle Orte angefahren werden könnten. Zunächst gelte es laut Dollinger aber ohnehin erst einmal, „das Konzept mit Leben zu füllen“. Wenn das geschehen sei, liege auch eine Entscheidungsbasis vor. So äußert sich auch Denklingens Bürgermeister Andreas Braunegger. „Wir reden jetzt über ungelegte Eier. Das Konzept wird zeigen, ob es sinnvoll ist oder nicht.“

Zurückhaltend reagieren Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg und sein Amtskollege Alexander Enthofer aus Unterdießen. Beide halten ein solches Angebot für „wünschenswert“, sehen aber ähnliche Probleme bei der Umsetzung. „Die Bahn ist träge, es wird ein steiniger Weg. Selbst wenn alle Gemeinden das Projekt voll anschieben, wird es wohl zehn bis 15 Jahre bis zur Realisierung dauern“, sagt Karg.

Einige Bahnhöfe wurden verkauft

Enthofer ist der Ansicht, dass die politische Stimmungslage günstig sei für solch ein Vorhaben und der Verkehr von der Straße auf die Schiene müsse. Auch er blickt aber mit Skepsis auf die Bahn als Verhandlungspartner und die fehlende Infrastruktur. „Es müsste bei den Haltepunkten und den Parkplatzangeboten einiges passieren.“

Karg verweist zudem auf die Problematik der Bahnübergänge. Diese müssten mit Schranken versehen oder geschlossen werden. Im Fall der Schließung sei wohl mit Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen. Weil der Zug nur 35 Minuten von Schongau bis Landsberg brauchen soll, seien „höchstens zwei Haltepunkte auf der Strecke“ möglich, so Karg weiter. Und Denklingen und Unterdießen hätten ihre Bahnhofsgebäude verkauft. Und dann sei da noch die Frage nach dem Nadelöhr in Landsberg. In der Katharinenstraße gibt es einen Bahnübergang, dessen Schranken dann deutlich häufiger als jetzt nach unten gingen und zu Staus in der Kreisstadt führten.

Auf der Strecke gibt es ein Nadelöhr - und das liegt in Landsberg

Der Landtagsabgeordnete Dorow sagte dem LT, dass es nur funktionieren werde, wenn sich alle Bürgermeister einig seien. Für das falsche Signal hält er den Vorschlag aus Denklingen und Unterdießen, einen Bus auf der Strecke einzusetzen. „Wir müssen die Straße entlasten. Ich denke, dass mit dem Angebot einer Zugverbindung auch die Nachfrage steigen wird.“

Und wie bewertet Landrat Thomas Eichinger das Thema? Wird der Landkreis Landsberg auch seine Unterstützung aussprechen? „Wir werden in den Gremien des Kreises zu gegebener Zeit darüber diskutieren. Es gibt keinen konkreten Zeitplan und das Thema fällt auch nicht in unsere Zuständigkeit.“

Lesen Sie dazu auch:Sie wollen grünes Licht für die Fuchstalbahn

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