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Maibaum

24.01.2012

Fünf-Meter-Stumpf als Traditionsrest

Andreas Huber, der Vorsitzende des Trachtenvereins, und Jürgen Zirch schraubten gestern Nachmittag noch eine erklärende Tafel an den Dießener Maibaumstumpf.
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Andreas Huber, der Vorsitzende des Trachtenvereins, und Jürgen Zirch schraubten gestern Nachmittag noch eine erklärende Tafel an den Dießener Maibaumstumpf.

Trachtler bauen Brauchtumssymbol nur unter Protest ab

Dießen Statt eines 30 Meter hohen Maibaums „ziert“ seit Samstagvormittag ein fünf Meter hoher weiß-blauer Baumstumpf die Dießener Ortsmitte. Nachdem der Maibaum aus Haftungsgründen umgelegt worden und zersägt worden war, stellten die Dießener Trachtler einen Fünf-Meter-Rest wieder auf. Am Montagnachmittag brachten sie noch eine Tafel an, um ihren Unmut zu artikulieren, ihren Unmut darüber, wie es der frühere Vereinschef Sepp Kaindl formuliert, „dass die Traditionspflege durch den Behördenkram immer schwieriger wird“. Apropos Bürokratie: Die jetzt noch vorhandene Resthöhe von fünf Metern ist nicht zufällig gewählt, sondern orientiert sich zentimetergenau an den rechtlichen Vorschriften. „Bis zu fünf Metern braucht man keine baurechtliche Genehmigung“, weiß Kaindl.

Bei einer Baumfällung wurde eine Faulstelle gesichtet

Jahrzehntelang war es in Dießen üblich, den Maibaum unterhalb des Marktplatzes alle fünf Jahre zu erneuern. Doch aus Haftungsgründen wird den Maibaumgruppen abverlangt, bei längeren Standzeiten durch Gutachten die Standsicherheit der Brauchtumsstangen nachzuweisen. Im Falle des Dießener Baums kam jetzt noch dazu, dass anlässlich einer Baumfällung in der Mühlstraße im November vonseiten des Bauhofs auch noch ein Blick auf den Maibaum geworfen wurde. Und dabei wurde eine Faulstelle entdeckt. „Vier bis fünf Zentimeter konnte man mit einem Messer hineinstechen“, fasst Kaindl den Befund zusammen.

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Der Trachtenverein bekam daraufhin laut Kaindl mitgeteilt, dass die Gemeinde die Verantwortung für den Baum nicht mehr übernehmen könne. Diese wollten sich auch die Trachtler nicht auferlegen lassen. „Das ist alles unerfreulich“, ärgert sich Kaindl, und meint damit nicht nur die Sicherheitsauflagen an sich, sondern auch, wie die Gemeinde auf den Faulstellenbefund reagierte: „Da hätte man auch sagen können, schauen wir uns erst einmal den Baum miteinander an.“

Dazu wäre dann auch nochmals am Samstag Gelegenheit gewesen. Doch es sei kein Gemeindevertreter gekommen, als man sich den Baum aus der Nähe anschauen konnte. Dabei habe sich gezeigt, so Kaindl, „dass die Faulstelle die Standfestigkeit des Baums nicht beeinträchtigt hätte“. Bis zum Ablauf des dritten Jahrs Ende April wäre er nicht umgeknickt, so der Eindruck der Beteiligten. Ab diesem Zeitpunkt wäre dann zudem ein Gutachten notwendig gewesen, um den Baum noch länger stehen zu lassen. Das hätte mehrere Hundert Euro gekostet.

Eine Alternative zur vorzeitigen Umlegung hätte es so oder so wohl nicht gegeben, meinte denn auch Bürgermeister Herbert Kirsch. Ein Sachverständiger wäre wohl zu keinem anderen Ergebnis gekommen. „Es wird keinen Gutachter geben, der gesagt hätte, lasst ’s den Baum stehen“, ist der Rathauschef überzeugt, „das ist zwar schade, aber Sicherheit geht vor.“ Er sei zudem „froh und dankbar“, dass der Trachtenverein die Maibaumtradition pflege. Ob das weiterhin so bleiben wird, stellen die Trachtler freilich inzwischen auch ein wenig infrage. Kaindl: „Sollen wir uns für zweieinhalb Jahre überhaupt die Arbeit machen?“ Eine gestern Nachmittag angebrachte Tafel am Baumstumpf drückt die Meinung des Trachtenvereins schließlich folgendermaßen aus. Darauf steht unter anderem zu lesen:

„Da stirbt des Landes Blüte auch“

„5 Jahr lang durft i amoi steh / Behördenvorschrift auch – oh weh / machten mir, oh welcher Hohn / den Garaus nach 2 1/2 Jahren schon! / Wo stirbt des Landes Sitt & Brauch / da stirbt des Landes Blüte auch.“

Übrigens: Wer auf die Umlegungsaktion des Trachtenvereins in der Nacht auf Sonntag noch eins drauflegte und auf dem Baum ein altes Surfbrett festzurrte, war bislang nicht in Erfahrung zu bringen. Kaindl findet die Aktion übrigens auch gar nicht witzig: „Das ist kein Spaß und Freinacht war auch noch nicht.“ Gestern wurde es wieder heruntergezogen.

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