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Landkreis Landsberg

25.11.2017

Für Flüchtlinge ist ein eigenes Zimmer schon ein Gewinn

Vor eineinhalb Jahren bezogen diese Gruppe Eritreer gemeinsam eine Wohnung in Hofstetten.
Bild: Julian Leitenstorfer

Wie das Rote Kreuz versucht, im Landkreis Vermieter für anerkannte Asylbewerber zu finden.

Marianne Asam spricht von einer „großen Herausforderung“, wenn aus Asylbewerbern anerkannte Flüchtlinge und damit „Fehlbeleger“ werden. Für sie sind die vom Landkreis zum Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015/16 angemieteten Unterkünfte nicht gedacht. Sie müssen selbst Wohnungen finden. „Ein wirklich schwieriges Thema“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis.

Vermieter reagieren oft skeptisch

Zwar wird kein Flüchtling auf die Straße gesetzt, aber der Platz in den Unterkünften wird weniger. Wenn die befristet abgeschlossenen Mietverträge ablaufen, werden sie nicht mehr verlängert. Wenn es gut läuft, erklären sich die Vermieter bereit, einen neuen Mietvertrag mit den Bewohnern zu schließen. Doch nicht immer geht das so einfach: „Etliche Vermieter scheuen sich, an anerkannte Asylbewerber weiterzuvermieten“ – auch deswegen, weil es bequemer sei, mit dem Landratsamt vertraglich verbunden zu sein, das sich bislang „um alles gekümmert hat“, wie es Asylsozialberaterin Julia Seidel formuliert.

Mit ihren Kolleginnen Bianca Dittrich und Sabine Rid versucht sie, die Skepsis von Wohnungseigentümern zu überwinden. Da haben sie viel zu tun, denn allein das Rote Kreuz betreut im Landkreis momentan 250 anerkannte Flüchtlinge. Das sind zum einen Migranten, die einen „subsidiären Schutz“ für vorerst ein Jahr erhalten haben (vor allem Somalier und Eritreer), und solche, die eine zunächst auf drei Jahre befristete Anerkennung erreicht haben, worunter in der Regel Syrer fallen. Dazu kommt der Punkt „Familiennachzug“. Subsidiär geschützten Flüchtlingen wird dieser derzeit nicht gewährt, den anderen schon. 25 Familiennachzüge seien „in Arbeit“, sagt Marianne Asam.

Das BRK sieht Leerstand in einigen Gemeinden

Je mehr Unterkünfte vom Landkreis geschlossen werden, desto größer wird das Problem. Ohne zusätzlich anmietbaren Wohnraum könne diesem nur dadurch begegnet werden, dass Flüchtlinge, bevor sie obdachlos werden, in der ehemaligen Soccerhalle in Kaufering oder in einem ehemaligen Spielwarengeschäft im Landsberger Industriegebiet einquartiert werden.

Aber woher soll der Wohnraum kommen? „Ich glaube, dass immer noch viel leer steht“, sagt Asam, auf den Dörfern mehr als in der Stadt, meint sie. Und deshalb will sie mit den Asylsozialberaterinnen Vorbehalte abbauen. Vor allem eine Sorge will sie Vermietern nehmen, nämlich, dass ihnen Flüchtlinge als Mieter womöglich den Mietzins schuldig bleiben. Wer wenig verdient, betont Seidel, könne Wohngeld beantragen. Wer kein Einkommen hat, für den übernehme das Jobcenter die Miete, die auf Wunsch des Vermieters direkt auf dessen Konto landet. Sollte es Probleme geben, stünden sie und ihre Kolleginnen als „Bindeglied“ zur Verfügung. Und sollten Sozialleistungen gekürzt werden, weil ein Empfänger nicht mit der Behörde kooperiert, dann „ist die Mietzahlung das, was als allerletztes angegriffen wird“.

Manche Flüchtlinge gründen Wohngemeinschaften

Oft beschäftigt Vermieter auch die Frage, wie ein Mieter mit seiner Wohnung umgeht. Diesen Gesichtspunkt habe das Rote Kreuz ebenso im Auge. „Mieterqualifizierung“ lautet das Stichwort: Flüchtlinge würden in punkto Ordnung und Sauberkeit, Mülltrennung und Lüftung geschult, aber auch darin, wie sie einen guten Eindruck machen, wenn sie sich vorstellen. Doch sind Wohnungen auf dem flachen Land für Flüchtlinge ohne Führerschein und Auto geeignet, wenn sie in die Stadt zur Arbeit, in die Schule oder zum Sprachkurs müssen? Viele seien geübt darin, vom Dorf in die Stadt zu kommen. Es habe sich bewährt, wenn Flüchtlinge von einer Unterkunft in eine Wohnung im gleichen Dorf umziehen – weil sie mit den Gegegebenheiten vertraut seien.

Einige hundert Flüchtlinge, schätzt Asam, seien schon auf dem Wohnungsmarkt untergebracht worden. Zu den ersten gehörte eine Gruppe Eritreer, die in Hofstetten eine Wohngemeinschaft aufmachte. Solche WGs seien beliebt, sagt Asam, weil ein solches Zusammenleben „deren Kulturkreis eher entspricht“. Ansonsten seien die Ansprüche bescheiden, ergänzt Sabine Rid: Ein eigenes Zimmer zu haben, sei für die Flüchtlinge schon ein großer Gewinn.

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