Newsticker

Mit Ausnahme der Kanaren: Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Spanien
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Für Heilig Kreuz an die Grenzen gegangen

30.08.2007

Für Heilig Kreuz an die Grenzen gegangen

Schondorf (ger) - Gegen manche Widerstände hatte es Schondorfs damaliger Pfarrer Dr. Peter Gehring (1909-1993) im Herbst 1956 geschafft: Mit dem Bau der neuen Pfarrkirche auf dem Seeberg in Unterschondorf wurde begonnen. Als am 19. Januar 1957, einem überaus frostigen Tag, der Augsburger Bischof Dr. Josef Freundorfer zur offiziellen Grundsteinlegung an den Ammersee gekommen war, standen die Mauern bereits in voller Höhe.

In dem festlich geschmückten Rohbau fanden sich offenbar alle örtlichen Honoratioren und "mehrere hunderte von Gläubigen" zur Kirchenweihe ein, wie in der Landsberger Zeitung berichtet wurde. Nach der Weihe des Kreuzes, das die Stelle des künftigen Hochaltars markierte, wurde eine Pergamenturkunde in eine Kupferhülse gegeben und im Grundstein eingemauert.

Innenraum in lichten Tönen

Nach der Grundsteinlegung gingen die Arbeiten rasch weiter und im zeitigen Frühjahr stand bereits der Dachstuhl, wie eine Fotografie, die wohl im März/April 1957 aufgenommen wurde, mit Blick zur alten Pfarrkirche St. Anna hinauf zeigt. Mitte September waren das Kirchenschiff und der Turm verputzt. Das 3,50 Meter hohe, den Kirchenraum dominierende Kruzifix wurde am 12. Oktober montiert, anschließend erfolgte der Einbau der Orgel, am 1. Dezember die Weihe der ersten Glocke. Der Innenraum präsentierte sich in lichten Tönen. Das Gestühl wurde aus naturlasiertem Eichenholz gefertigt, der Boden mit Solnhofer Platten ausgelegt, die Altäre aus Treuchtlinger Marmor gebaut, mit einer Kassettendecke wurde der Kirchenraum überspannt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Am 7. Dezember 1957 kam der Augsburger Oberhirte wieder nach Schondorf, um die Kirche zu weihen: bei "schönstem Feiertagswetter", wie es im Bericht im Landsberger Tagblatt hieß. "Von tiefer Symbolik erfüllt entfaltete sich die heilige Handlung nach dem uralten Ritus der katholischen Kirche", formulierte der Berichterstatter.

Allerdings galt es nun noch, die Innenausstattung der neuen Kirche, die in der Regel von der Pfarrei selbst aufzubringen ist, zu vervollständigen. Diese zog sich fast ein Jahrzehnt hin. Und bald gab es den nächsten Ärger: Bis zum April 1958 hatte Heilig Kreuz nur drei Glocken, die vom Glockengießer, der Firma Prix und der Gemeinde Unterschondorf, auf deren Gemarkung der neue Pfarrsitz gebaut worden war, gestiftet wurden. Zur Vervollständigung des Geläuts wurden zwei Glocken aus der alten Pfarrkirche St. Anna nach Heilig Kreuz gebracht. "Da hat sich Pfarrer Gehring in Oberschondorf einen großen Schiefer eingezogen", erinnert sich Hermann Schneller. Vor allem auch deshalb, weil die Oberschondorfer Glocken nach dem Krieg erst neu gegossen worden waren, denn bis auf eine mussten im Zweiten Weltkrieg alle abgeliefert werden.

"Indes war der Initiator des Pfarrzentrums und der Kirche nach mehr als fünfjährigem Einsatz für dieses Werk, dass die beiden Orte verbinden sollte, mit seiner physischen Kraft am Ende", schildern die Eheleute Schneller den weiteren Verlauf: "Die jahrelangen Widerstände gegen den Bau, die ständige Geldnot, die ihn zwang, immer wieder beim Kultusministerium vorstellig zu werden (...) wie auch das dauernde Bettelnmüssen bei der Bischöflichen Finanzkammer und die dauernde extreme Anspannung forderten ihren Tribut." Kurze Zeit nach der Kirchenweihe erlitt Gehring einen Nervenzusammenbruch. An Fronleichnam war Gehring wieder zurück in Schondorf und er schien "pumperlgesund", wie es die Schnellers formulieren.

Zuvor, im Mai 1958, waren an den Seitenaltären die lebensgroßen Figuren der heiligen Maria und des heiligen Josefs angebracht worden. 1961, im Jahr seines silbernen Priesterjubiläums, konnte Pfarrer Gehring den neuen Tabernakel erwerben. 1966 schuf der Waaler Bildhauer Otto Kobel das Apostelrelief für den Altar - und im folgenden Jahr konnte schon das zehnjährige Weihejubiläum der Heilig-Kreuz-Kirche gefeiert werden.

1970 vollzogen dann auch die beiden Gemeinden Oberschondorf und Unterschondorf ihre Vereinigung, so wie das auf kirchlicher Ebene dreizehn Jahre zuvor durch den Neubau von Kirche, Pfarrzentrum und Pfarrhof geschehen war. 1976 ging Pfarrer Gehring in den Ruhestand.

In der nächsten Woche berichtet das LT über die derzeit laufende Innenraumsanierung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren