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Landkreis Landsberg

19.05.2020

Fußball und andere Sportarten: Der Ball rollt, doch der Spaß fehlt

Teamsportarten sind bedingt wieder möglich. Doch die Corona-Lockerungen und die Bedingungen stoßen vor allem bei den Fuballern auf wenig Gegenliebe.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbolbild)

Plus Für die Fußballvereine und andere Klubs im Landkreis Landsberg kehrt nach den Lockerungen nur bedingt der Alltag zurück. Denn es gelten nach wie vor strenge Regeln, und die werden zum Teil stark kritisiert.

Es darf wieder trainiert werden. Teamsport ist im Landkreis Landsberg nach den Corona-Lockerungen wieder gestattet. Der Anpfiff stößt bei den Verantwortlichen aber auf wenig Begeisterung: keine Zweikämpfe, Kopfbälle oder Einwürfe bei den Fußballern, keine freien Aufschläge oder Netzaktionen bei den Volleyballern. „Mit richtigem Volleyball hat das wirklich nichts zu tun“, so Stefan Huber, Trainer der U18-Damenmannschaft der Lechrain Volleys. Zusätzlich haben die Amateurvereine viel Arbeit vor sich, die haarkleinen Hygiene- und Abstandsregelungen der bayerischen Sportverbände umzusetzen.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) legte den Amateurvereinen einen umfassenden Leitfaden zum eingeschränkten Trainingsbetrieb vor. Von der An- und Abreise bis zur Vorgabe von Trainingseinheiten ist präzise beschrieben, woran sich die Sportler halten müssen. Sobald die Gemeinden die Sportanlagen freigeben, dürfen die Vereine wieder auf ihre Plätze. Trotzdem zögern die Verantwortlichen.

Martin Geier, Trainer vom FC Weil.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Wie es nun für die Mannschaften in der Region weitergeht, hat unsere Zeitung bei ihren Trainern nachgefragt. Diese Woche dürfen die Spieler vom FC Weil voraussichtlich die Fußballschuhe gegen die Webcam tauschen. Wenn die Spieler Interesse zeigen, wird das Training wieder einmal pro Woche aufgenommen, sagt Trainer Martin Geier. Bisher versuchte der Trainer des Kreisligisten, den Fitnesszustand des Teams durch Live-Video-Übungen über den Computer zu konservieren. Wie das Training auf dem Platz aussehen werde, sei noch unklar.

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Den Ball mit der Hand oder dem Kopf berühren, ist tabu

Man versuche zwar, alle Regelungen des BFV einzuhalten, aber er glaube nicht, dass diese im Amateurbereich im Detail durchsetzbar sind. Laut Regelung müssen die Kleingruppen immer in der gleichen Besetzung bleiben. „Mit Spielern, die in unterschiedlichen Schichtbetrieben arbeiten, ist dies schlichtweg nicht möglich“, so Geier. Auch das der Ball im Affekt mit der Hand oder dem Kopf berührt wird, kann man nicht zu 100 Prozent ausschließen: „Das weiß jeder, der schon mal selbst Fußball gespielt hat.“

Dass diese Woche auch beim FSV Eching noch kein Fuß den Rasen berührt, versichert Trainer Andreas Ufer. Danach wird von vernünftigem Training auch nicht die Rede sein. Er sieht darin mehr Bewegungstherapie und Rumgekicke. „Im Mai zu starten, ist eh ein Schmarrn.“ Dafür sei der Zeitraum bis zum angestrebten Liga-Neustart am 1. September viel zu lang und das Ende zu ungewiss. Bei Mannschaften im Amateurbereich gehe es mehr um die soziale Komponente und das gemeinsame Bier nach dem Training, und das sei ja ohnehin verboten. „Mit Spaß an der Sache hat das nichts mehr zu tun“, so Ufer.

In der Praxis wird es schwierig

Wie sein Trainerkollege aus Weil, sieht Andreas Ufer die Umsetzung der Regularien in der Praxis insbesondere für Amateurvereine problematisch. Bei höherklassigen Vereinen mit Co-Trainern und Mitarbeitern sei das vielleicht möglich. „Diese Vereine haben die Kapazitäten, alle fünf Minuten Hütchen, Stangen und Bälle zu desinfizieren. Dass ich jede Slalomstange desinfiziere, wenn diese ein Spieler streift, ist kaum realisierbar“, so der Coach des Kreisklassisten.

Einige Etagen höher beim Bayernligisten TSV Landsberg kommt der Trainingsauftakt erst mehrere Wochen vor Saisonneubeginn infrage. Bis dahin halten sich die Spieler eigenverantwortlich mit Trainingsplänen fit, bevor die Saison fortgesetzt werden soll, so TSV-Trainer Sven Kresin.

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Bild: Peter Kleist (Symbolbild)

Mit den Corona-Regeln haben aber nicht nur die Fußballer im Landkreis zu kämpfen. Stefan Huber, Trainer der Lechrain Volleys, hadert mit den minutiösen Vorschriften des Bayerischen Volleyball-Verbandes. Blocken am Netz, Trainingsspiele mit mehr als vier Personen und Angriffe in die Mitte zwischen zwei Spielerinnen sind tabu. Außerdem sei man extrem wetterabhängig, nachdem man von der Halle auf die Beachplätze wechseln müsse.

In der Zwangspause hielt Stefan Huber seine Sportlerinnen in 50 Online-Challenges in Form und bei Laune. Wer schafft die meisten Kniebeugen mit Milchtüten als Gewicht und wer kann am längsten ein Orangennetz stemmen? „Alles natürlich dokumentiert mit Videobeweis“, berichtet Huber. Der Fokus im Mannschaftstraining liege wegen der harten Einschränkungen weiterhin auf der Athletik. Trotzdem ist Huber froh, dass die Volleyballerinnen endlich auch wieder einen Ball zwischen den Fingern halten können.

Die Ruderer haben die angenehme Situation, dass sie ihren Sport alleine machen können

Auch der Ruder Club aus Kaufering darf sich zumindest im Einer wieder auf dem Lech bewegen. Trotz des Vorteils ihrer kontaktlosen Sportart, mit 1,30 Metern Abstand zum Mitruderer, werde das Rudern zum Individualsport. Ein mögliches Mannschaftstraining wie im Fußball sei bisher noch nicht in Sicht, teilt der Verein mit.

Kickbox-Weltmeister Ibrahim Karakoc aus Landsberg wollte am 19. September eigentlich seinen Titel verteidigen. Großveranstaltungen seien zwar nur bis 31. August verboten, aber ohne mehrere Vorkämpfe, die wegen Corona ins Wasser fallen, kann er nicht in den Titelkampf gehen, so Karakoc. „Leider sind meine zwei Studios aktuell geschlossen und ich kann jeden Tag nur essen, trainieren und Playstation spielen“, erzählt Ibrahim Karakoc und lacht.

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