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Landsberg

18.06.2020

Gastro-Szene: Ein Stück Italien am Mühlbach

Roberta Mastrolembo und Alessio Parroto betreiben das „Made in Italy“ in der Vorderen Mühlgasse in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Roberta Mastrolembo und Alessio Parroto betreiben seit Kurzem das „Made in Italy“ in Landsberg. Das Restaurant kämpft auch gegen die Corona-Krise. Doch die beiden Betreiber kennen sich mit Krisen aus.

Ein kleines bisschen Italien in Landsberg. Das ist leicht daher gesagt, zumal es ja schon einige italienische Restaurants in der Stadt gibt. Zeit für einen Besuch im „Made in Italy“, das im ehemaligen „Mühlbacher“ in der Vorderen Mühlgasse zu Hause ist.

Roberta Mastrolembo und Alessio Parroto haben das Restaurant vor der Neueröffnung renoviert. Die offene Küche ist geblieben, ein Pizzaofen ist dazu gekommen, links an der Wand stehen Alessios „Schätze“, auf die er besonders stolz ist: die Weine. „Du musst unbedingt den Primitivo hier probieren“, es geht gleich Italienisch unkonventionell und leger zur Sache. Besonders Roberta ist ein Bündel an Energie, offener Herzlichkeit und ziemlich direkter Ansprache. Sie hat ein gutes Gespür für Menschen: „Die Leute hier in Landsberg waren erst sehr zurückhaltend. Am Tisch wollten sie nicht angesprochen werden, da halte ich mich natürlich zurück. Nach zwei, drei Mal sind sie aufgetaut und die Atmosphäre ist jetzt oft sehr herzlich.“

Roberta Mastrolembo, 32, ist in jeder freien Minute im Laden und hilft aus, in welchem Bereich auch immer gerade was zu tun ist. Sie ist die offizielle Besitzerin, hat aber eigentlich einen anderen Vollzeitjob als Abteilungsleiterin einer Parfümerie in Augsburg. Ihr Mann Alessio Parroto, 33, führt das Restaurant und ist als Koch verantwortlich für die Qualität. Lange Zeit war das Kochen nur ein „Hobby“, das er vom Großvater aus Apulien übernommen hat. Alessio lebt seit 2013 in Königsbrunn. Nach einem eigentlich zweiwöchigen Urlaub in Augsburg ist er einfach geblieben und hat sich als Bauunternehmer eine eigene Existenz aufgebaut. Kochen lief lange nur nebenbei. Dann hat er angefangen, im L’Italiano in Königsbrunn als Koch zu arbeiten, während sein Vater das Baugeschäft weiterführte. Wie so viele träumte er von einem eigenen Restaurant mit der authentischen Küche seiner Heimat.

Die Betreiberin hat sich hochgearbeitet

Roberta hat eine klassische Einwandererkarriere hinter sich. Geboren und aufgewachsen in Palermo, Sizilien. Mit zehn Jahren mit der Familie nach Mailand gezogen. „Wir waren nie reich, jeder arbeitete viel, alles kam in einen Topf, wir haben uns so durchgeschlagen.“ Mit 15 brach sie die Schule ab, um zu arbeiten. „Friseur, Zahnarzthelferin, Obstverkäuferin, Putzfrau, du kannst dir nicht vorstellen, was ich alles schon gemacht habe.“

Mit 18 reichte es ihr, sie packte eine Jeans, eine Jacke und wanderte aus. Der Zufall brachte sie nach Augsburg, sie schlug sich „mit Händen und Füßen“ kommunizierend durch, ging von morgens bis spät abends putzen. „Ich schäme mich gar nicht, Putzfrau gewesen zu sein. Ich liebe Putzen bis heute.“ Wenn jemand wirklich was will, dann schafft er das, davon ist die junge Frau überzeugt. Dann passierte der Fahrradunfall. Ein Fußgänger rannte ihr über den Weg, „ich kann von Glück reden, dass ich noch lebe“. Arbeiten ging nicht mehr, ein Jahr war sie zu Hause, es folgte die Kündigung.

Die Flitterwochen platzten und dann kam Landsberg ins Spiel

Roberta Mastrolembo schlug sich mit Ein-Euro-Jobs durch, fand eine Lehrstelle zur Einzelhandelskauffrau und arbeitete sich anschließend von einem 450-Euro-Job zur Abteilungsleiterin hoch. Da hatte sie längst ihren Mann kennengelernt. „Zwei temperamentvolle Dickköpfe“, so umschreibt sie liebevoll den etwas schwierigen Annäherungsprozess. Aus „mein Gott, ist der arrogant“ wurde ganz schnell „ohne ihn kann ich nicht mehr sein“. Wenn Roberta ihre Geschichte erzählt, geschieht das in perfektem Deutsch mit einem charmanten italienischen Akzent, dass man einfach lächeln muss.

Neben ihrem Vollzeitjob hat sie schon damals im L’Italiano in Königsbrunn gekellnert. Der dortige Chef war auch der Trauzeuge der beiden, als sie vor zwei Jahren geheiratet haben. Flitterwochen waren auf Kuba geplant und gebucht. Am Flughafen das böse Erwachen, Robertas Pass galt nur innerhalb der EU – Urlaub zu Hause... Und in diesen verunglückten Flitterwochen flatterte in Alessios E-Mail-Eingang eine Anzeige: Restaurant in Landsberg zu vermieten. „Dieses Lokal, das ist Schicksal“, sagt Roberta. Sie schickte Alessio vor, dann saßen beide im Sommer 2019 auf der Terrasse des „Mühlbacher“. Das Bauchgefühl stimmte.

Nudeln werden aus Apulien importiert

So legten sie los. Gutes Essen, guter Wein, Qualität und Freundlichkeit, das ist ihr Credo. Viele Gerichte sind apulisch inspiriert, auch die frischen Nudeln werden direkt von dort importiert. Was Roberta und Alessio eint, ist, dass sie gekämpft, sich alleine durchgeschlagen und etwas aufgebaut haben. „Und wenn die Gäste dann glücklich sind, ist das eine wunderbare Bestätigung.“ Noch will Roberta ihren Hauptjob nicht reduzieren: „Ich liebe die Abwechslung, ich liebe es, Parfüm zu verkaufen und ich liebe es, abends Gäste zu begrüßen.“

Ja und dann. Dann kam Corona. Und für ein neues Restaurant ist das „eine Katastrophe“. Sie haben vieles probiert, Hilfen beantragt, Kurzarbeit eingeführt, Lieferservice angeboten, Plätze reduziert. „Es ist alles sehr, sehr schwierig zurzeit“, sagen die beiden. Und dann noch dieses Wetter, so einen Juni habe sie noch nie erlebt, sagt Roberta. „Jeder einzelne Gast ist für uns gerade eine große Unterstützung.“ Doch etwas Gutes liege auch in der Krise, sagt Roberta Mastrolembo und zeigt auf ihren sich rundenden Babybauch.

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