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100. Geburtstag

01.05.2011

Gedenktafel für Luise Rinser

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In die Rolle des reichen Fabrikanten aus „Jakobs Kampf“ schlüpfte eindrucksvoll Helbert Häberlin bei seiner Lesung.

OB Ingo Lehmann steht Vorschlag positiv gegenüber

Landsberg Sie hat sich ihre Gemeinsamkeit und ihre Wurzeln zu Landsberg beinahe ein Leben lang erarbeiten müssen, doch bat Landsbergs Alt-OB Franz Xaver Rößle um Verständnis für Luise Rinser, ja beinahe um Verzeihung für einige Wirrungen, die die gebürtige Pitzlingerin auf ihrem Lebensweg hinter sich bringen musste. Anlässlich ihres 100. Geburtstags verwies er in einer Feierstunde im Historischen Rathaus auf das großartige Gesamtwerk einer beeindruckenden Frau, die er gut zu kennen glaubte und die er doch in der heutigen Zeit, neun Jahre nach ihrem Tod, ganz neu entdeckt hat.

„Ich würde mit dem Wissen von heute noch einmal gerne mit ihr reden.“ Franz Xaver Rößle bezieht sich dabei auf die jetzt erschienene Biografie „Luise Rinser – Ein Leben in Widersprüchen“ von José Sanchez de Murillo („Eine atemberaubende Lektüre“), die ihm allerdings zu einseitig und zu eingeschränkt im Hinblick auf die Beschönigungen ihres Verhältnisses zum Nationalsozialismus besprochen wurde. „Das wird Luise Rinser nicht gerecht.“

Er habe sie kennengelernt als Person mit viel Licht und mit viel Schatten, mit Kraft, aber auch vielen Schwächen, sie war freundschaftlich und unkompliziert, wiewohl sie hochfahrend sein konnte und stets den großen Auftritt suchte. Schon früh in seiner Amtszeit als Oberbürgermeister blieb Franz Rößle gar nichts anderes übrig, als sich mit einer der größten Autorinnen der Nachkriegszeit intensiver als zuvor zu befassen. Luise Rinser, die Anerkennung brauchte, wie ein Kind die Liebe und Fürsorge seiner Mutter, hatte öffentlich und auch schriftlich durchblicken lassen, dass sie sich von ihrem Geburtsort vernachlässigt fühlte.

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Ein Jahr in Pitzling

Tatsächlich lebte Luise Rinser aber nur das erste Lebensjahr in Pitzling, was Franz Xaver Rößle noch vor dem Festakt im Rathaus schwarz auf weiß präsentiert bekam, und zwar in Form einer Postkarte aus dem Jahr 1912, die ihm eine Großnichte Luise Rinsers, Rosamunde Donderer, mitgebracht hatte. Adressiert ist sie an Alois Seiler, den Bruder der Mutter Luise Rinsers. Darauf wird über die knapp einjährige Luise geschrieben, die Tochter des Pitzlinger Lehrers und Kirchenorganisten: „Die Kleine ist so lustig und so drollig ... Sie kann schon laufen und ein wenig reden“.

Später, im hohen Alter, kehrte sie eines Tages nach Pitzling zurück, um sich ihren Geburtsort einmal genauer anzusehen. Konrad Schmid, damals Ortssprecher des Landsberger Ortsteils, führte sie und beherbergte die bekannte Autorin zu Hause: „Wir waren an dem Nachmittag wohl die Einzigen, die Kuchen gebacken hatten.“ Konrad Schmid erinnert sich daran, dass er Rinser damals nach München zurückfuhr – mit einem Abstecher nach Kloster Andechs, wo Luise Rinser das Grab ihres früheren Ehemanns Carl Orff besuchen wollte.

Konrad Schmid nutzte jetzt den Festakt, um dem amtierenden Oberbürgermeister Ingo Lehmann eine Gedenktafel an Luise Rinsers Geburtshaus, der alten Schule an der Seestraße, ans Herz zu legen. „Für diesen Vorschlag bin ich sehr offen“, versprach Lehmann, diese Sache weiterzuverfolgen.

Baum am Lechsteg gepflanzt

Einen Baum habe Luise Rinser ja in Landsberg beim Lechsteg einst gepflanzt, und auch dort, an der inzwischen groß gewachsenen Kastanie, so stellte Franz Xaver Rößle in den Raum, könnte er sich gut einen Hinweis auf die Erzählerin Luise Rinser vorstellen, die seiner Meinung nach bei allen Widersprüchen, die ihr Leben aufweist, auch dafür stand, „eine neue Sprache zu lernen, für eine neue Menschlichkeit.“

Franz Xaver Rößle: „Dafür hat sie geschrieben, dafür hat sie gekämpft.“

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