Willibaldskapelle
Gefahrenquelle in drei Metern Höhe
Die Linde an der Westseite wurde gefällt. Im zerlegten Zustand wurde sichtbar, wie weit der Pilz vorgedrungen war
Am Montag vor Silvester ist – wie bereits Anfang Dezember angekündigt – die an der Westseite der Unterfinninger Willibaldskapelle stehende pilzbefallene Linde gefällt worden. Die Bruchsicherheit des Baumes sei zuletzt nicht mehr gegeben gewesen, hatte die Untere Naturschutzbehörde festgestellt. Ein Nachbar kritisiert die Baumfällung jedoch als „übereilt“.
Die Linde, so Nachbar Erasmus Huber, sei zwar von einem Pilz befallen gewesen. Als sie gefällt wurde, habe sich jedoch gezeigt, dass die Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten war, „dass die Linde eine Gefahr für Leib und Leben der Bevölkerung darstellte“. Die Standsicherheit des Baumes wäre sicherlich noch zig Jahre gegeben gewesen, ist sich der 87-jährige Huber, der die Linden an der Kapelle seit seiner Kindheit kennt, sicher.
Wie weit der Pilz sich ausgebreitet hatte, wurde sichtbar, als in den vergangenen Tagen die einzelnen Abschnitte vor der Kapelle lagen. Am Stammfuß machte der Holzkörper noch einen unbeschädigten intakten Eindruck. Ein anderes Bild bot sich in etwa drei Meter im Kronenansatz. Hier war das Stammholz überwiegend zu einer humusartigen Masse zersetzt. Die dort abzweigenden großen Äste sahen wiederum vergleichsweise gesund aus, wenngleich auch hier die Kerne unterschiedlich stark verpilzt waren.
Die Problemstelle war für die Untere Naturschutzbehörde das Teilstück mit der sehr weitgehenden Zersetzung im Kronenansatz, erklärt deren Leiter Heinrich Heiß. Der Baum wäre zwar noch standsicher gewesen, aber nicht bruchsicher. Somit habe man handeln müssen – auch deshalb, weil es sich hier um einen Baum handelt, der im öffentlichen Verkehrsbereich stand, der bei jedem Wetter – auch von Wanderern und Pilgern – besucht wird. Dieser Platz sei deshalb nicht vergleichbar beispielsweise mit dem freien Feld, auf der etwa die Linde westlich von Schwifting steht, so Heiß.
Die Untere Naturschutzbehörde sei verpflichtet, die Verkehrssicherheit der Naturdenkmale (dazu zählt auch die Unterfinninger Lindengruppe) zu gewährleisten. Deshalb werden diese Bäume zweimal (mit Laub und ohne Laub) von einem zertifizierten Baumkontrolleur, der Mitarbeiter der Behörde ist, begutachtet. Dies geschehe ausschließlich visuell. Der Baum wies in dem Bereich, in dem der Stamm schon am weitesten zu Humus geworden war, deutlich sichtbare Wulste auf. Das zeige, so Heiß, an, dass die Linde neues Stützgewebe aufgebaut habe. Allerdings sei auch dieses bereits größtenteils dürr gewesen. Im Bereich des Kronenansatzes sei daher keine Bruchsicherheit mehr gegeben gewesen.
Bei den Pilzen in der gefällten Linde handelt es sich laut Unterer Naturschutzbehörde um Totholz bewohnende Pilze. Warum gerade dieser Baum so viel Totholz hatte und dem Pilz eine Lebensgrundlage gab, könne nicht mehr festgestellt werden. Letztendlich werde aber jeder Baum ab einem bestimmten Stadium von Pilzen zersetzt und humusiert. Solange sein Zuwachs mit dem Vordringen des Pilzes standhalten kann, habe er gute Überlebenschancen. Bei diesem Baum sei aber kein Zuwachs mehr erkennbar gewesen, und der Pilz habe sich in den letzten zehn Jahren stark ausgebreitet.
Sorgen, dass auch die anderen drei Linden in absehbarer Zeit gefällt werden müssen, braucht man sich laut Unterer Naturschutzbehörde aber nicht zu machen: „Die anderen drei Linden machen einen vitalen Eindruck und weisen keinen äußerlich erkennbaren Pilzbefall auf. Wenn sich an diesem Erscheinungsbild in den nächsten Jahren nichts ändert, haben sie noch eine längere Lebenserwartung.“
Die leere Stelle an der Westseite der Willibaldskapelle soll bald wieder bepflanzt werden: laut Heiß mit einer bereits größeren Linde mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimetern. Die bislang vier und jetzt noch drei Linden wurden mutmaßlich bereits im 17. Jahrhundert zur Erbauungszeit der Willibaldskapelle gepflanzt. Die gefällte Linde war etwa 15 Meter hoch und hatte einen ebenso großen Kronendurchmesser und wies einen Stammumfang von 3,40 Meter auf, wie im letzten Kontrollbericht vom Oktober vermerkt war.
Die Diskussion ist geschlossen.