Prozess in Landsberg

16.05.2017

Gefeiert, gestritten

Am Amtsgericht in Landsberg wurde über einen Verkehrsunfall verhandelt.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbolfoto)

Am Amtsgericht in Landsberg wird ein Zusammenstoß zweier Autos verhandelt. Die Verursacherin hatte zuvor in einem Lokal gefeiert.

Im November krachte es abends im Südosten von Landsberg: Eine 46-jährige Frau stieß mit ihrem VW-Bus beim Versuch, rückwärts einzuparken, gegen zwei Autos, die am Straßenrand in einer Sackgasse abgestellt waren. Der Sachschaden belief sich auf fast 7000 Euro. Bei der Fahrerin des Wohnmobils wurde eine Alkoholkonzentration von 1,92 Promille festgestellt. Richter Michael Eberle verdonnerte die geständige und reumütige Frau in der Hauptverhandlung zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 40 Euro – wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und vorsätzlicher Trunkenheit.

Die 46-Jährige hatte mit ihrem Lebensgefährten in einem Lokal in der Nähe gefeiert. Offenbar kräftig. Jedenfalls sollen beide ziemlich betrunken gewesen sein, als sie die Wirtschaft verließen. Sie gingen nicht zusammen, denn es hatte wohl Streit gegeben. Trotzdem kam es bald zu einem überraschenden Wiedersehen – in der Sackgasse: Der Mann soll betrunken am Boden gelegen haben. Er war angeblich nicht in der Lage, allein aufzustehen. Ein Anwohner, dem die Person nicht bekannt war, sah dies. Er informierte spontan die Frau, die immer noch mit dem VW-Bus rangierte. Trotz ihrer 1,92 Promille soll sie sofort aus dem Gefährt gestiegen und torkelnd – so ein Gutachten – zu dem am Boden Liegenden gegangen sein, um ihm zu helfen.

Vorher habe sie sich einen Zettel geschnappt, aber lediglich das Kennzeichen ihres Fahrzeugs draufgeschrieben. Das dürfte einer von vielen Gründen gewesen sein, dass die Anklage wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort nicht aufrecht erhalten wurde. Richter und Staatsanwaltschaft – in ihrem Auftrag war Rechtsreferendarin Katharina Beitler gekommen – nahmen schließlich davon Abstand.

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Rechtsanwalt Felix Bredschneijder war überzeugt, dass dies seiner Mandantin nicht zur Last gelegt werden könne. Im Hinblick auf das Urteil wurden bei der Angeklagten von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung viele „Pluspunkte“ ins Feld geführt.

So sorgte sie dafür, dass der Sachschaden an den beiden Autos von der Versicherung innerhalb von acht Tagen bezahlt wurde. Im Bundeszentralregister der Straftaten war bisher kein Eintrag von ihr vermerkt. Makellos zeigte sich auch das Fahreignungs-Register. Der hohe Promille-Wert und die Höhe des Sachschadens fielen hingegen negativ ins Gewicht. In den Plädoyers ging es auch um den Führerschein der Angeklagten: Am 11. November 2016 wurde der Frau das Papier entzogen. Sie muss weitere acht Monate darauf verzichten, so Richter Michael Eberle. Der gleichen Mei- nung war der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft beantragte zehn Monate. Bei der Geldstrafe legte sich der Vorsitzende auf 70 mal 40 Euro fest. Anwalt Bredschneijder sprach sich für 60 Tagessätze zu je 40 Euro aus. Die Vertreterin der Anklage hatte 70 mal 45 Euro gefordert.

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