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Landsberg

19.03.2015

Geldstrafe und Berufsverbot für Landwirt wegen Tierquälerei

Vor dem Amtsgericht Landsberg sind ein 54-Jähriger und eine 89-Jährige wegen Tierquälerei zu Geldstrafen von insgesamt 8100 Euro und zwei Jahren Berufsverbot verurteilt worden.
Bild: Ralf Lienert, Symbolfoto

Ein Landwirt aus Rott darf zwei Jahre lang keine Tiere mehr halten und betreuen. Zudem wurden er und die Hofbesitzerin zu Geldstrafen verurteilt. Sie wollen aber in Berufung gehen.

Wegen Tierquälerei in 15 Fällen wurden der 54-jährige Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebs in Rott und die 89-jährige Besitzerin des Anwesens zu Geldstrafen in Höhe von insgesamt 8100 Euro und einem zweijährigen Berufsverbot für die Haltung und Betreuung von Tieren verurteilt.

Vorläufiger Schlussstrich im Tier-Drama: Landwirte wollen Berufung

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Simone Zwiener sah es als erwiesen an, dass in den vergangenen beiden Jahren 15 Tiere auf dem Hof unter erheblichen Qualen litten, sieben von ihnen gar gestorben sind.

Insgesamt verhängte das Gericht damit 900 Euro mehr, als zunächst in den ursprünglichen Strafbefehlen vorgesehen waren, gegen die von den Beschuldigten Einspruch erhoben wurde. Deswegen kam die Geschichte auch vor Gericht. Aber erst nach einer Hauptverhandlung und zwei Fortsetzungen, einer Reihe von Zeugen und dem Gutachten einer Tierärztin aus dem Landratsamt Marktoberdorf war es möglich, einen Schlussstrich unter das „Tier-Drama“ im Groß-Bauernhof zu ziehen.

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Wie es aussieht, wird aber auch dieser Schlussstrich nur ein vorläufiger sein. Denn Verteidiger Andreas Schwarzer hat nach der Urteilsverkündung angekündigt, dass seine Mandanten „selbstverständlich“ in Berufung gehen würden.

Fehlende Ernährung und Pflege: Angeklagte sind sich keiner Schuld bewusst

Wie die beiden Angeklagten ist er der Meinung, dass sie in Sachen Ernährung, Tierschutz, Haltung und Pflege des Viehs überhaupt nichts falsch gemacht hätten. Und es könne keine Rede davon sein, dass die Kühe Qualen und Leiden hätten ertragen müssen. Diese Auffassung teilte die Richterin nicht: „Nach der heutigen Hauptverhandlung kann ich sie nicht von jeglicher Schuld frei sprechen“, so Simone Zwiener.

Sie wies auf völlig abgemagerte und vielfach verdreckte Rinder in den Jahren 2013 und 2014 hin, kritisierte eine „nicht ausreichende Fütterung“ und wies auf unsaubere Liegeflächen hin. Zwiener räumte aber ein, dass die Ursache für die hohe Sterblichkeitsrate unter den Kühen nicht gefunden werden konnte. Vor der Schließung im November seien es sieben Stück Vieh gewesen, in den Jahren zuvor jedoch noch mehr.

Die vom angeklagten Betriebsleiter vertretene These, dass eine Kombination aus mehreren Ursachen wie Kolibakterien oder gechlortes Wasser, Blauzungen-Impfung und Ohrmarken die Ursache für die Misere im Stall gewesen sein könnte, wies die Richterin genauso zurück wie mehrere Beweisanträge der Verteidigung. Denn die seien durch mehrere Veterinäre, die sich öfter auf dem Bauernhof aufgehalten hatten, widerlegt worden.

Geldstrafen und Berufsverbot für die Haltung von Tieren

Staatsanwalt Peter Grünes fasste die Entwicklung auf dem Hof in den vergangenen Jahren mit den Worten „Es ist nur noch abwärts gegangen“ zusammen. Der schlechte Zustand sei nur weiter verschleppt worden. Mit dem Vorschlag der Richterin, nach fünfstündiger Verhandlung das Verfahren gegen die gesundheitlich angeschlagene 89-jährige Frau gegen eine Geldstrafe einzustellen, zeigte sich Grünes ebenfalls nicht einverstanden. Dafür sei ihm der Tierschutz zu wichtig.

Die Seniorin konterte: „Es ist schlimm, dass heute die über die Tiere reden, die am wenigsten Praxis damit haben“. Grünes beantragte für sie eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 15 Euro, für ihren Sohn 120 Tagessätze zu je 70 Euro. Außerdem forderte er ein zweijähriges Berufsverbot für die Beiden und die Übernahme der Kosten des Verfahrens.

Verteidiger Rechtsanwalt Schwarzer monierte in seinem Plädoyer, dass sich sehr viele Leute, auch Veterinäre, auf dem Hof aufgehalten hätten, aber kein Mensch den Angeklagten darauf hingewiesen habe, er füttere zu wenig. Der Verteidiger machte sich für einen Freispruch stark. Den gab es aber nicht, sondern Geldstrafen von zusammen 8100 Euro und das vom Staatsanwalt geforderte zweijährige Berufsverbot für die Haltung und Betreuung von Tieren.

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