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Landsberg

29.09.2020

Geldwäsche-Prozess in Landsberg: Angeklagter schweigt beharrlich

Ein 38-jähriger Mann sich wegen Geldwäsche vor dem Landsberger Amtsgericht verantworten.
Bild: Anne Wall (Symbolbild)

Plus Auslandskonten und falsche Kreditversprechen: Vor dem Landsberger Amtsgericht muss sich ein 38-jähriger Mann verantworten. Er soll reihenweise Leute betrogen haben.

Stumm saß der Angeklagte, 38, im Landsberger Amtsgericht. Er soll „Geld gewaschen“, mit fiesen Tricks und verführerischen Versprechungen viele Leute geschädigt haben. Weder in der Sache noch zu seiner Person ließ er etwas verlauten. Andere redeten mehr: Richter Michael Eberle, Staatsanwältin Julia Ehlert, ein Mitarbeiter der Kripo Fürstenfeldbruck und ein ehemaliger Beamter der Polizei Landsberg. Es geht um Zehntausende Euro und Betrügereien im Internet.

Rechtsanwalt Nikolaus von Lucke bat um ein kurzes Rechtsgespräch hinter verschlossener Türe. Da soll er auf „strittige rechtliche Punkte“ im Verfahren hingewiesen haben, die noch abgeklärt werden müssten. Deswegen – und noch aus einem anderen Grund – wurde die Verhandlung auf den 8. Oktober verlegt. Alle Beteiligten sollen vorher die im Sonderband „Bankauskünfte“ befindlichen Unterlagen des Angeklagten, vor allem seine Kontoauszüge aus 2019, unter die Lupe nehmen. Der Anklage zufolge soll der 38-Jährige aus dem südlichen Landkreis mehrere Bankkonten und seine EC-Karte dem Bruder zur Verfügung gestellt haben, damit er dubiose Geldtransaktionen abwickeln könne.

Welche Rolle spielen ausländische Helfer?

So soll sich der Bruder mit unbekannten Tätern im Ausland zusammengeschlossen haben, um Menschen im In- und Ausland zu betrügen. Diese sollen unter Vortäuschung falscher Tatsachen zur Zahlung auf die Konten sogenannter Finanzagenten veranlasst worden sein. Dadurch wollten die Täter laut Anklage ihre eigene Identität verschleiern und sich die rechtswidrig erlangten Gelder über Umwege aneignen.

So sollen sie im Internet zum Beispiel Konzertkarten angeboten haben und die Besteller ohne Lieferung zur Bezahlung aufgefordert haben. Oder sie versprachen ihnen ein onlinefähiges Angebot mit der Auszahlung eines Kredits ohne Schufa-Prüfung. In Zahlen ausgedrückt ergab sich für die Ermittler folgendes Bild: Auf dem Konto des berufstätigen Angeklagten gingen zwischen Juni und September 2019 zunächst zwei Gehälter für ihn ein und dann 150 Überweisungen von 113 Personen mit Beträgen zwischen 100 und mehreren Tausend Euro. Um die 60.000 Euro sollen es schließlich gewesen sein, die einbezahlt wurden.

Das Geld soll in Benin aus Bankautomaten gezogen worden sein

Diese Summen sind nach und nach über eine Zwischenstation von einem Bankautomaten im westafrikanischen Staat Benin abgehoben worden – mit der EC-Karte des Angeklagten, hieß es vor Gericht. Dass mit seinem Konto etwas nicht stimmen kann, bemerkten die Angestellten einer Bank erstmals im August 2019. Dann wurde der Mann von der Polizei vernommen. Denn es waren bereits eine Reihe von Anzeigen eingegangen. Der Mann brachte seine Kontoauszüge mit. An diesem 10. Oktober geschah etwas völlig Überraschendes: Der Angeklagte soll ein weiteres Konto eröffnet haben. Zwischen 6. November und 17. Dezember sollen darauf 17 Überweisungen mit einer Gesamtsumme von fast 17.000 Euro eingegangen sein.

Das Geld soll ebenfalls im westafrikanischen Benin gelandet und dort aus einem Bankautomaten gezogen worden sein. Von wem, das ist noch unklar. (eh)

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