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Geltendorf

22.01.2021

Geltendorf: Der Bahnhofsumbau muss weiter warten

Am Geltendorfer Bahnhof  soll, geht es nach den Wünschen des Bauwerbers, ein Co-Working-Space entstehen.
Foto: Nicolas Stoetter

Plus In Geltendorf plant ein Bauwerber ein Co-Working-Space und Geschäftsräume im Bahnhof. Die Gemeinde hat nichts gegen das Vorhaben, lehnt die Bauanträge aber trotzdem ab – aus zwei Gründen.

Wie im Sommer angekündigt, sind jetzt zwei Bauanträge für Sanierungs- und Umbaumaßnahmen am Haupt- und Nebengebäude des Geltendorfer Bahnhofs eingereicht worden. Im Bauausschuss des Gemeinderats wurde das gemeindliche Einvernehmen allerdings nicht erteilt. Der Bauwerber teilt die Ansichten der Gemeinde allerdings nicht.

Im Sommer hatte der Bauwerber Nicolas Stoetter bereits Abbrucharbeiten am westlichen Nebengebäude des Bahnhofs vornehmen lassen. Östlich davon plant er einen dreistöckigen Flachdachbau, den er bereits 2019 im Gemeinderat vorstellte. Im Parterre sollen ein Café und eine Wartehalle für Bahnreisende entstehen, darüber eine Arztpraxis, Büroräume und ein sogenanntes Boarding House, eine Übernachtungsmöglichkeit für Handwerker.

Keine grundsätzliche Ablehnung des Projekts

Für das Hauptgebäude stellt sich Stoetter unter anderem ein Co-Working-Space vor. Darunter ist zu verstehen, dass in einem Gebäude mit schnellem WLAN-Anschluss mehrere Leute nebeneinander arbeiten, dieses als Firmenadresse nutzen, aber sich auch sozial austauschen. Abgetrennte Konferenzräume bieten Platz für ein Treffen mit Geschäftspartnern, das Abhalten eines Workshops oder auch für Videokonferenzen.

Am Geltendorfer Bahnhof soll ein Co-Working-Space entstehen.
Foto: Julian Leitenstorfer

„Wir sind keinesfalls gegen das Projekt“: Der Geltendorfer Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP) legt ausdrücklich Wert auf diese Feststellung. „Aber das sind Bauanträge – der Antragsteller ist Bauwerber wie jeder andere auch und als solcher dementsprechend so zu behandeln.“ Zwei Punkte seien es, so Sedlmayr, die ein Einvernehmen nach Meinung des Bauausschusses nicht möglich machen. Einer betrifft die kommunale Stellplatzsatzung. So sollen im östlichen Teil des Bahnhofsgebäudes auf 201 Quadratmeter Nutzfläche Büros in Form von Co-Working-Spaces plus Toiletten und Teeküche entstehen. „Laut unserer Stellplatzsatzung ist pro 40 Quadratmeter Nutzfläche ein Stellplatz nachzuweisen. Das sind folglich fünf Stellplätze“, rechnet der Bürgermeister vor, „der Antragsteller beschränkt sich allerdings auf nur zwei Stellplätze.“

Zu wenig Stellplätze ausgewiesen

Beim zweiten Bauantrag, das westliche Nebengebäude betreffend, verhalte es sich ähnlich. Dortsollen nach Sanierung und Umbau auf 121 Quadratmetern zwei Einzelhandelsgeschäfte einziehen. „Laut Satzung sind zwei Stellplätze pro Laden gefordert“, sagt Sedlmayr, „nachgewiesen wird aber nur ein Stellplatz für beide Geschäfte.“ Der Bauwerber argumentiere damit, dass die meisten Nutzer der neu entstehenden Einrichtungen mit der Bahn kommen, die geforderte Anzahl der Stellplätze daher nicht notwendig sei. „Dieser Argumentation kann der Bauausschuss nicht folgen“, sagt Sedlmayr.

Am Geltendorfer Bahnhof soll ein anstelle des alten Bahnhofsgebäudes ein Co-Working-Space entstehen.
Foto: Julian Leitenstorfer

Zweiter Grund für die Nichterteilung des gemeindlichen Einvernehmens sei die Tatsache, dass das Areal als „Fläche für Bahnanlagen“ gewidmet ist. Damit liege die Planungshoheit bei der Bahn. Die Kommune habe deshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Handhabe, über Bauanträge wie die vorliegenden zu entscheiden, sagt der Bürgermeister. „Die Flächen und Gebäude müssen erst von Bahnbetriebszwecken freigestellt werden.“ Diese Freistellung ist in Paragraf 23 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes geregelt. Dort heißt es, dass die zuständige Planfeststellungsbehörde auf Antrag der Bahn, des Grundstückseigentümers oder der Gemeinde die Freistellung von Bahnbetriebszwecken feststellt, wenn langfristig keine Nutzung der Infrastruktur mehr zu erwarten ist.

Bauwerber stimmt sich mit Landrat Thomas Eichinger ab

Nicolas Stoetter sieht das anders. Auf Nachfrage berichtet er dem Landsberger Tagblatt von Gesprächen im Landratsamt Landsberg. Er habe die Bauanträge mit dem Leiter des Bauamts und Landrat Thomas Eichinger abgestimmt, so Stoetter. Nach deren Meinung können die Baupläne auch bei fehlender Freistellung genehmigt werden. Die Bahn sei lediglich zu hören – ähnlich den Anhörungen von Bürgern und Trägern öffentlicher Belange bei der Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen.

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