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Geltendorf

31.07.2019

Geltendorf: Was Bahn-Pendler derzeit auf die Palme bringt

Viele Pendler, die zu ihrem Arbeitsplatz im Raum München mit der Bahn reisen, müssen derzeit zwischen Geltendorf und Buchloe in Busse umsteigen. Die Wartezeiten am Abend sorgen für massiven Ärger.
Bild: Gerald Modlinger

Plus Diese Woche ist zwischen Geltendorf und Buchloe mal wieder Schienenersatzverkehr angesagt. Zur Hauptverkehrszeit am Abend klafft eine Lücke im Fahrplan. Das sorgt für massiven Ärger.

Buchloe direkt“ steht auf der Anzeigetafel des Busses, der gerade an die Haltestelle für den derzeitigen Schienenersatzverkehr zwischen Geltendorf und Buchloe am Geltendorfer Bahnhof heranfährt. Für viele Pendler, die am Dienstagabend mit dem Zug um 18.10 Uhr ankommen, ist das ein Reizbegriff: Denn ausgerechnet zur Hauptverkehrszeit klafft eine 65-minütige Lücke im Busfahrplan zwischen Geltendorf und Buchloe. Das LT war vor Ort und hat mit Pendlern gesprochen. Die Bahn kündigt derweil Verbesserungen an.

Es fallen sogar Beleidigungen

Um 17.55 Uhr ist gerade der Bus nach Kaufering abgefahren. Eine Viertelstunde ist es ruhig auf dem südlichen Parkplatz, von wo aus die Schienenersatzbusse abfahren. Gegen 18.15 Uhr kommt eine große Menschentraube vom Bahnhof. Diejenigen, die Richtung Buchloe und Allgäu wollen, sind schnell wieder weg, innerhalb weniger Minuten fahren zwei Busse dorthin ab. Wer nach Kaufering will, muss warten – fahrplanmäßig eine Dreiviertelstunde bis 19 Uhr. Den Zorn vieler Pendler kriegt erst einmal Busfahrer Günther Kreisl ab. Warum er denn nicht in Kaufering halten kann? Weil er dann 20 Minuten Zeit verliere und den Fahrplan nicht einhalten könne, antwortet er. Doch auf Verständnis stößt er dabei nicht bei allen. Am Ende gehen sogar Beleidigungen hin und her. Nach kurzer Zeit kommt ein weiterer Bus. „Buchloe direkt“ ist auf der Anzeigetafel zu lesen.

Manch einer lässt sich abholen

Einem Mann, der nach Kaufering will, reicht es: „Hallo, holst Du mich ab“, hört man ihn ins Handy sprechen. „Halten Sie doch in Kaufering, das liegt auf dem Weg“, wird der Busfahrer bedrängt. Auch er verweist auf den Fahrplan, was nicht jeder Fahrgast nachvollziehen kann: „Aber man muss doch so flexibel sein.“ Am Montag hatten Kaufering-Pendler damit Erfolg: Ein Busfahrer legte einen Zwischenstopp in Kaufering ein, wird erzählt. „Die Leute haben massiven Druck ausgeübt und stark auf den Fahrer eingeredet“, berichtet ein Augenzeuge, „ohne diesen Druck wären wir bis 19 Uhr da gestanden.“ Dieses Mal läuft das nicht so – kein Zwischenstopp in Kaufering: Wenn etwas passiert, werde er verantwortlich gemacht, gibt der Fahrer zurück. Andere Fahrgäste bitten um Verständnis für die Fahrer: „Die können doch nichts dafür.“

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Jetzt kommt ein dritter Bus und viele Fahrgäste stürmen darauf zu. Doch auf der Anzeigetafel ist eine Kaffeetasse zu sehen und das Wort „Betriebsfahrt“ zu lesen. Der Fahrer hat Feierabend. Doch im Angesicht der aufgebrachten Pendler ruft er seinen Chef an. Kurz darauf können die Pendler einsteigen, um außerplanmäßig nach Kaufering gefahren zu werden.

Fahrzeiten von mehreren Stunden sind die Folge

Als kurz darauf Klaus Süsterhenn mit einem späteren Zug ankommt, um auf den 19-Uhr-Bus zu warten, ist es wieder ruhig an der Haltestelle. Von einer „Tortur“ spricht der Landsberger mit Blick auf die Ersatzverkehre. Am Morgen sei er mit dem Schienenersatzbus nach Kaufering gefahren, doch in Kaufering sei der Bus nach Geltendorf gerade weggefahren gewesen. Der nächste sei erst nach einer Stunde gekommen. Über drei Stunden habe die Fahrt zu seinem Arbeitsplatz nach Vaterstetten (Landkreis Ebersberg) gedauert und am Abend werde er nicht wesentlich schneller zurück in Landsberg sein. Ein weiterer München-Pendler berichtet, gerade jeden Tag hin und zurück jeweils zweieinhalb Stunden unterwegs zu sein: „Irgendwo hört der Spaß auf, ich bin kurz davor, mir wieder ein Auto anzuschaffen.“ Ihn ärgern auch die Zugausfälle wegen Lokführermangels bei der Bayerischen Regiobahn, unter anderem zwischen Landsberg und Kaufering: „Wenn ein Transportunternehmen keine Fahrer hat, dann muss es zumachen, so was ist doch absurd.“

So reagiert die Bahn

Klaus Süsterhenn hat schon genug: Zumindest teilweise werde er jetzt aufs Auto umsteigen und von Landsberg nach Geltendorf fahren. Süsterhenn wohnte früher in Sendling, wegen der steigenden Miete sei er nach Landsberg gezogen.

Verantwortlich für den Schienenersatzverkehr ist die Deutsche Bahn. Ein Sprecher erklärt: „Wir haben das Thema an das Busunternehmen weitergegeben. Da wird nachgesteuert für eine Lösung, ohne dass die Leute betteln müssen.“ Die noch bis zum Wochenende andauernde Streckensperrung werde im Übrigen die letzte Vollsperrung sein, die im Zusammenhang mit der Elektrifizierung notwendig sei.

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