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Ausstellung I

14.11.2016

Gelungener Dialog über Epochen hinweg

„Demonstranz“ von Nico Kiese von 2016 (Werbeplakate, Klebstoff, Holz).
Bild: Julian Leitenstorfer

Im Neuen Stadtmuseum trifft Zeitgenössische Kunst auf Barock. Fünf Künstler zeigen ihre Werke

Christian Burchards Formulierung war treffend: „Im Barock läuft einiges über“, sagte der Kunsthistoriker zu Beginn seiner Einführung über die Ausstellung „Barocke Überläufer“ anlässlich des 250. Todestages von Dominikus Zimmermann. Es sei ein gewagtes Experiment, junge Künstler zu ermuntern, sich mit dem Barock auseinanderzusetzen. Doch mit dieser Ausstellung sei der epochenübergreifende Dialog vollkommen gelungen.

Zu Johann Sebastian Bach, wie Zimmermann 1685 geboren, stellte der Musikpädagoge Gerhard Abe-Graf mit seinem Cembalo, mit der „Toccata“ aus der Partia in E-Moll eine zauberhafte Verbindung zwischen Musik und Bildender Kunst her. Christian Burchard beschrieb derweil die Dynamik des Barock, der lustvoll die Gesetze der rationellen Renaissance durchbrach und die Asymmetrie im Ornament entdeckte. Er befasste sich mit dem Spagat zwischen historischem Stil und Gegenwartskunst, der den ausstellenden Künstlern einiges abverlangte.

Die unerschöpfliche Vielfalt des Barock hat Gotlind Timmermanns in die Form der Rocaille gebracht, sie ließ, wie sie bei einem Rundgang selbst beschrieb „Farbe laufen“ und erzeuge in ihren Werken mit muschelförmigen Ornamenten aus Blatt- und Rankendekorationen eine theatralische Stimmung. In ihren Bildern ist die Dynamik der fließenden Farbe stets präsent, die eine ganz besondere Leuchtkraft entstehen und den Betrachter verspielte Details entdecken lässt.

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Der in Southhampton geborene Simon James, ein Autodidakt, der die Malerei im Selbststudium entdeckte, arbeitet mit pigmentierendem Gesso, also Gips-Maluntergründen, das in einem langwierigen Prozess aufgetragen und wieder abgeschliffen wird und erinnert an die aufwendige Barocktechnik des Stuckierens. In seinen Arbeiten „Renegade“ und „Revisted in Pink“ will er die innere Identität eines Bildes freilegen, wie er es selbst beschreibt.

Mit der gewaltigen Skulptur „Demonstranz“ aus handwerklich perfekt zusammengesetzten zerrissenen Werbeplakaten, Klebstoff und Holz hat sich der junge Künstler Nico Kiese von der vergoldeten Strahlenmonstranz des Johann Mayr, die zum Sammlungsbestand des Museums gehört und ebenfalls in einer Vitrine ausgestellt ist, inspirieren lassen und stellt mittels eines religiösen Symbols die Frage nach den durch die Werbung suggerierten Glücksversprechen.

Eine mystifizierende Lichtführung und ihre angestrebte spirituelle Wirkung waren Themen des Barock und finden sich in HC Ohls fotografischem Werk mit digitalen Übermalungen auf seinem auf Alu-Dibond aufgezogenen Werk „Beschleunigtes Paradies“ wieder, das ein optisches Stück aus einer komplexen Realität herausschneidet, und sich ebenfalls mit aktuellen Themen der Gesellschaft befasst, wie Beschleunigung und Konsum. Susu Gorth hat eine gewaltige Rauminstallation, „ohne Titel“, aus rosa Schaumstoff und Bauschaum geschaffen, welche an die Architekturformen des Barock erinnert. Experimentell forschend setzt sie sich mit der Frage auseinander, wie Pracht entsteht. Illusion und Schein sollen der Erkenntnis weichen, dass die Kunst von Susu Gorth „gemacht“ ist und der Betrachter seine Sehgewohnheiten und Assoziationen überprüfen kann.

Zu den bereits erwähnten barocken Ausstellungsstücken gehören auch die Arbeiten des Stuckateurs Johann Michael Feichtmayr, und des „Lechhansl“, wie Johann Baptist Baader, einer der bedeutendsten Kirchenmaler, liebevoll genannt wird, die ein ideales Pendant zu den 2016 entstandenen Werken der zeitgenössischen Künstler bilden.

„Barocke Überläufer“ läuft bis zum 29. Januar im Neuen Stadtmuseum. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 11 bis 17 Uhr. Vorträge und Führungen werden zudem angeboten.

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