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Landkreis

13.01.2021

Gibt es im Landkreis Landsberg genug FFP2-Masken?

Ab Montag gilt in Einzelhandel und öffentlichen Verkehrsmitteln FFP2-Maskenpflicht. Marc Schmid von der Landsberger Lech-Apotheke bezieht die bei ihm angebotenen Exemplare bevorzugt von deutschen Herstellern.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Ab Montag gilt die FFP2-Maskenpflicht. In Apotheken im Landkreis Landsberg ist der Andrang groß. Was ein Landsberger Arzt und ein Hersteller aus Buchloe kritisieren.

Ab Montag ist das Tragen von FFP2-Masken im Einzelhandel und in öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht. Der gestern gefasste Beschluss des bayerischen Kabinetts sorgt jedoch für harsche Kritik: Laut dem Buchloer Schutzbekleidungshersteller Franz Mensch müssten rund 40 Millionen zusätzliche Masken in nur vier Tagen zur Verfügung stehen – ein Ding der Unmöglichkeit. Das Unternehmen wirft der Regierung des Freistaats Aktionismus und Fehlplanung vor. Und wie ist die Situation im Landkreis. Gibt es ausreichend Masken?

„Wir verkaufen aktuell jede Woche 1,5 Millionen FFP2-Masken – an Krankenhäuser, Pflegeheime, Apotheken und Gewerbe“, sagt Achim Theiler, Geschäftsführer der Franz Mensch GmbH, die bis 2017 ihren Hauptsitz in Eresing hatte. „Unsere lagernde Ware ist bereits verplant. Da gibt es kaum Puffer – schon gar nicht in millionenfacher Menge.“ Die Ware komme aus Asien und brauche mindestens vier Wochen bis sie in Deutschland eintreffe. In China ruhe die Produktion wegen des Neujahrsfests schon bald für mehrere Wochen. „Alles, was jetzt nicht schon geordert wurde, kommt erst im März hier an.“

Notarzt hält FFP2-Maskenpflicht für "Aktionismus"

FFP2-Masken filtern Aerosole besonders wirksam aus der ein- und ausgeatmeten Atemluft. Laut Wolfgang Weisensee, Notfallarzt und Stadtrat in Landsberg, schützen diese auch medizinisches Personal, das direkt mit Covid-19-Patienten in Kontakt steht, effektiv vor einer Ansteckung. Er hält die neue Vorschrift daher für prinzipiell richtig, bezeichnet die Umsetzung aber ebenfalls als „unbedachten Aktionismus.“ In Weisensees Augen wäre es besser gewesen, zunächst für einen adäquaten Vorrat und die richtige Infrastruktur zu sorgen. Nun bestehe die Gefahr, dass sich viele Menschen „irgendeinen Mist“ anschaffen. Weisensee befürchtet, dass wegen der kurzen Vorlaufzeit viele Altbestände aus Kisten gekramt werden, welche nicht den aktuellen Anforderungen entsprächen. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Masken CE- und FFP2-zertifiziert sind. In Apotheken erhältliche Masken seien „völlig in Ordnung“, aber meist teuer.

Der Landsberger Anästhesist und Notarzt Wolfgang Weisensee kritisiert die Umsetzung der FFP2-Maskenpflicht.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Außerdem gelte es zu beachten, dass FFP2-Masken „Wegschmeißprodukte“ sind, so der Landsberger Mediziner. Sie in einem Ofen oder einer Mikrowelle „wieder aufzubereiten“, bringe überhaupt nichts. Laut Wolfgang Weisensee könne ein Exemplar etwa acht Stunden lang getragen werden, ehe sich zu viele Bakterien und Keime festgesetzt haben: „Spätestens nach zwei bis drei Tagen sollte man die Maske also wechseln.“

In der Apotheke kostet eine Maske drei Euro

Martin Wiesner ist Inhaber der beiden Apotheken St. Leonhard und Carolus in Kaufering. Die Nachfrage nach FFP2-Masken sei durch die angekündigte Vorschrift zwar sprunghaft gestiegen, aber zu bewältigen. „Wir haben genug da.“ Eine Maske koste drei Euro, einen Zehnerpack gebe es für 25 Euro. In den kommenden Tagen könnte der Andrang noch größer werden: Viele Senioren ab 60 Jahren und Menschen mit einer Immunschwäche, die FFP2-Masken vergünstigt bekommen sollen, hätten ihre entsprechenden Coupons noch nicht erhalten. Der Apotheker findet gut, dass Supermärkte und öffentliche Verkehrsmittel ab Montag nur noch mit FFP2-Schutz betreten werden dürfen. „Wenn man die Masken richtig trägt, schützen sie sehr gut“, sagt Michael Wiesner. „Die Infektionszahlen werden runtergehen.“

In der Landsberger Lech-Apotheke sollten die Vorräte an FFP2-Masken vorerst ausreichen, schätzt Apotheker Marc Schmid. Er beziehe seine Masken bevorzugt aus Deutschland. „90 Prozent der Masken sind chinesisch. Ich finde es schwierig, die Echtheit der übersetzten Zertifikate nachzuvollziehen“, sagt Schmid. Bei den teilweise sehr niedrigen Preisen seien bestimmt auch gefälschte Exemplare dabei. Der Apotheker sieht vor allem einen Vorteil an der FFP2-Maskenpflicht: „Es ist schwieriger, eine FFP2-Maske falsch zu tragen. Sie passen sich besser der Gesichtsform an und rutschen nicht unter die Nase.“ Die Nachfrage sei gerade groß, viele Kunden fragten auch, wie sie die besseren Masken richtig benutzen und ob sie sie wiederverwenden können.

V-Markt wurde von der Entscheidung überrascht

In der Römhild-Apotheke in Dießen ist die Nachfrage nach FFP2-Masken laut Apothekerin Irmgard Gebertshammer „lebhaft“. „Wir haben uns bereits damit eingedeckt“, sagt sie. Derzeit müsse sie viel Aufklärungsarbeit betreiben, um den Kunden die Notwendigkeit der Maßnahme zu erklären. Doch dies lohne sich auch – viele Bürger seien daraufhin einsichtig.

Wer ab Montag zum Einkaufen geht, muss eine FFP2-Maske tragen. Diese neue Vorschrift wurde sehr kurzfristig erlassen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Und wie reagiert der Einzelhandel auf den gestrigen Beschluss des bayerischen Kabinetts? „Wir sind schon etwas überrascht worden“, sagt V-Markt-Pressesprecher Martin Glöckner auf LT-Nachfrage. Derzeit liefen Gespräche, wie sichergestellt werden kann, dass die neuen Vorgaben auch umgesetzt werden. In der Filiale in Landsberg werden Schilder auf die neue Regelung verweisen. Marktleiter und Angestellte sollen wie bisher darauf achten, dass sich die Kunden an die Corona-Regeln halten. Einlasskontrollen, wie es sie zum Teil im Vorweihnachtsgeschäft gab, sind Stand jetzt nicht geplant. Gerade für die Mitarbeiter sei die FFP2-Maskenpflicht eine „Herausforderung“, sagt Martin Glöckner. „Die körperliche Belastung wird dadurch nur noch größer.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: FFP2-Maskenpflicht: Das Gegenteil von gut gemacht

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