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Stadttheater Landsberg

03.10.2017

Globalisierung auf der Bühne

Stefan Stoppok (rechts) auf der Bühne mit (von links) Hanmari Spiegel und Aino Löwenmark.
Bild: Thorsten Jordan

Stoppok und Artgenossen bieten ein kontrastreiches Musikprogramm von Schwedisch bis Bayerisch. Aussetzer werden zu Einlagen.

Jour fixe im Stadttheater, jedes Jahr am 2. Oktober, heuer zum neunten Mal: Die offenbar immer zahlreicher werdenden Fans von Stefan Stoppok hatten sich den Termin geblockt und belagerten den Saal bis unters Dach. Stoppok und Artgenossen hieß es wieder, der Ausnahmesänger, Songwriter und Gitarrist hatte erneut eine bunte Mischung an Musikern dabei und setzte sie der Herausforderung aus, einen gemeinsamen musikalischen Nenner zu finden.

Mit zwei Solostücken bringt Stoppok im Handumdrehen Schwung in den Saal, „Mein Herz hat damit nix zu tun“ und „Zeit für ein Wunder“. Dafür lieben ihn die Fans: Virtuoses Gitarrenspiel, unmittelbarer Groove, raue, kratzige Stimme und treffsichere Texte. Und noch etwas – hin und wieder ein Aussetzer, bei dem der Sänger den Text vergessen hat. Aus diesen Aussetzern macht Stoppok auf unvergleichliche Weise kleine, unterhaltsame Einlagen, indem er über sich selbst und das Publikum witzelt, wie nur er es kann. Fast hofft man auf den nächsten Aussetzer.

Zu „Friss den Fisch“ schlappt als erster Gast Steffi Stephan von Udo Lindenbergs Panikorchester herein, und mit seinem Hut, den halblangen grauen Zottelhaaren und der rauchigen Stimme meint man fast, Udo stehe selbst dort oben. Stephan nutzt den Solo-Auftritt, um selbst zu singen: „Nimm das ma nich so tragisch“ hört sich bei ihm genauso nach lockerem Blues an wie bei Udo. Der deutsche Sänger und Liedermacher Zam Helga singt mit Stoppok dessen Lied „Mülldeponie“, und der Mann mit den langen Locken lässt eine samtweiche, beeindruckende Stimme hören, die sehr gut zu der von Stoppok passt. Mit „Krieg und Frieden“, „Straße unter Eis“ und „Sommerwindfang“ gibt er Kostproben seines Spektrums an poetischen Texten und eingängigen Songs, vom stampfenden Protestsong über den melancholischen Lovesong bis zum Gute-Laune-Lied.

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Mit Aino Löwenmark und Hanmari Spiegel betreten eine Schwedin und eine Südafrikanerin die Bühne und beeindrucken gleich mal als Harmony-Vocals in Stoppoks „Ich denk an dich“, und auch Hanmari Spiegels Geige fügt sich geschmeidig und wunderschön ein. Zu dem Löwenmark-Titel „Halleluja“ setzt sich die Schwedin an den Flügel, die drei Männer spielen Gitarre und Drums und Spiegel setzt mit der Geige ein – das gibt, zusammen mit einem drei- bis vierstimmigen Gesang, einen echt fetten Sound.

Nach der Pause bereichern die beiden Frauen das Programm mit drei weiteren Stücken, getragen von Aino Löwenmarks starker Stimme, und dann kommen die zwei letzten Gäste zum Zug: Williams „Wetsox“ Fändrich, hierzulande bekannter, „hagelbuchener“ Bayerisch-Blueser aus Huglfing, und Torsten Rolfs, Virtuose an der Blues Harp. Nun werden erst mal alle Musiker sanft genötigt, „mitzuarbeiten“, mit dem Stoppok-Lied „Ich arbeitete mit“, ein toller Song gegen jede Ausrede, warum man gerade nichts Nützliches beitragen kann. Williams Wetsox erntet hier Sonderapplaus für seine Strophe in tiefstem Bayerisch.

Der satte Blues bekommt durch grandiose Soli von Rolfs an der Blues Harp und Stoppok an der Gitarre Glanzlichter aufgesetzt. Weitere erdige Bluessongs steuert Wetsox bei, Liebeslieder, aber auch ein leidenschaftliches Lied gegen die Umweltzerstörung: „Mensch, sei a bissl gscheid“. Nach dem obligatorischen gemeinsamen Schlusslied, diesmal „Es hätte nich’ besser komm’ könn’“, war natürlich lang noch nicht Schluss. Es folgte eine gemeinsame Zugabe, eine von Aino Löwenmark, und zuletzt – „ohne das krieg ich euch ja doch nicht ruhig“ – ein Solostück von Stoppok, „Wetterprophet“. Erst dann waren die Fans zufrieden und ließen die Künstler nach donnerndem Jubel und Applaus ziehen.

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