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Gottesdienst oder Brunch? Der Glaube in der Zwickmühle

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Kommentar Von Gerald Modlinger
12.03.2019

Auch im Landkreis Landsberg wird die katholische Kirche von einer Austrittswelle erfasst. LT-Redakteur Gerald Modlinger blickt auf dieses Phänomen.

In unserer Gesellschaft ist ein epochaler Kulturwandel im Gange. Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte fast jeder Einwohner des Landkreises einer christlichen Konfession an. Heute ist es zwar immer noch ein hoher Anteil, doch dieser wird jedes Jahr kleiner: Das liegt einerseits am demografischen Wandel mit Zuwanderung aus nichtchristlichen oder atheistisch geprägten Gesellschaften. Dazu kommt, dass viele Menschen entweder den christlichen Glauben nicht mehr aktiv an die nachfolgende Generation weitergeben oder aus der Kirche austreten.

Die Religion verliert an Relevanz

Das sind zuletzt deutlich mehr geworden. Der zeitliche Zusammenhang mit den immer neuen Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche ist offenkundig. Insbesondere für Menschen, die vor allem dieses abstoßende Bild der Kirche kennen, liegt es daher nahe, sich von einer solchen Institution zu verabschieden. So gesehen täte die Kirche gut daran, manche ihrer Strukturen und Traditionen zu reformieren, die solche Missstände hervorrufen.

Eines wird aber trotzdem weitergehen: Religion verliert im Denken vieler Menschen an Relevanz. So schrumpfen die Kirchen gewissermaßen auf ihren wahren Kern. Ob jemand am Sonntag in die Kirche oder lieber zum Brunch geht, ist heute auch auf dem Dorf gesellschaftlich nicht mehr relevant. Wer trotzdem zum Gottesdienst geht, tut dies wahrscheinlich aus anderen Gründen: Er findet Gemeinschaft, richtet den Blick über den irdischen Alltag hinaus und schöpft vielleicht so Kraft für die anderen sechs Tage der Woche. Wer das erlebt, sieht womöglich auch etwas mehr als Skandale und Missstände.

Lesen Sie den Artikel zum Thema: Warum so viele die Kirchen verlassen

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