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Konzert

31.01.2019

Große Poesie

Literatur und Musik als Hommage

Um das Geheimnis der beiden Pappeln, deren Zweige sich in leidenschaftlichem Flüstern wiegen, zu begreifen, begaben sich 50 Besucher des Hauskonzertes Nummer 7 auf Spurensuche in die Welt des kirgisischen Schriftstellers Dschingis Aitmatow.

Aus dessen knapp 100-seitigem Roman „Der erste Lehrer“ las die bekannte Synchronsprecherin und Schauspielerin Elisabeth Günther mit berührender Stimme las. Mit der kleinen, bezaubernden Suite von Wladimir Merkuschin eröffnete Annette Rießner mit ihrem russischen Bajan, der osteuropäischen Form des chromatischen Knopfakkordeons, den Konzertabend im Clubhaus des Segelvereins Weiss-Blau, Sankt Alban, in dem Vorstandsmitglied Dieter Linglbach einleitende Worte sprach.

Den beiden stets aufeinander achtenden Künstlerinnen gelang eine perfekt abgestimmte literarisch-musikalische Präsentation ohne große Showeffekte, bei der Poesie und Musik in wunderbarer Harmonie ineinander flossen und der die ergriffenen Zuhörer drei Stunden mit voller Aufmerksamkeit lauschten. Den „Russische Tanz“ von Georgi Schenderjow oder das „Prelude Nr. 4 e-Moll“ ließen die duldsame russische Seele erahnen und verliehen der sprachlichen Eleganz des Romans eine sentimentale Faszination. Die aufwühlende Geschichte begann im Ail Kurkureu, wo 1924 ein Mann namens Düischen auftauchte, um gegen den Willen der hart arbeitenden Bewohner eine Schule zu errichten. Die damals 14-jährige Altynai Sulaimanowa, inzwischen Doktor der Philosophie mit einem Lehrstuhl in Moskau, erzählt retrospektiv in Briefform, wie sie als Waise bei ihrer grausamen Tante aufwuchs und bei dem geliebten Lehrer Zuwendung und menschliche Wärme fand.

Da lassen sich Parallelen finden zu Düischen und zum Mädchen Altynai, mit der die Tante zunächst ganz andere Pläne hatte und sie mit einem gewalttätigen „Rotgesichtigen“ verheiratete. Doch Düischen konnte sie mithilfe der Milizionäre befreien und zum Lernen in die Stadt schicken.

Die ganze Dramatik, die Elisabeth Günther in ihre Stimme legte, wurde von „Oy da ty, Kalinuschka“ von Igor Panitzki und „Menschenkas Seufzer“ von Wladislaw Solotarjow mit enormer Fingerfertigkeit von Annette Rießner mit leisen, sentimentalen Tönen, die sich lebhaft rhythmisch steigerten, untermalt.

Als die beiden Protagonistinnen zum Abschluss gemeinsam das russische Wiegenlied „Bajuschki Baju“ sangen, das Annette Rießner selbst bearbeitet hatte, summten die Besucher leise und ergriffen mit, um dann diese außergewöhnliche Konzertidee mit verdientem Applaus zu belohnen. Wegen der großen Nachfrage konnten nicht alle Interessenten angenommen werden. So wird das Hauskonzert Nr. 7 am 31. März am gleichen Ort wiederholt. Anmeldung unter www.hauskonzert-am-ammersee.de

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