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Prozess in Augsburg

05.11.2009

"Güllemörder" von Penzing hörte Stimmen

Stimmen will er gehört haben, die ihn zu der grausamen Tat getrieben haben: Am ersten Verhandlungstag im Prozess um den Penzinger "Güllegrubenmord"hat der Angeklagte vor dem Landgericht Augsburg über seine Beweggründegesprochen. Von Dieter Schöndorfer

Es müssen unglaublich brutaleSzenen gewesen sein, die sich vor zehn Monaten auf dem Bauernhof inPenzing (Landkreis Landsberg) abgespielt haben. Der heute 35 Jahrealter Landwirt Alexander K. tötete dort am späten Abend des 4. Januarzuerst seine Mutter und kurz darauf seinen Vater. Mit einer Axt soll erauf ihre Köpfe eingeschlagen haben und die Eltern dann in derGüllegrube versenkt haben.

Zum Prozessauftakt am AugsburgerSchwurgericht sagte K.s Verteidiger Hartmut Wächtler (München), seinMandant sei von Wahnvorstellungen zu der Tat getrieben worden. DerAngeklagte habe "Stimmen gehört", dass es nicht seine Eltern seien unddass er sie umbringen müsse. Die Zielrichtung des Verteidigers istklar: Er geht von einer beeinträchtigten Schuldfähigkeit desAngeklagten aus.

Der Prozess begann mit einer Überraschung: Diezahlreichen Besucher und Medienvertreter durften die erste Stunde derVerhandlung nicht folgen. Verteidiger Wächtler hatte den Ausschluss derÖffentlichkeit beantragt. Begründung: "Mein Mandant hätte großeSchwierigkeiten gehabt, seine Einlassungen vor so vielen Leuten zumachen."

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Er saß wortlos am Esstisch und schnitt dem Vater Grimassen

ZahlreicheZeugen, unter anderem die Schwester, bestätigten, dass sich derAngeklagte im vergangenen Jahr sehr verändert hatte. Oft habe erwortlos am Esstisch gesessen und seinem Vater unerklärliche Grimassengeschnitten. Diese und ähnliche Verhaltensweisen bringen denVerteidiger zu der Auffassung, dass sein Mandant "behandelt gehöre".Diese Frage zu klären, wird nun zum zentralen Punkt der Verhandlungwerden, in der vermutlich, so kündigte der Vorsitzende Richter WolfgangRothermel an, am Freitag, 13. November, das Urteil gesprochen werdenkönnte.

Die Tat selbst hat der Angeklagte gestanden. Er istoffensichtlich sehr zielgerichtet vorgegangen. Den Eindruck vermittelter jedenfalls bei der Rekonstruktion des Tathergangs, der von derPolizei auf einem Film festgehalten und im Gerichtssaal vorgeführtwurde. Zwei Tage nach der Tat, also am 6. Januar, machte er einengefassten Eindruck. Er beschreibt, wie er seine Mutter nach der Arbeitim Kälberstall auf dem Hof mit der bereitgestellten Axt von hintenniederschlägt, sie an den Beinen zur Güllegrube zieht und sie dorthineinwirft. Als die 53-Jährige dennoch zu sich kommt und zu schreienbeginnt, schlägt er weiter mit der Axt auf die in der Grube liegendeFrau ein.

Anschließend lockt er den Vater unter dem Vorwand, dieMutter sei gestürzt, aus dem Wohnhaus, schlägt ihn dort ebenfalls mitder Axt von hinten nieder. In der Annahme, der 70-jährige Vater seitot, rollt er ihn auf die Gabel eines Traktors und transportiert denKörper ebenfalls zur Güllegrube. Er wirft den Vater hinein, der dort,so ergibt die spätere Obduktion, an eingeatmetem Kuhmist erstickt.

EinZerwürfnis zwischen Vater und Sohn soll laut Anklage der Grund für diespätere Tat gewesen sein, auch spricht der 35-Jährige davon, nicht dasleibliche Kind seiner Eltern zu sein. Davon weiß aber weder dieSchwester etwas, noch will jemand aus dem Bekanntenkreis etwas vonÄrger auf dem Hof bemerkt haben. Lediglich der Schwiegersohn hatte mitbeiden, Vater wie Sohn, über die Zukunft des Milchviehbetriebsgesprochen: "Das war viel zu viel Arbeit für den alten Mann und denalleinstehenden Sohn."

Der Prozess wird am Freitag mit Zeugenaussagen und einem Sachverständigenbericht fortgesetzt. Dieter Schöndorfer

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