08.02.2010

Gut gebrüllt, Löwe

Landsberg Gut gebrüllt Löwe: Eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft löste die Einladung des Lions Club Landsberg zum Benefizkonzert "Hilfe für Haiti" in der Stadtpfarrkirche "Zu den Heiligen Engeln" aus. Das Kirchenrund war proppenvoll, selbst Stühle aus dem Pfarrsaal waren noch aufgestellt und ebenfalls besetzt.

Haiti, der kleine, zu den ärmsten Ländern der Welt gehörende Inselstaat in der Karibik war bekanntlich jüngst von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht worden und kann aus eigener Kraft niemals für den Wiederaufbau sorgen. Für die hierfür getätigte Spende vor dem Nachhauseweg bekamen die Besucher in der Engelskirche zuvor einen außergewöhnlichen, luxuriösen Musiknachmittag geboten. Außergewöhnlich, weil er Gruppierungen zusammenbrachte, die sonst kaum miteinander konzertieren - luxuriös insofern, als teilweise auf qualitativ höchstem Niveau stehende Leistungen geboten wurden. Hinreißend schon der Auftakt mit dem Bläserensemble Marktoberdorf sowie Marianne Lösch (Orgel) und Stefan Schmid (Schlagzeug): Die Bläser rund um ihren Leiter Thomas Kindl eröffneten das Konzert mit barocken Fanfarenklängen, Lösch und Schmid entführten in die Musikwelt eines Berthold Hummel, der in seinen Kompositionen ohne Scheu Instrumente wie Orgel und Schlagzeug erfolgreich und hörenswert zusammenführt.

Klangrein und perfekt

Nach der Begrüßung durch den derzeitigen Landsberger Lions Präsidenten Dr. Karl Heinz Moser verzückte das Bläserensemble Marktoberdorf klangrein und in perfektem Zusammenspiel mit für Bläser arrangierten, anspruchsvollen Chorsätzen (Bartholdys "Denn er hat seinen Engeln") oder auch Stücken aus der Literatur für sinfonisches Blasorchester ("Nimrod" aus Elgars Enigma-Variationen). Kindl führte die Bläser, der Akustik der Kirche Rechnung tragend, sehr feierlich auch durch Jazziges oder Alpenländisches und konnte damit bei beiden Auftrittsblöcken Gänsehautgefühle auslösen.

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Anspruchsvoll auch die Musikauswahl, die Leiter Dr. Karl Heinz Moser mutig für seinen Chor "Vox Villa" getroffen hatte. Moser, der den Chor noch nicht allzu lang leitet, zeigte, was ein Ensemble unter guter Stabführung zu leisten imstande ist. Die zeitgenössischen Chorsätze im zweiten Teil des Auftritts oder auch Regers bekanntes "Nachtlied" am Ende des musikalischen Nachmittags schienen die Sänger besonders zu mögen, da schwang Begeisterung bis Euphorie für die Musik mit. Sehr schön im ersten Teil der italienische Beerdigungsgesang "Alta trinità beata", das ziemlich anspruchsvolle "Die mit Tränen säen" von Johann Hermann Schein hingegen klang noch ein wenig zaghaft. Eingebettet in Bläserensemble und gemischten Chor, durfte ein Teil der Landsberger Schlagzeugertruppe "Licca Percussiva" zeigen, was er drauf hat.

Leiter Stefan Schmid hatte nur Stücke für Marimba ausgesucht, um dem Anlass des Konzerts und der Räumlichkeit Rechnung zu tragen. Die Schlagzeuger begeisterten solistisch und als Trio beziehungsweise Quartett.

Einige der Zuhörer erklärten im Nachhinein, noch nie eine Marimba gehört zu haben und zeigten sich sehr beeindruckt von der Virtuosität, die die teilweise erst elf- oder zwölfjährigen Nachwuchsmusiker an den Tag legten.

Dezent in Wortspiele verpackt und doch deutlich und unmissverständlich, wies Andreas Horber bei seinen Zwischenmoderationen immer wieder auf den Grund des Konzerts hin: "Seien Sie eine kleine Königin, ein kleiner König von Saba - der Schatzmeister sollte nach dem Konzert Lobeshymnen singen können."

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