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03.06.2009

Harte Einschnitte bei Schuster Präzision

Denklingen/Kaufbeuren (avu) - Die Wirtschaftskrise fordert in der Region einen ersten radikalen Einschnitt. Bei Schuster Präzision sind 57 Mitarbeiter freigestellt worden. Das Maschinen- und Werkzeugbauunternehmen mit Stammsitz in Denklingen und einem Werk in Kaufbeuren hatte vor zwei Monaten vorläufige Insolvenz angemeldet. Am 1. Juni wurde das Insolvenzverfahren eröffnet (wir berichteten). Nun fallen in einer ersten Welle mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze weg, wie jetzt bekannt wurde.

Da es in dem Betrieb keine Arbeitnehmervertretung gibt, wurde kein Sozialplan aufgestellt. Eine Sprecherin des Insolvenzverwalters Christian Plail betonte jedoch, dass bei der Entscheidung soziale Kriterien wie Alter, Familienstand, Qualifikation und Betriebszugehörigkeit eine Rolle gespielt habe. Zudem seien die Freistellungen widerruflich. Betroffen sind 40 Mitarbeiter, die in Denklingen beschäftigt sind, und 17 aus dem Kaufbeurer Werk. Für 20 Lehrlinge - Schuster ist einer der größten Ausbilder in der Region - werde in Zusammenarbeit mit den Kammern noch nach möglichen Lösungen in anderen Betrieben gesucht.

Unmut in der Belegschaft

Unter den Mitarbeitern haben die Freistellungen großen Unmut hervorgerufen. Die Belegschaft sei erst einen Tag vor diesem Einschnitt informiert worden, sagt ein Beschäftigter. Auch von der Insolvenzeröffnung am 1. Juni hätten die Mitarbeiter am Dienstag, dem ersten Arbeitstag nach Pfingsten, erfahren. "Schlimm ist, dass die Betroffenen von heute auf morgen zu Hause bleiben müssen." Die bisherige Darstellung der Geschäftsleitung und des Insolvenzverwalters, dass die Gläubiger und Mitarbeiter uneingeschränkt hinter der Geschäftspolitik stünden, lässt sich damit nicht aufrechterhalten. "Viele sind verärgert", sagt einer. "Die Schwierigkeiten im Unternehmen haben sich schon länger angekündigt. Die Wirtschaftskrise hat das Ganze doch nur beschleunigt." Weiterhin geht Insolvenzverwalter Christian Plail von der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner von der Fortführung des Unternehmens aus und sucht einen Investor. Mit mehreren Interessenten würden Gespräche geführt. Unklar ist, was mit dem Kaufbeurer Werk passiert, in dem Schuster auf den selbst entwickelten Maschinen Teile für die Automobilindustrie herstellt. Die Halle am Kaufbeurer Innovapark ist lediglich angemietet. Es soll laut Insolvenzverwalter zwar Interessenten für eine Übernahme geben.

In Gläubiger- und Mitarbeiterkreisen sieht man - im Gegensatz zu den Perspektiven für das Denklinger Stammhaus - die Chance einer Übernahme in der derzeitigen konjunkturellen Situation aber als gering an. Solche Teile ließen sich auch in anderen Unternehmen herstellen, heißt es. Zudem sei ein großer Teil der Produktionsmaschinen vor Längerem an eine Leasingfirma überschrieben und zurückgeleast worden, gehörten also gar nicht mehr dem Unternehmen. Auf Kritik stößt auch die Tatsache, dass Schuster Präzision Maschinen mit noch unbezahlten Bauteilen ausliefert. Damit werde die Bilanz des Unternehmens auf Kosten der Lieferanten aufgebessert. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters weist diese Vorwürfe zurück. Die Produktion in Kaufbeuren sei in ihrer Gesamtheit attraktiv, da spielten Aspekte wie Know-how und Schnelligkeit Rollen. Das Leasingverfahren sei ein durchaus übliches Vorgehen, von dem nur Teile des Maschinenparks betroffen seien. Den Vorwurf, dass Gewinn auf dem Rücken der Gläubiger gemacht werde, wollte der Sprecher ebenfalls nicht gelten lassen. Wichtig sei es nun, Aufträge abzuarbeiten, Lieferbeziehungen zu pflegen und Umsätze zu generieren; Geld, mit dem später Forderungen beglichen werden.

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