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Landsberg/Hofstetten

18.01.2019

Hausärzte: So ist die Versorgungslage im Landkreis Landsberg

Dr. Albert Joas führt mit seiner Frau eine Praxis als Allgemeinarzt in Hofstetten. Er ist einer von 58 Hausärzten im Landkreis Landberg und erzählt über die Veränderungen in seinem Beruf.
Bild: Thorsten Jordan

Warum der Landkreis Landsberg in Sachen Hausärzte gegenüber anderen Regionen im Vorteil ist. Dr. Albert Joas praktiziert seit vielen Jahren in Hofstetten und liefert Fakten.

Dr. Albert Joas ist Hausarzt in Hofstetten. Mit 67 Jahren ist er in einem Alter, in dem man über den Ruhestand nachdenkt. Wie sieht es mit den Chancen für eine Nachfolge aus? Wie sieht es mit dem oft thematisierten Hausärztemangel im Landkreis aus? Das LT hat mit dem ehemaligen Kreisvorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbands gesprochen.

„Bei den Praxen ist es wie bei Immobilien: Es zählt Lage, Lage, Lage“, sagt Joas. Sprich, im Speckgürtel von München Interessenten zu finden, die in der Region Hausarzt werden wollen, ist einfacher als beispielsweise in Oberfranken. Albert Joas führt die Praxis gemeinsam mit seiner Frau Dr. Susanne Holtz-Joas, und Gemeinschaftspraxen sind variabler: „Es könnten ein Vollsitz und zwei Halbsitze sein“, erläuterte Joas. Außerdem bilden seine Frau und er seit 25 Jahren Ärzte aus, er habe eine Lehrpraxis der Technischen Universität München. Das heißt: Junge Ärzte lernen die Praxis kennen.

Lesen Sie dazu auch: Auch Bayern droht der Ärztemangel

Der Arzt muss heute nicht mehr rund um die Uhr erreichbar sein

Der Hofstettener Arzt sieht auch einen gewissen Meinungsumschwung. Früher habe Allgemeinmedizin im universitären Umfeld als anspruchslos gegolten. Wenn die jungen Leute jedoch in der Praxis seien, stellten sie fest, dass es interessant sei. Aber auch Joas glaubt, dass es auch in Zukunft nicht mehr in jedem Dorf einen Arzt geben wird. Die Menschen seien heutzutage aber mobil: „50 Prozent unserer Patienten stammen nicht aus Hofstetten.“

Er beobachtet einen gesellschaftlichen Wandel, den er soziologisch als spannend empfindet. Ärztepräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery habe dies auch auf einem Ärztetag formuliert: Früher habe der Hausarzt eine Krankenschwester geheiratet, diese habe das Praxismanagement übernommen und sei ihm auch in den Bayerischen Wald gefolgt. Heutzutage sei das anders: 60 bis 70 Prozent der Studierenden seien Frauen, die stärker an einer familienorientierten Arbeitszeit interessiert und auch eher mit einem Akademiker verheiratet seien, der eigene Berufswünsche habe. Außerdem habe sich der Hausarzt früher gewissermaßen als „social hero“ verstanden, der Tag und Nacht erreichbar gewesen sei. Heute sei auch bei Medizinstudenten die „Work-Life-Balance“ wichtig, so Joas’ Erfahrung. Dadurch, dass ein Bereitschaftsdienst eingerichtet sei, müsse der Hausarzt aber auch nicht wie in früheren Zeiten immer erreichbar sein. „Die Belastung hat sich deutlich reduziert.“

Die Ärzte sind in der Region deutlicher jünger als der Durchschnitt

Und wie sieht die aktuelle Lage im Landkreis in Sachen Hausärzte aus? Das Durchschnittsalter der hiesigen Hausärzte liegt laut Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung vom August 2018 mit 53,2 Jahren unter dem bayerischen Durchschnitt (55,3 Jahre). Die Statistik geht von einem Versorgungsgrad von 109,3 Prozent aus. Die lokale Statistik des Ärztlichen Kreisverbandes (ÄKV) listet 58 Allgemeinmediziner auf, es gibt jedoch nicht in jeder Gemeinde einen Hausarzt: Scheuring und Schwifting fehlen beispielsweise.

40 Prozent der Hausärzte sind laut ÄKV-Vorsitzendem Dr. Hans-Joachim Baumgartl über 55 Jahre alt, davon 19 über 60 Jahre. „Der Landkreis ist aktuell nicht von einer Unterversorgung bedroht. Dennoch haben einige Hausärzte auch hier Probleme, einen Nachfolger zu finden.“ Um einem Hausärztemangel entgegenzuwirken, hätten der ÄKV, das Klinikum Landsberg, das Ärztenetz Gesola und mehrere niedergelassene Ärzte 2016 einen Weiterbildungsverbund gegründet: Ziel sei es, jungen Ärzten den Zugang zur Allgemeinmedizin zu erleichtern und sie vor Ort in der Hoffnung weiterzubilden, dass diese sich dann auch im Landkreis niederließen.

Einige Gemeinden sichern die Versorgung

Die Weiterbildung zum Allgemeinarzt dauert laut Baumgartl nach abgeschlossenem Studium und Erhalt der Approbation nochmals fünf Jahre. Das Programm sehe unter anderem vor, dass die angehenden Allgemeinmediziner zuerst ein Jahr in Hausarztpraxen des Verbundes durchlaufen. Anschließend folgen eine Zeit im Klinikum Landsberg und Hospitationen. Fünf Ärzte in Weiterbildung seien bisher mit dem Programm gewonnen werden. Manche Gemeinden stellten auch Räume zur Verfügung, um Hausärzte in der Region zu fördern, beispielsweise Eching oder Prittriching. Auch in Rott sind derzeit neue Räume in Planung.

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