Newsticker

Pflicht-Corona-Tests: Einreisende aus Risikogebieten müssen sich ab Samstag testen lassen
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Haushaltstipps: Wie der Rochen ins Einweckglas kommt

Denklingen

27.01.2019

Haushaltstipps: Wie der Rochen ins Einweckglas kommt

Kursleiterin Lucia Lehner (rechts) weiß, wie Lebensmittel haltbar gemacht werden. Beim Fermentieren erfuhren die Teilnehmer der Garten- und Naturfreunde aus Denklingen Wissenswertes darüber.
2 Bilder
Kursleiterin Lucia Lehner (rechts) weiß, wie Lebensmittel haltbar gemacht werden. Beim Fermentieren erfuhren die Teilnehmer der Garten- und Naturfreunde aus Denklingen Wissenswertes darüber.
Bild: Pius Preisinger

Lucia Lehner aus Denklingen weiß, wie Lebensmittel haltbar gemacht werden. Ihr Wissen gibt sie gerne weiter. Warum die Kursteilnehmer beim Probieren viel zu lachen haben und sauer nicht gleich sauer ist

Eine lustige Runde hat sich in der Küche des Denklinger Pfarrheims eingefunden. Acht Frauen, zwei Männer - alle neugierig darauf, etwas über die Fermentierung von Lebensmitteln zu erfahren. Lucia Lehner, die Vorsitzende der Garten- und Naturfreunde hat es sich zur Herzensangelegenheit gemacht, dieses alte Wissen um die Haltbarmachung von Lebensmitteln weiterzugeben. Es wird ein Abend des Entdeckens, des Schauderns und des Lernens. Ein Abend, der zum Nachmachen anregt.

Fermentation, so erklärt Lehner ihren Zuhörern, sei die Umwandlung mikrobieller und enzymatischer Stoffe in Alkohol, Säure und Gase. Während die Fermentation des geernteten Gemüses und Obstes früher die Menschen hervorragend über die Winterzeit gebracht habe, werde sie heutzutage in der Lebensmittelindustrie durch die Zugabe von Pilzen, Bakterien, Zellkulturen oder Enzymen in großem Stil zur Haltbarmachung eingesetzt.

Wie Vergärtes dem Körper guttun soll

Ein wichtiger Grund, weshalb man die Fermentierung auch heute noch für den Hausgebrauch anwenden sollte, sei körperliches Wohlbefinden. Denn durch die Fermentierung vermehrten sich, so die Referentin, die Vitamine und Enzyme um ein Vielfaches und kämen dem Körper zugute. Lebensmittel in Dosen dagegen seien mehr oder weniger bereits zu Tode gekocht. Rohe Milch, für zwei bis drei Tage an die Luft gestellt, ergebe durch Milchsäuregärung Sauermilch, den sogenannten „Schlotter“, und habe eine wohltuende Wirkung auf den Körper. Überhaupt hätten alle sauer vergorenen Lebensmittel einen sehr guten Einfluss auf den Darm und damit auf den ganzen Organismus. Sogar Genussmittel, wie Schwarztee, Tabak, Bier und Alkohol seien übrigens ebenfalls das Ergebnis von Fermentation, so Lehner.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die marokkanische Salzzitrone gilt als Delikatesse

Damit das Ganze nicht nur eine theoretische Angelegenheit bleibt, hat die Kursleiterin auch mehrere Gläser mit unterschiedlichem, bereits fertig vergorenem Inhalt mitgebracht und bot ihren staunenden Kursteilnehmern jeweils kleine Probierhäppchen daraus an. Sehr vorsichtig und teilweise auch mit etwas Argwohn wurden diese verzehrt. Dabei gibt es immer viel Gelächter, wenn die eine oder der andere das Gesicht verzieht, weil ein Häppchen zu „sauer“ ist oder zumindest sehr ungewohnt schmeckt.

Dabei stärkt doch alles bekanntermaßen die Vitalität. Zum Beispiel Blaukraut, Rote Bete oder Topinambur, jeweils in Salzlake angesetzt. Diese schmecken auch noch halbwegs vertraut. Das Wort „sauer“ trifft die Geschmacksrichtung nicht ganz. Möglicherweise ist einfach das Fehlen des sonst allgegenwärtigen Zuckers etwas befremdlich. Völlig ungewohnt dagegen ist für die meisten die marokkanische Salzzitrone in fermentiertem Zustand. Sie gilt in ihrem Herkunftsland als Delikatesse.

Es sieht etwas unheimlich aus

Lucia Lehner hat die reiche Obsternte des vergangenen Herbstes genützt und ganze Äpfel von der Vereinsobstwiese mit den Zweigen schwarzer Johannisbeere fermentiert. Sie serviert diese jetzt in kleinen Stücken. Die zugehörige Flüssigkeit ergibt eine erfrischend sprudelnde Limonade. Ein Teilnehmer will wissen, was denn da Grusliges in einem der Gläser schwimme. Das schaue ja aus wie ein Rochen. Nein, nein, winkt die Referentin lachend ab. Das sei nur ein Kombucha, ein für die Fermentierung hilfreicher Pilz. Ob man ihn essen könne? Natürlich, der neugierige Frager könne ja mal probieren. „Schmeckt gar nicht schlecht“, stellt er angenehm überrascht fest. Zum Abschluss des Probierens und als Nachtisch gibt es noch Sauermilch mit Bananen und Erdmandel, mit probiotischem Joghurt angesetzt. So etwa könnte man sich die Gänge im Feinschmeckerrestaurant vorstellen, nur ohne Kellner und Kerzenlicht.

Dann geht es an die Praxis

Im zweiten Teil des Abends geht es nun darum, selber ein Ferment herzustellen. Alle müssen ran und das bereitliegende Gemüse kleinschnippeln. Weißkraut, Fenchel, Brokkoli und Karotten, Frühlingszwiebeln, Paprika und Pastinaken werden zusammen vermengt und mit etwas Salz vermischt in Einweckgläser gepresst. Dazu kommen noch zur geschmacklichen Abrundung Lorbeer, Dill, Wacholderbeeren und etwas Nelke in jedes Glas.

Zum Schluss bekommen alle Teilnehmer des Kurses mit den luftdicht verschlossenen Gläsern noch den Tipp der erfahrenen Fermentiererin mit auf den Weg: Die Gläser wegen der Gasentwicklung regelmäßig zur Druckentlastung zu öffnen. Sie habe da nämlich schon ihre Erfahrungen gemacht. Bei Raumtemperatur aufbewahrt, sei der Inhalt der Gläser dann nach zwei Wochen verzehrfertig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren