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Landkreis Landsberg

06.11.2019

Hebammen bieten bald Notfallsprechstunden an

Auch im Landkreis Landsberg gibt es immer mehr Geburten – die Anzahl der Hebammen sinkt hingegen. Deshalb soll es jetzt ein besonderes Angebot mit Notfallsprechstunde geben.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Auch im Landkreis Landsberg gibt es zu wenig freiberufliche Hebammen. Ein neues Projekt soll frisch gebackenen Eltern unmittelbar nach der Geburt helfen.

Im Landkreis sollen ein Wochenendnotdienst und eine Hebammen-Notfallsprechstunde entstehen. Die Hebammen Barbara Utecht, Cornelia Michel und Martina Ferlemann wollen das Förderprogramm „Geburtshilfe Bayern“ in Anspruch nehmen und brauchen dazu den Landkreis als Partner. Die drei freiberuflichen Hebammen stellten das Projekt jetzt im Senioren- und sozialpolitischen Ausschuss vor. Was Eltern jetzt wissen müssen.

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Mehr Geburten, weniger Hebammen

Die Ausgangslage ist in Landsberg so dramatisch wie in anderen Landkreisen: Die Geburten steigen und die Hebammen werden weniger. Nicht weil sich weniger Frauen für den Beruf interessieren, sondern weil viele Hebammen aufhören, wie auch Martina Ferlemann in ihrem Kurzreferat berichtete. 2014 seien es in Landsberg 800 Geburten gewesen, 2018 900 und heuer werde man voraussichtlich die 1000 überschreiten. „Wir haben in Oberbayern ein Wachstum bei den Geburten um 17,1 Prozent.“

Gleichzeitig möchte laut Hebamme Martina Ferlemann jede dritte Hebamme ihr Angebot ausdünnen beziehungsweise ganz aufhören. „Wir sprechen hier wirklich von einer Unterversorgung in Oberbayern.“ 20 Prozent der Mütter hätten im Wochenbett keine Betreuung durch eine Hebamme. 18,8 Prozent der Frauen wünschten sich laut einer Umfrage beim zweiten Kind eine intensivere Betreuung durch eine Hebamme. Doch das sei nicht leistbar: „Wir alle haben eine 60-Stunden-Woche, wir arbeiten alle am Limit.“

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Das Problem kommt mit dem Wochenbett

Die Problematik: Bei der Geburt in der Klinik ist die Frau noch gut versorgt. Laut Landrat Thomas Eichinger herrscht dort kein Mangel an Hebammen. Doch sobald sie nach Hause kommt, wird es mit der Nachbetreuung durch eine freiberufliche Hebamme schwierig.

„Wir haben jetzt schon ausgebucht bis Juli“, schildert Martina Ferlemann die Lage. Das heißt, sobald Frauen von ihrer Schwangerschaft erfahren, melden sie sich schon bei einer Hebamme an. Eine der bekannten Hauptursachen für den Mangel an Hebammen sind die hohen Kosten durch die Haftpflichtversicherung, die die freiberuflich arbeitenden Frauen eingehen müssen, wie auch Ferlemann auf Nachfrage sagte.

Die Frauen sind nicht mehr so lange in der Klinik

Die Lage wird nach Ansicht von Margarita Däubler auch durch immer kürzerer Belegzeiten verschärft: „Früher war man nach der Entbindung eine Woche in der Klinik, heute gehen die Mütter schon nach ein bis zwei Tagen.“

Um Frauen, die keine Hebamme gefunden haben, eine Möglichkeit zu geben, sich auch nach dem Krankenhausaufenthalt Rat holen zu können, soll eine Hebammen-Notfallsprechstunde an zwei Tagen die Woche über fünf Stunden sowie ein telefonischer Wochenendnotdienst geschaffen werden. „Es ist eine Anlaufstelle auch in Ferienzeiten und am Wochenende“, sagt Martina Ferlemann.

Jetzt werden Räume gesucht

Wie werden die freiberuflichen Hebammen vergütet? Mit 150 Euro Grundvergütung pro Tag für den Wochenenddienst sowie mit 40 Euro pro Stunde in der Notfallsprechstunde. Der Landkreis finanziert dies über die Förderung, die laut dem Förderprogramm Geburtshilfe in Höhe von 40 Euro pro im Landkreis geborenem Kind beträgt. Beantragen muss das der Landkreis, womit sich die Kreisräte im Ausschuss auch grundsätzlich einverstanden zeigten. Als finanzielle Belastung für den Landkreis bleibt eine Restsumme von 4000 Euro pro Jahr, das Projekt soll erst mal auf ein Jahr angesetzt werden.

Voraussetzung, dass das Konzept umgesetzt werden kann, sind passende Räumlichkeiten. Laut Andreas Graf von der Rechtsabteilung im Landratsamt braucht es einen Behandlungsraum mit Liege sowie einen Waschraum. Vielleicht gibt es Möglichkeiten bei der Awo – die Kreisräte Helmut Schiller und Margarita Däubler (SPD) brachten diese Möglichkeit im Ausschuss ins Gespräch.

Lesen Sie auch den Kommentar:Hebammen-Notdienst: Wichtiger Service für Eltern

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