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Dießen/Landsberg

18.01.2019

Herr König und sein Problem mit dem Finanzamt

Wolfgang König sagt von sich, er sei ein „analoger Mensch“ und deshalb besteht er auch darauf, seine Steuererklärung mithilfe der amtlichen Vordrucke zu machen, die das Landesamt für Steuern heuer später als sonst zuschickt.
Bild: Thorsten Jordan

Wann kommen endlich die Vordrucke für die Steuererklärung? Diese Frage stellt sich nicht nur Wolfgang König aus Dießen. Was der Grund für die Verzögerung ist.

Wolfgang König wartete und wartete... Doch die Vordrucke für seine Einkommensteuererklärung, die die Finanzbehörden dem Dießener jahrzehntelang zuverlässig zugeschickt hatten, kamen bis Ende Dezember 2018 einfach nicht bei ihm an. Und dabei wollte er doch, wie in den Vorjahren auch, gleich Anfang des Jahres seine Steuererklärung einreichen. So wie ihm ging es vielen anderen Steuerzahlern, und bei Wolfgang König entstand ein Verdacht: Will das Finanzamt Steuerzahler wie ihn auf diese Weise dazu bringen, künftig eine elektronische Steuererklärung abzugeben?

Nein, versichert der Leiter des Landsberger Finanzamts, Michael Forster. Die Formulare würden nur später versandt als in den Vorjahren. Die ersten seien in diesen Tagen auf den Weg gebracht worden, bis 5. Februar sollen alle Steuerpflichtigen, die bislang die amtlichen Formulare verwendeten, diese auch wieder im Briefkasten haben.

Der Mitarbeiter pochte offenbar auf die digitale Lösung

Wolfgang König war offenbar nicht der Einzige, der sich wegen der bislang nicht erhaltenen Vordrucke an seinen Sachbearbeiter in der Steuerbehörde gewandt hatte. Das habe ihm dieser jedenfalls auf telefonische Nachfrage so gesagt. Außerdem sei ihm empfohlen worden, die Formulare in Landsberg abzuholen, sie aus dem Internet herunterzuladen und auszudrucken. Für König keine Option: „Ich habe keinen Internetanschluss und will auch keinen, ich bin ein analoger Mensch und wenn ich was erfahren will, gehe ich auf den Friedhof oder auf den Marktplatz“, sagt der 66-Jährige gegenüber dem LT. Und jemanden in der Nachbarschaft zu bitten, ihm die Formulare auszudrucken, das sei auch nicht seine Sache. Sein Wunsch ans Finanzamt: „Die sollen mir die Formulare zuschicken, dann fülle ich sie ordnungsgemäß aus.“

König will von einem Missverständnis nicht wissen

Königs Wunsch wird erfüllt: Inzwischen hat der Dießener Steuerzahler Post vom Finanzamt bekommen. Darin sei von einem Missverständnis die Rede, zu dem es bei dem Telefonat offenbar gekommen sei. Die Vordrucke würden weiter versandt, allerdings sei es dieses Mal zu einer zeitlichen Verzögerung gekommen. Und ein Teil der benötigten Formulare sei dem Schreiben beigelegen, allerdings habe der sogenannte Mantelbogen gefehlt.

Dass es ein Missverständnis gegeben haben könnte, stellt König in Abrede. Der Sachbearbeiter habe ihm wortwörtlich gesagt, dann müsse er, König, sich einen Internetanschluss zulegen. „Aber immer, wenn es um Zwang geht, werde ich ein bisschen sensibel.“

Von Zwang spricht der Chef des Landsberger Finanzamts, Michael Forster, nicht. Er deutet aber an, dass es politisch durchaus gewollt sei, dass Steuererklärungen auf elektronischem Wege abgegeben werden. „Das vereinfacht unsere Arbeit“, erklärt Forster, „die ausgefüllten Formulare müssen nicht eingescannt werden und dadurch gewinnt auch der Steuerbürger ein paar Tage im Vergleich zur Papiererklärung.“

Deshalb dauert es in diesem Jahr länger

Unterdessen hat sich das LT auch beim Landesamt für Steuern erkundigt. Von dort wurde mitgeteilt, dass der in diesem Jahr spätere Versand der Vordrucke in erster Linie technische Gründe habe. „Es konnten damit auch die Postdienstleister entlastet werden, da in der ohnehin angespannten Situation in der Vorweihnachtszeit auf diese zusätzliche Massensendung verzichtet wurde.“

Die Vordrucke bekommen nur Steuerzahler, die auch bisher die zugesandten Formulare verwendet haben. Sie sind inzwischen laut Landesamt für Steuern in der Minderheit: „Im vergangenen Jahr wurden knapp 66 Prozent der in Bayern erledigten Einkommensteuererklärungen elektronisch übermittelt.“ Viele Steuerzahler haben auch gar keine Wahl zwischen der Papier- und der elektronischen Form: Personen, die Gewinneinkünfte (zum Beispiel aus der Land- und Forstwirtschaft, aus einem Gewerbebetrieb oder einer selbstständigen Arbeit) haben und Umsatz- oder Gewerbesteuer zahlen, müssen ihre Steuererklärung über das Online-Finanzamt mit der sinnigen Bezeichnung „Elster“ abgeben. Bayern sei übrigens das einzige Bundesland, teilt das Landesamt für Steuern weiter mit, das noch Formulare versende.

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