1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Herr Walleshauser und sein Gespür für Schnee und Pflug

Pürgen

11.01.2019

Herr Walleshauser und sein Gespür für Schnee und Pflug

leit--------2147483648.jpg
3 Bilder
Der Winterdienst im Landkreis Landsberg hat derzeit einiges zu tun.
Bild: Julian Leitenstorfer

Richard Walleshauser ist einer von zwölf Schneepflugfahrern des Kreisbauhofs. Er sorgt für schnee- und eisfreie Straßen. Das LT hat ihn bei der Arbeit begleitet.

Derzeit sind sie im Dauereinsatz: Die Fahrer der Schneepflüge räumen verschneite Straßen frei, streuen Salz und sorgen so dafür, dass Autofahrer relativ ungehindert wieder von A nach B kommen. Doch wie sieht ein Arbeitstag eines Schneepflugfahrers – gerade jetzt bei den vielen Schneemassen – aus? Das Landsberger Tagblatt hat einen Fahrer des Kreisbauhofes bei seiner Arbeit begleitet.

Die Schicht von Richard Walleshauser beginnt nachmittags um halb zwei. Er übernimmt das Fahrzeug eines Kollegen, der gerade seine Schicht beendet hat, die um halb zwei in der Nacht begonnen hatte. Nach der Schlüsselübergabe steht erst einmal die Abfahrtkontrolle an. „Obwohl die Kollegen die Fahrzeuge immer abfahrtbereit herrichten, kontrollieren wir immer noch mal, bevor wir losfahren“, so der 41-Jährige. Er ist gelernter Maurer, arbeitet jedoch seit 15 Jahren als Straßenwärter beim Kreisbauhof. „Dafür musste ich eine zusätzliche Fortbildung machen, die auch das Fahren eines Schneepfluges beinhaltet.“

Vor der Abfahrt wird der Lkw überprüft

Überprüft wird hinten am Dreiachser der Streuteller, mit dem das Salz verteilt wird, und vorne der 3,60 Meter breite Schneepflug. „Ich schaue, ob etwas eingerissen ist oder es sonstige Schäden gibt.“ Der Salzbehälter, der fünf Kubikmeter grobes Salz und 2600 Liter Sole, das ist flüssiges Salz, fasst, wird laut Walleshauser immer vom Kollegen aus der vorherigen Schicht aufgefüllt. „Das Salz reicht mir dann für eine Tour.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Nach der Überprüfung kann die Fahrt losgehen.„Unsere Schicht ist in zwei Runden unterteilt“, sagt der Schneepflugfahrer. Eine Runde würde dabei aus einer Räumstrecke von 70 bis 80 Kilometern bestehen. Dabei sei jedem der drei Fahrzeuge, die der Landkreis besitzt, eine feste Tour zugeteilt. Neben diesen drei Fahrzeugen sind vier weitere von Unternehmen im Einsatz. Die Route, die Richard Walleshauser fahren muss, führt von Pürgen über Ummendorf bis nach Reichling und dann über Pflugdorf nach Thaining, Vilgertshofen und Dettenschwang. „Meine Schicht geht dann bis um 23 oder 24 Uhr“, erzählt Walleshauser.

Wenn der Schneepflug stecken bleibt

Manchmal müsse er wegen der Schneeverwehungen Abschnitte auch zweimal befahren. Die vielen Schneemassen machen ihm nichts aus. „Das ist endlich mal wieder ein richtiger Winter“, sagt Walleshauser. Ein vergleichbarer Winter würde ihm nur im Jahr 2006 einfallen, aber damals sei es noch schlimmer gewesen.

Wie gefährlich die Arbeit der Winterdienste ist, zeigt ein Blick nach Bad Tölz. Dort gab es einen tragischen Unfall: Tödlicher Unfall mit Schneeräumfahrzeug

Mit 35 bis 40 Stundenkilometern fährt Walleshauser die Straßen auf seiner Route entlang. Wenn er schneller fahren würde, würde zu viel Schnee auf den Gehwegen oder an den Seiten der Straßen landen. „Wir müssen schon aufpassen, dass wir nicht den ganzen Schnee auf den Gehweg pflügen.“ Doch wenn die Straßen eng würden, müsste man halt doch manchmal den Schnee auf die Wege räumen. „Die Autos müssen ja auch noch aneinander vorbeifahren können.“ Ab und zu gebe es auch mal Beschwerden, aber in der Regel würden sich die Schneepflugfahrer mit den Anwohnern immer gut arrangieren. Manche würden ihnen sogar zeigen, wo sie den Schnee am besten hinräumen sollen.

Nach 15 Jahren hat er viel Gefühl für das schwere Gerät

Richard Walleshauser erklärt auch, dass während des Schneeräumens gleichzeitig Salz gestreut wird. Dabei handle es sich um eine Mischung aus trockenem Salz und Sole. Wie viel genau gestreut wird, werde immer vom Einsatzleiter vorgegeben, der das je nach Witterungsbedingung entscheidet. Um einen Schneepflug zu fahren, brauche man neben einem Lkw-Führerschein viel Fahrpraxis. Denn laut Walleshauser müsse man sein Fahrzeug sehr gut kennen, um dann auch mit einem Pflug zu fahren. „Das ist nämlich noch mal was ganz anderes.“ So sehe er von der Fahrerseite aus von dem Pflug nur etwa einen Meter, der Rest des 3,60 Meter breiten Räumgerätes sei nicht mehr in seinem Sichtfeld. „Aber nach 15 Jahren Erfahrung hat man beim Fahren einfach ein Gefühl dafür.“ Und das beweist Walleshauser auch, als er den Schneepflug zentimetergenau auf einer zugeschneiten Straße an einem Schulbus vorbeimanövriert.

Im Sommer kümmert er sich um die Gehölzpflege

Bislang ein einziges Mal ist es Walleshauser übrigens passiert, dass er selbst mit seinem Fahrzeug im Schnee stecken geblieben ist. Gerade wenn es Schneeverwehungen gibt, könne es passieren, dass man mit dem Lkw auf dem Schnee aufsitzt. „Das Fahrzeug hat zwar Allrad, aber man kommt trotzdem schwer wieder raus.“ Dann müsse das Räumfahrzeug herrausgezogen werden. Wenn Richard Walleshauser im Winter nicht mit dem Schneepflug die Straßen freiräumen muss, ist er für die Gehölzpflege zuständig. „Das betrifft vor allem die Bäume und Sträucher am Straßenrand.“ Und im Sommer? Da tauscht er den Schneepflug dann gegen den Rasenmäher ein. „Aber das Schneepflugfahren macht schon viel Spaß.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Winter: Bleibt er oder wird er schwächer?

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20jor060.tif
Programm

Jetzt wird auch philosophiert

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden