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Jubiläum

24.04.2015

Herrenrunde feiert Geburtstag

In der Chronik der Herrengesellschaft „Selch“ findet sich auch dieses Foto einer Faschingsveranstaltung vom 5. März 1935. Jetzt wurde das 100-jährige Bestehen im Gasthaus Süßbräu gefeiert.
Bild: Chronik Selch

Die „Selch“ wurde 100. Der Name ist nicht mehr Programm

Die „Selch“, das ist eine Herrengesellschaft, die jetzt im Landsberger Gasthaus Süßbräu ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Dass ihre Mitglieder, die „Selchbrüder“ oder „Ritter der Selch“, wie sie sich einst nannten, mit diesem weithin unbekannten Namen tituliert wurden, hat eine Vorgeschichte.

Wie Selch-Mitglied Reinhold Knollmüller in seinem Festvortrag ausführte, stammt der Name aus dem Munde eines Selchbruders. Der hatte beim Herrenabend am 25. April 1917 die stark verqualmte Zusammenkunft der Mitbrüder „Selch“ genannt. Eine Bezeichnung, die in der Oberpfalz beim Räuchern von Fleisch noch heute ebenso geläufig ist wie der Ort einer Fleisch- und Wursträucherei.

Die damalige Herrenrunde hatte zwar nichts mit dem „Selchfleisch“ zu tun, wohl aber damit, dass mitten im Ersten Weltkrieg auch der Rauchtabak rationiert war. Also stopften sich die Mitglieder Brombeerblätter und andere Tabak-Ersatzstoffe in ihre Pfeifen. Gegründet wurde die Gemeinschaft von sechs freundschaftlich verbundenen Männern am 4. Juni 1915 vom Landsberger Sanitätsrat und späteren Generalarzt Dr. Max Krimer. Er war Selch-Vorstand bis 1953, und er war es auch, der bis 1948 die Chronik „akribisch in der deutschen Schreibschrift geführt hat“. Damit habe sich „die noch unbenannte Selch als freundschaftspflegende und lebensfrohe Gesellschaft weiterentwickelt“, sagte Knollmüller.

Die Bedeutung der „Selch“ beschrieb davor der amtierende Vorsitzende Georg Eschenlohr: „Diese Gemeinschaft hatte einen hohen Stellenwert. Es war ein elitärer Kreis von Honoratioren aus allen Schichten der Gesellschaft.“ So nenne die Chronik neben den militärischen Führern auch die Leiter der Behörden, Banken, Justiz, Verwaltung, Schulen und der Kirche. Eine freiwillige Mitgliedschaft war zu keiner Zeit möglich. „Man wurde“, so Knollmüller, „zur Mitgliedschaft in der Selch eingeladen“.

Heute trifft sich die „Selch“ jeden zweiten Dienstagabend im Süßbräu. Während in den Anfangszeiten häufig ein zünftiger Schafkopf geklopft oder gesungen und musiziert wurde, ist mittlerweile eine mehr oder minder ruhige, oft auch fröhliche Unterhaltung eingekehrt. Heute trifft sich die Selchrunde auch mit ihren Frauen. Das Jahresprogramm listet überdies regelmäßige Ausflüge auf. Die „neue Selch“, so Reinhold Knollmüller, lebt weiterhin von Geselligkeit und Freundschaft, die von Intellektualität und Humanität getragen werden möge, sodass sie nicht „ausselcht“, also dürr und trocken wird. Das 100-jährige Bestehen der „Selch“ eröffnete Pfarrer Adelhelm Bals mit einem Gottesdienst in der Ignatiuskapelle. (her)

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