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Landsberg

27.10.2018

Holocaust-Gedenken in Landsberg: Keine Anlaufstelle im Rathaushof

Der „Stille Gang“ im Historischen Rathaus in Landsberg ist als Anlaufstelle im Gespräch, um Besucher an Orte der Landsberger Zeitgeschichte im Dritten Reich zu führen.
Bild: Gerald Modlinger

Fast eineinhalb Jahre lang hat sich ein Arbeitskreis Gedanken über einen Infopunkt zur NS-Geschichte im Umfeld des Historischen Rathauses gemacht. Der Stadtrat verwirft die Pläne.

Eineinhalb Jahre diskutierte ein vom Stadtrat eingesetzter Arbeitskreis die Frage, wo und wie in Landsberg eine zentraler Dokumentationsort zur Landsberger Zeitgeschichte zwischen 1920 und 1958 geschaffen werden kann. Am Ende stand die Empfehlung, diesen Ort im Hof hinter dem Historischen Rathaus einzurichten. Jetzt folgte noch eine eineinhalbstündige Diskussion im Stadtrat – und damit war der Vorschlag des Arbeitskreises vom Tisch. Mit 20:8 Stimmen sprach sich der Stadtrat dafür aus, diese zentrale Anlaufstelle im Historischen Rathaus unterzubringen.

Das Thema hat in der Vergangenheit bereits für Diskussionen gesorgt: An der geplanten Gedenkstätte scheiden sich die Geister

Wo genau das im Historischen Rathaus geschehen sollte, blieb offen. Nach der momentan in dem Gebäude vorhandenen Nutzung könnte es auf den sogenannten „Stillen Gang“ hinauslaufen, der sich parallel zum Rathausdurchgang befindet. Allerdings: Genau diesen Ort hielt der Arbeitskreis unter der Leitung des ehemaligen Landtagsabgeordneten Dr. Thomas Goppel für wenig geeignet.

Unser Kommentar zu diesem Thema: Dunkle Zeiten und barocke Pracht

Der Stadtrat diskutiert lange über das Thema

Die Diskussion im Stadtrat bewegte sich auf zwei Ebenen: Zum einen ging es um die zentrale Anlaufstelle an sich. Macht ein Wegweiser auf Gedenkorte, die für spontane Besucher nicht oder nur schwer zugänglich sind (Lager VII, militärgeschichtliche Sammlung in der Welfenkaserne) oder erst in einigen Jahren (Ausstellung im Stadtmuseum) vorhanden sein werden, jetzt überhaupt Sinn? Diese Frage stellten sich beispielsweise für Stefan Meiser (ÖDP) und Jost Handtrack (Grüne).

Diesen Einwand ließ Dritter Bürgermeister Axel Flörke (Landsberger Mitte) jedoch nicht gelten. Eine solche Stelle sei keine statische Einrichtung, sondern müsse sich dynamisch entwickeln. Deshalb sei sie jetzt auch nicht verfrüht. Bislang sei Landsberg-Besuchern (2017 habe es 147.000 Übernachtungen gegeben) kaum etwas über diesen Teil der Stadtgeschichte vermittelt worden, merkte Flörke mit Verweis auf jeweils zwei Sonderführungen in Kaufering VII und im Bunker der Welfenkaserne an.

Es geht um die Formulierung eines passenden Beschlusses

Auch Berthold Lesch und Tobias Wohlfahrt von der CSU sprachen sich dafür aus, eine zentrale Anlaufstelle zu errichten, allerdings nicht im Hofbereich des Historischen Rathauses, wie es der Beschlussvorschlag für den Stadtrat vorsah. Lesch meinte, einen solchen Raum in den bestehendem Gebäude einzurichten, wäre günstiger. Wohlfahrt hatte Bedenken, das Gedenken in den Hinterhof abzuschieben. „Warum kommunizieren wir das Thema nicht im Rathaus und gehen offen damit um?“, fragte er und plädierte für das Foyer.

Dr. Reinhard Steuer (UBV) griff das sogleich auf. Statt „Hofbereich“ sollte es im Beschluss des Stadtrats „im Historischen Rathaus“ heißen, forderte er. Zwar wollte Jost Handtrack die Entscheidung etwas offener halten und „im Bereich des Historischen Rathauses“ beschließen. Auf Intervention von Wolfgang Neumeier (UBV) ließ dann Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) über Steuers Wortlaut abstimmen, der mit 20:8 Stimmen durchging. Allerdings sorgte die anschließende Erklärung, dass mit diesem Beschluss eben nur das Historische Rathaus gemeint sei, und nicht etwa auch der Anbau, bei einigen der 20 Stadträten, die den Steuer-Antrag befürwortet hatten, für einige Verunsicherung.

Die Fresken passen schlecht zu einem Gedenkort

Wo konkret der Gedenkort im Historischen Rathaus eingerichtet werden könnte, blieb in der Stadtratssitzung offen. Jost Handtrack brachte zwar den sogenannten „Stillen Gang“ ins Spiel, doch diesen hatte der Arbeitskreis als eher ungeeignet erachtet. Dieser Raum werde als Durchgang für Touristen und Veranstaltungsbesuchern genutzt, zeitweise für Ausstellungen und als Sanitätsstation bei Großveranstaltungen genutzt. Zudem passe die barocke Raumausstattung mit den Deckenfresken schlecht zu in einem Gedenkort darzustellenden Inhalten zusammen. Außerdem müsste massiv in die historische Bausubstanz eingegriffen werden. Auf all das hatte der Arbeitskreis in seiner Bewertung hingewiesen.

Diese Argumente trug Kulturamtsleiterin Claudia Flörke auch nochmals im Stadtrat vor, die zuvor schon erklärt hatte, warum auch das Foyer unterm Sitzungssaal nicht geeignet sei. Dieses sei auch Durchgang zu den öffentlichen Toiletten. Zudem hielten sich in dem Raum häufig auch Hochzeitsgesellschaften auf, was auch nicht so gut zu den Inhalten einer zentralen Anlaufstelle passe.

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