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Landsberg

23.12.2019

Hündin rettet Hündin: Ein kleines Weihnachtswunder auf vier Pfoten

Martin Schleske mit Pepsy und Peter Berchtold mit Fanny. Schleskes Hündin war 28 Stunden in einem Wasserschacht gefangen, bis Fanny sie aufspürte.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Martin Schleske geht mit seiner Hündin Pepsy spazieren, als sie plötzlich verschwindet. Es beginnt eine verzweifelte Suche. Dann sorgt Hündin Fanny für ein Happyend.

28 Stunden hatte die Familie Schleske aus Landsberg Angst um ihre Hündin Pepsy. Denn Pepsy war am vergangenen Freitag bei einem Spaziergang mit seinem Herrchen auf einmal verschwunden. „Plötzlich und wie vom Erdboden, ich hab’ sie einfach nicht mehr gefunden“, erzählt der Landsberger Geigenbauer Martin Schleske dem LT. Die Schleskes verbrachten eine unruhige Nacht, doch dann kam eine andere Landsberger Hundedame mit ins Spiel. Denn Fanny ist es zu verdanken, dass die neunjährige Pepsy wieder zu Hause mit der Familie Weihnachten feiern kann – nach einer schweren Nacht in einem Landsberger Wasserschacht.

„Der Schacht war trocken, deshalb hat mein Hund überlebt“, sagt Schleske. Dass ausgerechnet Hündin Fanny Pepsy fand, ist für Schleske heute ein Weihnachtswunder. „Ich habe darum gebetet und gemerkt, wie sehr ich den kleinen Hund vermissen würde. Es war ein Horror. Nach 15 Stunden Suche und totaler Erschöpfung dachte ich am Freitagabend, ich laufe nur noch auf meinen Fußknochen“, sagt Martin Schleske. „Ich konnte es mir nicht erklären, denn es war ja nur die kleine Spazierrunde, die wir seit fünf Jahren täglich machen. Nur 300 Meter von der Werkstatt entfernt“, erzählt der Geigenbauer und Diplom-Physik-Ingenieur, der in Landsberg wohnt und am Hellmairplatz seine Werkstatt hat.

Viele Landsberger haben sich auf die Suche gemacht

Er ging mit dem deutschen Rehpinscher einen Weg, den die Hündin kannte – gleich nach dem Sandauer Tor die Treppen hoch, eine Laufstrecke, die viele Landsberger kennen. Doch genau dort ging Pepsy verloren. „Am Nachmittag hatte bereits eine Landsberger Bekannte mit ihrem jungen Suchhund vergeblich gesucht. Überhaupt haben wir im Nachhinein erfahren, wie viele Landsberger Leute davon erfahren hatten und ebenfalls gesucht haben. Eine echte Stadtgemeinschaft“, freut sich Schleske.

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Auch nachts habe er gesucht, weil er gespürt habe, dass Pepsy nicht alleine zurückkommen wird. Am Morgen sei er dann mit seinem Sohn zu Bekannten gegangen, die in der Landsberger Innenstadt ein Einrichtungsgeschäft haben – Viktoria Witzel und Peter Berchtold. Ihre Hündin Fanny ist ein Gebirgsschweißhund und mit ihr habe man sich dann erneut auf die Suche nach Pepsy gemacht. Fanny, die eigentlich recht wild sei, habe ihm ihre Pfote aufs Knie gelegt und dann mit den Männern Pepsy gesucht. „Wir haben Fanny ein Kissen zum Schnüffeln gegeben und sie ist sofort losgerannt.“ Und Fanny blieb bei den Treppen am Sandauer Tor auch sofort stehen und suchte genau die Umgebung ab.

Hund Pepsy im Entwässerungsschacht vor der Rettung.
Bild: Martin Schleske

„Plötzlich hörte Peter Berchtold ein leises Fiepen und wir standen genau vor einem Wasserschacht an der Treppe, dessen Deckel leicht verschoben und geöffnet war.“ Schleske und Berchtold nahmen ihn beiseite und in dem zweieinhalb Meter tiefen Entwässerungsschacht am Berghang des Sandauer Tors blickte ihnen Pepsy entgegen, die unverletzt war. „Das war ein großartiges Gefühl, wie Weihnachten“, sagt Peter Berchtold.

Wer hat den Deckel verschoben?

Der rund 40 Kilogramm schwere Deckel war wohl nicht richtig auf dem Schacht gelegen. „Eine unglaubliche Verwahrlosung der Stadt“, meint Martin Schleske, der sich auch über den schlechten Zustand der Wege aufregt. „Das stehen Metallstumpen aus dem Boden und es gibt riesige Löcher.“ Einen Deckel für einen Entwässerungsschacht zu verwenden, der nur lose draufgelegt werde, leicht zu verschieben sei und nicht einraste, sei eine grobe Fahrlässigkeit. „Ein kleines Kind hätte dort rein fallen können.“ 28 Stunden lang sei sein Hund darin gefangen gewesen. Warum sein Hund nicht gebellt habe? „Pepsy fiept nur, diese Rasse bellt eigentlich nicht.“

Pepsy (rechts) wurde von Fanny aufgespürt. Die beiden Hunde vor dem Wasserschacht.
Bild: Julian Leitenstorfer

Und so lief Pepsys finale Rettung ab. Besitzer Schleske beugte sich kopfüber in den Schacht, während die anderen oben seine Beine hielten. „Aber ich war nicht lang genug, um sie zu erreichen. Dann hat mein Sohn Lorenz eine Leiter geholt. Es ist eine unglaubliche Erleichterung“, sagt Schleske, der sehr spirituell und gläubig ist. Er glaubt, dass die Rettung wirklich vom Himmel gespürt und geführt wurde. Eine enorm emotionale Geschichte für Schleske. Die Eigentümer von Rettungshund Fanny berichten, dass Fanny Krebs hat und die Suche nach Pepsy ihre erste Aufgabe nach einer Operation war. „Ich bin dann am Samstag noch mal hingegangen und habe ihr die Hände aufgelegt und habe sie gesegnet“, so Schleske.

Warum war der Wasserschacht überhaupt offen? Zuständig sind die Städtischen Werke Landsberg, bei denen gestern nur ein Notdienst zu erreichen war. Doch dort wird betont, dass man solche Schächte nicht aus Schlampigkeit offenlasse. „Aber vor Vandalismus ist niemand geschützt“, sagt Sebastian Heinze. „Auch Kanaldeckel werden immer wieder von Idioten aufgehebelt.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Happyend für Hündin Pepsy: Ein Geschichte mit Hoffnung

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