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22.06.2009

"Ich bin der gottverdammte Spaßminister!"

Landsberg Eine Fliege saust im Scheinwerferlicht um den Mann auf der Bühne. Er redet gerade von Strunzenöd, seinem fiktiven Heimatdorf, irgendwo in Bayern, wo sich Ehemänner im Harakiri-Workshop im Nebenzimmer beim Wirt das Leben verkürzen, "weil bei uns in Strunzenöd, da setzt man noch auf Tradition, jawoi, da gilt immer noch: bis dass der Tod Euch scheidet." Oder war´s über die Studienzeit an der Sozialpädagogischen Fakultät, als er mit seiner großen Liebe "Hasi" und seinen damals obligatorisch langen, roten Haaren die BWL-Deppen ausstach und mit seiner Matte die fehlende Weiblichkeit seiner greislichen Freundin ausglich? Auf jeden Fall: Die Fliege stört. Klatsch, klatsch, patsch, haut er wild nach ihr; kurz kriegt sie die Nebenrolle. "Ach wissen´S, des kommt, weil i´ grad´ so stink´." Das erntet Lacher. Und wir wissen: Er ist so, der Michael Altinger! Er ist wirklich so, wie er da oben tut.

In seinem Programm "Der entscheidende Tor" (ja, richtig: der, nicht das!) kramt er in der Erinnerungskiste, nimmt sich, seine Generation, typische Charaktere und Verhaltensweisen gewaltig auf den Arm. Begleitet - wie immer - von der Ein-Mann-Band Martin Julius Faber löscht er am Ende sogar ein ganzes Dorf von der Landkarte. In einer temporeichen Choreografie galoppiert Altinger durch (s)ein Leben, springt von einer Geschichte, von einem Höhepunkt zum nächsten, kehrt zurück zu dem, was er ja eigentlich erzählen wollte. Er hüpft, zappelt, schreit, ein Wahnsinniger. Singt, grölt, schmachtet. Setzt sich, wird leise, nachdenklich geradezu. Dann kommt meist der Dalai Lama aus der Kiste, vielmehr ein Sinnspruch seiner Heiligkeit, des Exilregenten Tibets, und stößt kurz den Sinn des Lebens an.

Den Bogen ums Programm spannt ein seltener Kirchenbesuch in Strunzenöd zur Feier des 40. Hochzeitstags der Eltern. Und Altinger schafft es in gut eineinhalb Stunden wunderbar, einfach nicht zum Punkt zu kommen. Da kommt erst sein quengelnder Kreislauf dazwischen und der tattrige Pfarrer, die Hasi und ihr Mann, ein gar grausamer Urologe, schließlich treten durchtrainierte Killeromas aufs Parkett, die zum Punkerklatschen in die Oberpfalz butterfahren, dann die fette, reiche, liebe Frau Strackerl und sogar geklonte Hansi Hinterseers. Seine hochpolitischen Hausschuh reden auch ständig mit, dann kommt ab und zu auch ein bisserl Sex dazu, puh, und das alles im Weihrauchnebel der österlichen Kirche. All die vielen Gesichter, Typen, Archetypen unserer Gesellschaft zupft Altinger spielend aus dem Zauberhut seiner Komik, aus dem linken und dem rechten stinkenden Filzpantoffel, er schüttelt sie scheinbar aus dem Ärmel wie nix. Immer im Tenor seines wiederkehrenden Mantras: "Wir lachen, wir haben Spaß miteinander, es ist schön!"

Infos und Termine im Internet:

www.michael-altinger.de

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