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Landsberg

14.08.2019

Im Gänsemarsch durch die Stadt

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2 Bilder
Im Nachbars Garten auf Nahrungssuche.
Bild: Andrea Westphal

Plus Am Altöttinger Weiher kommt eine Schwanenfamilie zur Nahrungssuche immer wieder an Land. Warum das für Schwäne ungewöhnlich ist, und was die Polizei unternimmt, wenn sich die Tiere auf der Straße niederlassen.

Der zweieinhalb Hektar große Altöttinger Weiher liegt zwischen Fußballfeld und Tennisplatz gebogen in der Landschaft. Am Ufer des Weihers hat Andrea Westphal einen Garten: am Rande der Stadt, fast schon mitten in der Natur, aber dennoch nicht allein. Denn immer wieder kommt eine Schwanenfamilie zu Besuch.

Die Schwäne fressen im Garten gerne Löwenzahn

Zwei- bis dreimal in der Woche sei sie in ihrem Garten, erzählt die 50-Jährige. Und immer, wenn sie sich mit dem Auto nähere, kämen auch die Schwäne. Zwei erwachsene Tiere und fünf Jungtiere fressen dann im Garten am Löwenzahn und an sonstigem Grünzeug, das sie im Gebüsch finden, satt. „Manchmal füttern wir die Schwäne auch mit Vollkornbrot“, sagt Andrea Westphal. Fotos der Schwanenfamilie teilt sie in den Sozialen Medien.

Zum ersten Mal auf Futtersuche

Ende Mai, als die Jungtiere noch kleiner waren, hätten sie sich nur im Wasser aufgehalten. Die Gartenbesuche hätten begonnen, nachdem die Vögel etwas gewachsen waren. Andrea Westphal beobachtet die Schwäne seit 2017. Dass die erwachsenen Schwäne mit ihren Kleinen im Garten auf Futtersuche gingen, sei heuer das erste Mal vorgekommen. Die Schwäne sind jedoch nicht die einzigen Besucher: Auch eine Gruppe Blesshühner finde immer wieder ihren Weg in den Garten, aber nur, wenn die Tür zum Garten geöffnet ist, so Westphal. Oftmals folgten auch die Schwäne, wenn sie beobachten, wie die Blesshühner den Garten betreten.

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Toll, wie die rumwatscheln

Wie lange sich die Vögel im Garten aufhalten, variiere stark. „Manchmal drehen die Vögel nur eine Runde um die Hütte und gehen dann wieder ins Wasser zurück“, sagt Andrea Westphal. „Das ist ganz toll, wie die da einmal rumwatscheln und unterwegs ein paar Äpfel schnappen.“ Manchmal gingen die Schwäne auch auf die gegenüberliegende Straßenseite zum Fußballplatz, wo sie sich füttern ließen.

Josef Willy vom Landesbund für Vogelschutz sagt, dass eine Situation wie am Altöttinger Weiher eine absolute Ausnahme sei. Am Lech sei zu beobachten, dass die Schwäne normalerweise nur im Wasser auf Nahrungssuche gingen. Schwäne bevorzugten stille oder sehr langsam fließende Gewässer. Die Vögel ernährten sich hauptsächlich von Pflanzen, die sie am Gewässergrund mit ihrem Schnabel auflesen. Die Jungtiere werden nicht von ihren Eltern gefüttert, sondern müssen von Beginn an selbst ihre Nahrung suchen.

An die Menschen am Weiher gewöhnen

Ein Grund für die Ausflüge der Schwäne am Ufer des Altöttinger Weihers, spekuliert Josef Willy, könne fehlendes Futter im Weiher sein. Außerdem gingen Schwäne nur an Land, wenn sie wüssten, dass es dort sicher sei. Sie müssten sich also an die Menschen am Weiher gewöhnt haben. Eigentlich seien Schwäne sehr mobil und flögen, wenn sie einen Stausee leergefressen haben, an ein anderes Gewässer. Die Tiere am Altöttinger Weiher könnten jedoch aufgrund der Jungvögel nicht wegfliegen.

Dann kann es schon einmal vorkommen, dass die Schwäne bei der Nahrungssuche etwas weitere Ausflüge zu Fuß unternehmen. Am 2. August legte die Schwanenfamilie vom Altöttinger Weiher dabei sogar den Verkehr lahm. In der Augsburger Straße in Höhe Weiherstraße saßen die Schwäne mitten auf der Fahrbahn. Polizei und Feuerwehr sicherten den Verkehr und trieben die Schwäne in Richtung Weiher zurück.

Michael Strohmeier, der kommissarische Leiter der Polizeiinspektion Landsberg, erzählt, dass die Rettung von Schwänen nicht zum polizeilichen Alltag gehöre. In seinen 32 Jahren bei der Polizei habe er eine Schwanenrettung nur zweimal selbst erlebt. Dass die Polizei zur Rettung von Tieren in den Verkehr eingreifen muss, wie es Anfang August der Fall war, sei grundsätzlich sehr selten. Wenn dieser Fall jedoch trotzdem eintreffe, müsse die Polizei die Tiere sicher 50 bis 100 Meter von der Fahrbahn entfernen, sodass eine neuerliche Gefährdung des Verkehrs ausgeschlossen sei. Um die Tiere wegzutreiben versuchten die Polizisten auch im Falle der Schwanenfamilie, mit Decken oder Jacken ein Hindernis aufzubauen. Man müsse den Tieren ein wenig Angst machen, um sie von der Straße zu eskortieren, sagt Michael Strohmeier. „Das Tierwohl ist für viele natürlich auch wichtig, das Menschenwohl geht jedoch in einer solchen Situation vor“, erzählt er.

Die Schwaneneltern und ihre fünf Kinder werden noch länger zusammen unterwegs sein. Denn Schwanenfamilien blieben auch im Winter zusammen, erklärt der Vogelschützer Josef Willy. Erst im nächsten Jahr trennen sich die Jungtiere von ihren Eltern, die dann möglicherweise wieder zum Altöttinger Weiher kommen, um eine neue Schwanengeneration aufzuziehen.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: Enten in Landsberg auf Shopping-Tour?

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