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Kehrtwende

17.10.2012

Im Klostereck wird es weiter Blumen geben

Die Kündigung der Stadt für den Blumenladen am Klostereck wurde zurückgenommen, Inhaberin Anita Kaiser-Schmid hängt ihr Plakat mit der Kundeninformation zur Schließung vorerst wieder ab. Foto: Thorsten Jordan

OB Mathias Neuner nimmt Kündigung des Blumenladens zurück. Auftrag für Gutachten über Fresken

Landsberg Die Affäre um den Landsberger Blumenladen hat eine neue Wendung genommen: Gestern Mittag teilte Oberbürgermeister Mathias Neuner der Geschäftseigentümerin Anita Kaiser-Schmid in einem persönlichen Gespräch mit, dass die Stadt die Kündigung des Ladens am Klostereck zurücknimmt. Damit kann die junge Unternehmerin auch über den 31. März 2013 hinaus in der ehemaligen Leonhardikapelle bleiben.

Gestern war Anita Kaiser-Schmid erstmals seit dem Zugang der Kündigung wieder so richtig glücklich. Und auch OB Mathias Neuner sprach von einem „sehr netten Gespräch“, in dessen Rahmen er mitteilte, dass die Stadt die ausgesprochene Kündigung zurücknimmt. Er habe aus den Vorgängen der vergangenen Wochen seine Schlüsse gezogen, informierte Mathias Neuner anschließend an das Gespräch das Landsberger Tagblatt. Vor allem aus der Bevölkerung waren ihm sehr viel Emotionen entgegengeschlagen, Internetforen hatten sich gebildet, um den Blumenladen am Klostereck, ein Geschäft alter Landsberger Tradition, zu unterstützen. Die Stadtverwaltung plant, dort ein Kulturbüro einzurichten und hat deshalb der Mieterin zum 31. März nächsten Jahres gekündigt. Seither sieht sich die Verwaltung ständiger Kritik ausgesetzt, vor allem die Vorgehensweise stieß in weiten Kreisen auf Kritik – der sich dann auch der Stadtrat anschloss.

Einige stellten sogar Anträge an den OB und an die Rechtsaufsicht des Landratsamts. Jost Handtrack (Grüne) ist einer von ihnen, der das Verfahren und dabei vor allem das Rechtsamt der Stadt kritisierte. Er lässt derzeit überprüfen, ob es sich um ein Geschäft der laufenden Verwaltung handelt oder aber um eine Angelegenheit, die von Stadträten diskutiert und anschließend auch entschieden werden müsse.

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Gleicher Meinung ist auch Christoph Jell, Sprecher der Unabhängigen Bürgervereinigung. Er hat einen Überprüfungsantrag gestellt, der von acht weiteren Stadträten unterstützt wird. Er möchte, dass dieser Antrag, auch angesichts der neuen Entwicklung, in der nächsten Stadtratssitzung abgestimmt wird. Dass die Kündigung zurückgenommen wurde, freut ihn dennoch: „Das ist gut so. Ich glaube, dass der Raum für ein Kulturbüro ohnehin ungeeignet ist.“ Für das Argument der designierten Leiterin der neuen Abteilung „Kultur und Bildung“, Silvia Frey-Wegele, ein anderer Standort bedeute einen hohen Qualitätsverlust, hat er nur ein Lächeln übrig: „Im Zeitalter von modernen Kommunikationsmitteln kann man jemanden durchaus ein Büro zumuten, das rund hundert Schritte von der Vhs entfernt liegt“.

Auch die CSU, die in der Finanzausschusssitzung noch dem Wunsch der Verwaltung entsprach, die Kündigung aufrechtzuerhalten, ist mit Neuners Entscheidung, die er seinen Parteifreunden am Vorabend mitteilte, einverstanden. Fraktionssprecher Helmut Weber: „Ich denke nicht, dass die Kündigung für die Stadt Landsberg lebenswichtig ist.“

Für Anita Kaiser-Schmid ist die Entscheidung jedoch kein Grund, in Jubel auszubrechen. Sie sieht nämlich nur einen Teilerfolg. „Natürlich freut es mich, dass ich bleiben darf.“ Und das möchte sie auch. Das nahe Zollhaus sei zwar eine Alternative, und so sei sie auch mit dessen Eigentümer Konrad Schmid verblieben, die dann als neues Blumengeschäft zum Tragen kommen könnte, wenn sie tatsächlich aus dem Klostereck ausziehen müsse.

Fresken müssen irgendwann einmal restauriert werden

Denn das sei nicht endgültig vom Tisch. Darüber sei sie auch lange schon vor der Kündigung von Stadtbaumeisterin Annegret Michler informiert worden. „Ich weiß, dass die Fresken irgendwann einmal restauriert werden müssen.“ Dann will sie auch nicht auf ein Bleiberecht beharren, sondern sich einen neuen Laden suchen. Doch zunächst werde sie abwarten, ob bezüglich der Deckenkunstwerke tatsächlich Gefahr in Verzug ist. Das hatte der stellvertretende Stadtbaumeister Peter Huber zwar schon dementiert, doch OB Neuner will nun endgültige Sicherheit: „Ich werde ein neutrales Gutachten anfertigen lassen.“ Ebenso möchte er belastbare Zahlen bezüglich Alternativstandorten für das Kulturbüro: „Die Verwaltung wird diese auf Eignung und Kosten hin überprüfen.“ Diese Erkenntnisse und Zahlen werde er den Stadträten zur weiteren Beratung dann vorlegen – ebenso wie das Konzept der Kulturamts-Chefin, dass diese bis dahin zu erstellen hat.

Eine Vorgehensweise, die auch Dieter Völkel begrüßt: „Ich bin froh, dass Mathias Neuner das Thema beendet hat, bevor das Schicksal der jungen Frau völlig zum politischen Spielball wird.“ Seiner Meinung nach sei es höchste Zeit gewesen, dass der OB die Reißleine gezogen hat.

Sobald Reinhard Skobrinsky (BAL) offiziell Kenntnis der Kündigungsrücknahme hat, will auch er seinen Antrag zurücknehmen. Die Schritte Neuners hält er für richtig: „Ich bin heilfroh, dass er aus diesem Fettnäpfchen herausgefunden hat.“

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