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Landsberg

23.01.2019

Im Landkreis Landsberg wird es immer heißer

Der teilweise trockene Lechwehr führte im August vor Augen, wie heiß und trocken das vergangene Jahr war.
Bild: Thorsten Jordan

In Landsberg wurde 2018 eine Durchschnittstemperatur von 9,9 Grad gemessen. So warum war es in all den Jahren vorher nie. Ein Förster erklärt, wie der Wald die Erwärmung abmildern könnte – wenn dort die passenden Bäume wachsen.

Im Landkreis Landsberg wird es immer wärmer. Mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9,9 Grad war 2018 das fünfte Jahr in Folge, in dem es im Mittel mehr als 9 Grad warm war. Gemessen wurden die Temperaturen bei der Wetterstation beim Agrarbildungszentrum in Landsberg. Vielleicht war 2018 überhaupt das bislang wärmste Jahr, seitdem in der Region Temperaturen aufgezeichnet werden. Das Jahr des Supersommers 2003 übertraf 2018 jedenfalls um Längen. Damals betrug die mittlere Temperatur (gemessen in Westerschondorf) nur 8,4 Grad. Die Wetterstation in Landsberg ging erst 2006 in Betrieb.

Der Kommentar zum Thema: Klimawandel: Man kann auch im Landkreis was tun

Auch so trocken wie schon lange nicht mehr

Und noch zwei andere Vergleichswerte: Der langjährige Mittelwert der 30 Jahre zwischen 1961 und 1990 lag bei 7,4 Grad, 2017 war im Durchschnitt 9 Grad warm. Damit gehört der Landkreis Landsberg zu den Regionen, in denen die Erwärmung schon weit fortgeschritten ist. Zum Vergleich: Bei der Klimakonferenz im Dezember in Kattowitz wurde als Ziel formuliert, die weltweite Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen – im Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Angesichts dessen fordert der Förster Ludwig Pertl, auch örtlich zum Handeln auf.

Und etwas Zweites macht 2018 zu einem sehr auffälligen Jahr. Dieses Mal kamen viel Wärme und wenig Regen zusammen. 2018 war seit 2003 das trockenste Jahr. Es regnete und schneite mit 758 Litern pro Quadratmeter fast ein Viertel weniger als im Durchschnitt, der sich im in Landsberg auf 972 Liter beläuft.

Richtig Winter war nur im Februar

Besonders spürbar war die Trockenheit in der Wachstumszeit von April bis August. Im April kamen gerade mal 27 statt der durchschnittlichen 81 Liter zusammen, im August mit 63 nur halb so viel wie die sonst üblichen 120 Liter. Im Mai, Juni und Juli schien zwar auch oft die Sonne, aber es gab zwischendurch einige kräftige Regengüsse, die den Landkreis vor einer schlimmeren Dürre bewahrten.

Interessant ist, dass der niederschlagsreichste Monat der Januar war, der sonst eher trocken ist. Und der größte Teil der 113 Liter (Durchschnitt: 54) kamen im Januar als Regen vom Himmel. Der erste Monat des Jahres trug stark zur hohen Jahresdurchschnittstemperatur bei. 3,6 Grad waren 5,5 Grad mehr als das langjährige Mittel von –1,9 Grad. Der einzige Monat, in dem die Temperatur unter dem Gefrierpunkt blieb, war der Februar: Dieser war mit –3,4 Grad deutlich kälter als normal (–0,7), auch im März setzte sich die Kälte noch teilweise fort. Am 28. Februar wurde mit –16 Grad die niedrigste Temperatur des Jahres gemessen.

Im April schien fast ununterbrochen die Sonne

Ab Ende März wurde es aber praktisch ohne Übergang Sommer. Der April brachte mit 12,8 Grad die größte Abweichung vom langjährigen Mittel (6,1 Grad) nach oben. Sehr warm geriet auch der August mit 20 Grad (langjähriges Mittel: 16). Am 9. August stieg die Quecksilbersäule mit 32,5 Grad auf den höchsten Stand des Jahres. Viel Wärme und wenig Regen bedeutet viel Sonne: 1831 Sonnenstunden zählte die Wetterstation im vergangenen Jahr, 248 mehr als im langjährigen Mittel. Den größten Anteil hatte daran der April mit 269 Stunden statt der üblichen 124.

Gelitten hat unter dem heiß-trockenen Wetter vor allem der Wald. Der Borkenkäfer breitete sich aus, aber auch die Blätter der Buchen färbten sich schon im August gelb bis braun. Förster Ludwig Pertl macht das große Sorgen, und zwar nicht nur wegen der unmittelbaren Hitzeschäden. Den Wald zukunftsfähig umzubauen werde immer dringlicher – auch um damit den regionalen Klimawandel abzupuffern, denn, so Pertl: „Eine Temperaturerhöhung um vier oder mehr Grad ist nicht mehr beherrschbar.“

Wie der Wasserkreislauf stabilisiert werden kann

Neben den Temperaturen fallen Pertl auch die sommerlichen Trockenperioden auf. Der vom Wald mitbeeinflusste regionale Wasserkreislauf sei gestört. Gehe den Bäumen – vor allem flachwurzelnden Fichten – in der Vegetationszeit von Anfang Mai bis Ende Juli das Wasser aus, wachsen sie zum einen nicht mehr, sie setzen zudem auch kein Wasser mehr um. Die Folge: Es falle weniger Regen und je länger dieser ausbleibt, desto heißer werde es. Deshalb sei es so wichtig, wärme- und trockentolerante Baumarten zu pflanzen. Pertl hat dabei vor allem Laubhölzer wie Berg- und Spitzahorn im Blick. Während Fichten nur 30 Zentimeter tief wurzeln, wachsen die Ahornwurzeln bis zu 1,30 Meter in den Boden. Die Bäume können mehr Wasser erreichen, besser wachsen, mehr Wasser verdunsten, für einen stabileren Wasserkreislauf und damit für ein ausgeglicheneres Klima sorgen. Außerdem verbessere ihr Laub die Humusauflage.

Allerdings: Betriebswirtschaftlich sind Laubhölzer wie Ahorne nicht besonders interessant. Sie können nicht so vielseitig verwendet werden wie Nadelholz und sind teils Brennholz – und das erziele keinen ausreichend hohen Preis, bedauert Pertl, falls man es überhaupt in größeren Mengen losbekomme. Das Dilemma: Wer als Waldbesitzer etwas fürs Klima tun wolle, mache Verlust.

Mehr zu Ludwig Pertls Bemühungen zum Waldumbau in Scheuring lesen Sie hier.

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