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Theater

14.02.2018

Im eigenen Saft gekocht

„Die Probe“ mit Elisabeth Rass und Ulrike Dostal vom Kunstforum Gilching im Landsberger Stadttheater.
Bild: Julian Leitenstorfer

„Die Probe“ zeigt zwei starke Schauspielerinnen. Sie geben ihr Bestes in einem faden Stück

Neue Truppe, unbekanntes zeitgenössisches Stück. „Die Probe“, verfasst 2002 von dem in Frankreich renommierten Autor Victor Haïm, aufgeführt vom „Theater im Kunstforum“ Gilching. Auf dieses Abenteuer ließen sich im Landsberger Stadttheater nur so viele Zuschauer ein, dass der Saal zu etwa zwei Dritteln besetzt war.

Der Autor, das ergeben die Recherchen im Vorfeld, ist ein vielgerühmter im Nachbarland. Über die Truppe ist noch nicht viel zu erfahren. Die Überraschung des Abends war: Zwei großartige Schauspielerinnen, eine so lebhafte Regie wie nur möglich (Ingrid Storz) und ein zähes Stück, das mit seiner Theater-übers-Theater-Thematik im eigenen, faden Saft vor sich hinköchelt. Erst in der zweiten Hälfte, nachdem man etwa zwei Drittel des Geplänkels überstanden hat, kommt etwas Leben in den Dialog der Frauenfiguren. Unbestritten ist die große schauspielerische Leistung der beiden Darstellerinnen Elisabeth Rass als Theaterautorin Gertrude und Ulrike Dostal als Schauspielerin Hortense. Sie verkörpern ihre Figuren mit Witz und Kreativität. Elisabeth Rass als Gertrude ist eine herbe Lesbe mit allerhöchstem intellektuellen Anspruch und unterschwellig brodelnder Aggressivität.

Ulrike Dostals Figur der Hortense geht ganz im Frauchen-Sein auf, lebt von dem erotischen Eindruck, den sie auf Männer macht, und ist sich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit nicht ganz sicher. Sie opfert den Anspruch der Kunst auch schon mal dem Kommerz, indem sie kleine Rollen in seichten Fernsehserien übernimmt. Sie kommen zusammen, um Gertrudes neuestes Werk einzustudieren. Diese Mischung birgt durchaus Sprengstoff, doch Witz und Spannung wollen in der ersten, längeren Hälfte des Stücks nicht aufkommen. Der Zuschauer erfährt die wahren Gedanken der Frauen, die sie zunächst nicht aussprechen, durch Äußerungen ins Publikum, das birgt eine gewisse Komik. Neu und überraschend ist diese Technik aber auch nicht. Hortense erzählt von ihren Männerproblemen, ihrem Ex, ihrer Trennung, ihren neuen Affären. Gertrude hingegen versucht dauernd, Hortense zum Arbeiten zu bringen, was ihr das ganze Stück lang nicht gelingt.

Nach der Pause bekommt der Zuschauer dann endlich, was er erwartet hat: den ausufernden Streit, mit Stechen und Hauen. Hortense nennt Gertrudes Stück eine Schmonzette, Gertrude entzieht Hortense die Rolle. Dann fallen sie sich in die Arme, sind sich einig über die „Magie des Theaters“, und so kippeln sie immer weiter zwischen Schluss machen und es doch noch mal versuchen. Als Hortense Tabletten schluckt und sich sterbend gibt, fällt Gertrude auf das Spiel herein, und Hortense hat ihre Kunst bewiesen. Lustig ist, dass die Zuschauer auch drauf hereingefallen sind. Daraufhin entsteht eine handfeste Rauferei, bei der die Darstellerinnen nicht zimperlich sind. Schließlich gibt Gertrude zu, warum sie überhaupt schreibt.

Damit offenbart der Autor wohl, was er sagen will: Er schreibt Stücke, weil er den ganz persönlichen inneren Drang zum Schreiben hat, um sich lebendig zu fühlen („um nicht zu sterben“). Das bedeutet aber gleichzeitig, dass das Publikum von ihm für seine egoistischen Zwecke benutzt wird, dass es ihm nicht wie den Alten Griechen um die Katharsis, die innere Reinigung der Zuschauer geht, sondern allein um sein Ego und das, was es herauswürgt, um nicht daran zu ersticken. Hortense haut dem Publikum, in den Saal gewandt, diese Aussagen um die Ohren, und es fühlt sich in „Die Probe“ auf eine unbehagliche Weise so an, als treffe es den Kern. Endlich sind sich die beiden Frauen einig und fangen an zu proben. Und endlich haben auch die Zuschauer dieses Stück überstanden und sind befreit vom ständigen Kreisen des Autors und seiner Figuren um sich selbst.

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