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Jubiläum

14.10.2013

Immer wieder neu erfunden

Katharina Schellenberger, ohne Titel, 2013
Bild: Brigit Kremer

Ausstellung des Regionalverbandes Bildender Künstler in der Säulenhalle

Schon manches Mal totgesagt, hat sich der Regionalverband Bildender Künstler – nicht immer ganz freiwillig – wiederholt neu erfunden und feiert in diesem Jahr mit seiner Jahresausstellung auch sein 25-jähriges Bestehen. Dennoch handelt es sich bei der Ausstellung in der Säulenhalle nicht um eine Retrospektive auf ein Vierteljahrhundert erfolgreicher, wenn auch nicht immer einfacher Geschichte der Künstlervereinigung, sondern vielmehr um eine Präsentation aktueller Tendenzen zeitgenössischen Kunstgeschehens, die nicht zuletzt als Reaktionen auf eine zunehmend komplexere Umwelt zu sehen sind und diese meist kritisch, manches Mal auch ironisch reflektieren.

Von Malerei über Bildhauerei und Assemblagen bis hin zur Fotografie reicht das Spektrum der ausgestellten Arbeiten, die Formensprache ist mal abstrakt, mal gegenständlich, die Palette monochrom gedämpft ebenso wie von expressiver Farbigkeit. Ein reichhaltiges Forum also, das Künstlern wie Kunstinteressierten Raum zum Austausch untereinander geben möchte.

Kunst sei etwas anderes als die Kombination aus kreativer Arbeit und handwerklichem Können, so formuliert es die Künstlerin Margarete Bartsch sinngemäß im Begleitkatalog und umreißt damit auch den Anspruch, an dem sich die ausgestellten Werke messen lassen müssen. Nicht alle der präsentierten Arbeiten werden dem gerecht, doch gibt es einiges Sehenswertes. So gehört zur Kunst seit jeher das Spiel mit den Realitäten, wie es zum Beispiel bei der Assemblage „Augenweide“ von Gislinde Schröter zu finden ist, die ihr Sujet wörtlich nimmt und gleichzeitig auf sehr eigenwillige Weise uminterpretiert. Auf mühelose, gleichwohl elegante Weise gelingt ihr damit das Kunststück, Bildwerk wie Begrifflichkeit zu hinterfragen und in neuer Bedeutung zu erfahren.

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Flut von Assoziationen

Enigmatisch dagegen das Werk von Rose Brouwers, deren Silhouette „Was ist passiert?“ eine Flut von Assoziationen auslöst und dem Betrachter die Deutungshoheit über das Bildgeschehen überlässt. In der gewohnten Qualität überzeugen die Arbeiten der beiden Keramikerinnen Lore Kienzl, deren Skulpturen vor dem Hintergrund der weißgekalkten Säulenhalle schutzlos wirken und so die Verlorenheit des Menschen in der Welt noch deutlicher widerspiegeln, und Angelika Waskönig.

Auch die Malerinnen Angelika Böhm-Silberhorn und Mica Knorr-Borocco, die mit einer abstrakten, lichtdurchglühten Studie mit dem Titel „Wilde Wasser“ vertreten ist, bewegen sich auf bekannt hohem Niveau, obwohl ihre Arbeitsweisen kaum unterschiedlicher sein könnten. Eine Studie ganz anderer Art präsentiert dagegen Renate Schmidt: „von Schwarz bis Weiß“ lotet Farbtiefen und -übergänge intensiv aus und verleiht ihnen nicht zuletzt durch den pastosen Farbauftrag ein beinahe greifbares, monochromes Eigenleben.

Experimentieren mit dem Auftrag von Farbe

Fedrigzart und wohl deshalb halb abgerissen ist der dünne Faden des Dialogs, den Johann Neuhauser in seiner Zeichnung gesponnen hat, während Margarete Bartsch mit Eitempera und Pigmenten „Die sieben Berge“ auf Leinwand gebannt hat, der Titel nicht zufällig eine Anspielung auf das Märchen ähnlichen Namens.

Katharina Schellenberger schließlich experimentiert in ihren Bildern mit dem Auftragen von Farbe, ihr Duktus hat teilweise an Konzentration und damit an expressiver Stärke gewonnen.

Die Jubiläumsausstellung des RBK bietet einen guten Überblick über die aktuelle Entwicklung einer der größten Künstlervereinigungen in der Region, doch bleibt ein – kaum behebbares – Manko: In ihrer großen Vielfalt kann die Präsentation den einzelnen Künstlern und damit auch dem Betrachter nicht immer gerecht werden.

Öffnungszeiten Geöffnet ist die 25. Jahresausstellung in der Säulenhalle bis zum 22. Oktober jeweils von Dienstag bis Freitag von 16 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 14 bis 20 Uhr.

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