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Apfeldorf

20.12.2020

In Apfeldorf wird ein altes Handwerk neu interpretiert

Hedwig Daxenberger präsentiert ihre Werke, dass sie von Corona erneut ausgebremst wurde, nimmt sie gelassen.
Bild: Ulrike Reschke

Plus Hedwig Daxenberger fertigt aus Zinn kleine Kunstwerke. Zum Verkauf entwickelt sie eine neue Strategie. Der Lockdown bremst aus, doch sie bleibt kreativ.

„Ich glaube, dass die Menschen sich nach solchen Sachen sehnen. Jetzt, wo alle Märkte abgesagt sind“, sagt Hedwig Daxenberger. Mit „solchen Sachen“, meint sie ihre Kunstwerke aus Zinn. Schmuckstücke für jeden Christbaum, die nun aber im Laden liegen, da sie wie viele andere vom Lockdown betroffen ist. Aber Hedwig Daxenberger macht schon Pläne für die nächsten Monate – und kann dieser erzwungenen Ruhepause sogar etwas Gutes abgewinnen.

Eigentlich wäre die 48-jährige Apfeldorferin mit ihren Kunstwerken, vom kleinen Anhänger, „Aufhängerle“, wie sie selbst dazu sagt, bis zum Diorama in selbst gebauten Bilderrahmen, um diese Zeit auf den Christkindlmärkten in der näheren und weiteren Umgebung vertreten. Dass daraus heuer nichts werden würde, war spätestens klar, als auch der für den Sommer geplante Kunsthandwerkermarkt in Dießen abgesagt wurde.

Wochenlang hat sie Zinnfiguren bemalt

Sommerliche, bayerische Szenen beabsichtigte die gelernte Rahmenbauerin und Diplomdesignerin hier erstmals zu präsentieren. Sie entwarf und bemalte wochenlang Zinnfiguren – um die Produktion mit dem ersten Lockdown abrupt zu stoppen. „Ich bin erst einmal raus in den Garten, Rosen pflanzen“, erzählt die Mutter eines 19-jährigen Sohnes.

Erst später wurden die zahlreichen, für die Bayern-Dioramen vorgesehenen Figuren zu Wirtshaus- und Trachtenszenen in dreidimensionalen Bildern arrangiert und gerahmt, ebenso die „Landidyllen“, die das Arbeiten in der Landwirtschaft von einst zeigen und eine Rotkäppchen-Szene. Gelernt hatte Hedwig Daxenberger das Handwerk von ihrem Vater, einem gebürtigen Dießener.

Hedwig Daxenberger will die Bilder angemessen präsentieren

Die Kunst liegt der Familie auch im Blut: „Gemalt habe ich schon immer“, erzählt Hedwig Daxenberger. Und so war sie auch zu ihrem Beruf gekommen, denn nach der Schule erlernte sie das Handwerk des Rahmenbauens, um die eigenen Bilder angemessen präsentieren zu können. Und diese Kreativität lebt sie bis heute weiter aus.

Die Kunstwerke sollen nicht in Kisten verschwinden

Mit dem Arbeiten wuchs bei ihr auch der Wunsch, die entstehenden Werke durch die Absage aller Märkte nicht unbeachtet in dunklen Kisten lagern zu müssen. In der Künstlerin reifte der Gedanke, den alten Laden ihrer Eltern in Herrsching zu reaktivieren. Die Räumlichkeiten in ihrem Elternhaus, in dem die Marktbeschicker-Familie lange Zeit Figuren und Sterne aus Zinn verkaufte, standen bereits seit Längerem leer.

Diesen Laden wollte Hedwig Daxenberger für ihre Kunst umgestalten – eine Idee, die sie zuerst mit ihrem Mann Gottfried Töllner und dann natürlich auch mit ihren Eltern besprach. Alle drei stimmten zu, die Eltern waren einverstanden, die Tochter künftig wieder jeden Tag „im Haus“ zu haben. Töllner ermutigt sie nach wie vor, durchzuhalten. „Du darfst nicht das Denken anfangen, wenn es Tage gibt, an denen kein Kunde kommt“, sagt er.

Die Zinnkunstwerke von Hedwig Daxenberger sind eine Zierde für jeden Christbaum.
Bild: Ulrike Reschke

Jeden Nachmittag sowie Samstagvormittag war der kleine, heimelige Laden nun seit Anfang Dezember geöffnet. Ihre Werke ausgestellt und für andere erlebbar zu wissen, sei für sie ein wertvolles Geschenk, sagt Hedwig Daxenberger strahlend. Die Vitrinen in den zahlreichen Mauernischen wurden beleuchtet, im Nebenraum richtete sich die Künstlerin einen Atelierarbeitsplatz ein. Während der Öffnungszeiten bemalt die Künstlerin hier von Kunden bestellte Anhänger oder Figuren für ihre Bilderwelten.

Die Sterne aus Zinn entstehen aus den alten Formen

Manchmal leistet ihr Ehemann Gottfried ihr Gesellschaft. Er fertigt die Zinnsterne in der Werkstatt des Schwiegervaters mit dessen alten Formen und lötet die Reflektoren auf, die die silberfarbenen Kleinode zum Strahlen bringen. „Daheim arbeite ich nonstop weiter, sonst wird es nichts mit meiner Osterware“, erzählt Hedwig Daxenberger. Bis dahin – hofft sie wie so viele andere auch – sollten wieder Märkte erlaubt sein. Vormittags und an den Abenden arbeitet sie nämlich in der Werkstatt in Apfeldorf, gestaltet Dioramen, bemalt Anhänger und Figuren oder entwickelt neue Ideen.

Die Corona-Zwangspause nimmt sie gelassen

Dafür hat sie momentan viel Zeit, denn auch sie trifft der erneute Lockdown und sie muss das gerade erst eingerichtete Geschäft schon wieder schließen. Aber Hedwig Daxenberger nimmt das sehr gelassen: So könne sie sich eine Phase gönnen, um wieder „etwas runterzukommen“. Und sie schmiedet auch schon Pläne für die Zeit nach dem Lockdown. Da ihre Kunstwerke auch bei Touristen sehr beliebt seien, will sie in Geschäften und vor allem Hotels mit Flyer auf sich aufmerksam machen.

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