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Dießen

16.01.2019

In Dießen geht eine Bäcker-Ära zu Ende

In der Bäckerei Helmer wird der Backofen bald kalt bleiben. Der Traditionsbetrieb in St. Georgen schließt.
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In der Bäckerei Helmer wird der Backofen bald kalt bleiben. Der Traditionsbetrieb in St. Georgen schließt.
Bild: Thorsten Jordan

Manfred Helmer ist einer der letzten seiner Zunft in Dießen. Mit 68 Jahren geht der Bäckermeister nun in den Ruhestand. Sein Fall zeigt, wie schwierig das Bäckerhandwerk mittlerweile ist.

In Dießen geht eine Ära zu Ende. Am Donnerstag, 31. Januar, heizt Bäckermeister Manfred Helmer (68) letztmals seinen Ofen an, um für seine Kunden Brot und Feingebäck herzustellen. Ob es in dem Laden in der Johann-Michael-Fischer-Straße 6 in St.Georgen auch künftig Backwaren oder andere Produkte zu kaufen gibt, ist noch unklar. Zwei Handwerksbetrieben, denen Helmer seine Geschäftsräume angeboten hat, haben abgesagt. Auch seine Kinder, ein Krankenpfleger und eine Fachkraft im Planungsbereich, wollen den Betrieb nicht fortführen.

„Es ist also Zeit, aufzuhören“, sagt Helmer. In den vergangenen Jahren haben in Dießen immer wieder produzierende Bäcker aufgehört: Stefan Sepperl am Marienplatz zum Beispiel und Oliver Walter am Untermüllerplatz. Auch Bäcker Linder an der Prinz-Ludwig-Straße hat seine Backstube geschlossen.

Mehr als 50 Jahre stand er mitten in der Nacht auf

Auch Helmer haben die vielen Berufsjahre nun müde gemacht. „Ich habe lange genug gedient“, sagt er. Besonders die vergangenen Monate seien ihm an die Substanz gegangen. Das kleine Team hätte dringend Unterstützung gebraucht. Doch Helmer fand keine Angestellten. So mussten Elfriede Sanktjohanser und Birgit Schelle, die schon über 28 beziehungsweise 29 Jahren im Laden stehen, viele Überstunden machen. Helmer ist froh, dass ihm die zuverlässige Gesellin Eva Widmann-Mair aus Walleshausen seit sieben Jahren in der Backstube hilft. An den arbeitsreichen Samstagen stand ihm zudem Oliver Walter zur Seite, der ihn schon 2014 vertrat, als er zwei neue Hüften bekam und mehrere Wochen ausfiel. Hin und wieder halfen auch Praktikanten und Abiturienten.

Die Personalsuche ist schwierig

Während seines 53-jährigen Arbeitslebens mussten Familie, Hobbys und Freundschaften immer hinten anstehen. Mit dem Eintreten in den Ruhestand möchte der Bäckermeister das ändern, Bergtouren machen, Aquarelle malen, mehr Zeit mit den bald drei Enkeln verbringen, häufiger die Gitarre zur Hand nehmen, zum Volkstanz gehen, das über 200 Jahre alte Wohn- und Geschäftshaus umbauen und vieles andere mehr.

Helmer steht seit dem 15. Lebensjahr morgens um 1.45 Uhr auf und fängt um 2 Uhr mit der Arbeit an. Einst hat er im elterlichen Betrieb mit der Bäckerlehre begonnen. Vor der Meisterprüfung war er ein Jahr bei der Bäckerei Luidl in Großweil beschäftigt. 1989 ging die Bäckerei von Vater Georg nach 29 Betriebsjahren in die Hand des Sohnes über. Manfred Helmer erwarb den Betrieb damals von der Stiefmutter.

Früher war der Betrieb in Dießen daheim

Auch wenn der alte Ofen des Vaters bis heute im Dienst ist, musste der Betrieb immer wieder den aktuellen Anforderungen angepasst und neue Kunden akquiriert werden. Früher kauften beispielsweise die Schulen, Senioreneinrichtungen und die Klöster bei Helmer. Doch heute backt Helmer hauptsächlich für die Laufkundschaft aus St. Georgen und für den Betrieb von Familie Golder vom Café Vogel in der Johannisstraße. Die Golders liefern im Gegenzug Feinbackwaren in die Johann-Michael-Fischer-Straße. Manfred Helmers Vater hat mit der Bäckerei in der Herrenstraße in Dießen im Rößlmeier-Anwesen begonnen. 1960 zog der Betrieb nach St. Georgen um.

Die Helmers pachteten das Gebäude anfangs und erwarben es dann nach ein paar Jahren vom Vorbesitzer. Sortiment und Qualität wurden den gestiegenen Ansprüchen und den geänderten gesetzlichen Vorgaben angepasst. Die Kunden lobten Helmers Eigenkreationen und die reschen Brezen. Er hatte viel Freude daran, Neues auszuprobieren und das Sortiment weiterzuentwickeln: „Bäcker ist eben ein interessanter Beruf.“

Ein Rezept will Bäcker Helmer unbedingt weitergeben

Wenn Helmer Glück hat, kann er sein Brot auch künftig im eigenen Haus einkaufen. Dazu muss er aber erst einen Pächter für den Laden finden. Doch die beliebten Pfeffer- und die Maurerbrezen mit Fleischsalat, eigens kreierte Dinkelprodukte sowie die buttrigen „Bamberger“-Croissants werden ein für alle Mal aus dem Sortiment verschwinden. Das Rezept des Kirchsteig-Brots würde Helmer aber gerne weitergeben. Denn die Brotvariante mit Olivenöl, Knoblauch und Walnüssen hat sehr viele Anhänger am Ammersee.

Wo Helmer künftig seine Frühstückssemmeln kauft, weiß er noch nicht. Auf jeden Fall in einem Handwerksbetrieb. Viele davon gibt es aber nicht mehr in der Region. In Dießen ist das dann nur noch die Backstube von Stefan Ruch in Dettenschwang. Backwaren gibt es künftig in Dießen zwar noch zu kaufen – aber lediglich in Backshops und Backfilialen von Großbäckereien.

Bis 31. Januar ist der Betrieb noch zu den regulären Zeiten (Dienstag bis Samstag, 6.45 bis 12 Uhr) geöffnet. Und zum Abschied will sich Manfred Helmer dann noch gebackene Überraschungen für seine Kunden einfallen lassen.

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