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Eresing

04.04.2021

In Eresing öffnet ein Ort der Politik, der Kunst und des Geistes

Zwar darf es für den Auftakt im neuen Eresinger Kulturathaus keine große Einweihungsfeier geben, aber die erste Ausstellung soll dort bald zu sehen sein.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Voraussichtlich nach Ostern nimmt das „Kulturathaus“ in Eresing seinen Betrieb auf. Zum Auftakt ist dort eine Ausstellung zur UN-Menschenrechtscharta zu sehen.

Wie so vieles in Zeiten einer Pandemie und der damit verbundenen Beschränkungen des öffentlichen Lebens wird auch das neue Eresinger „Kulturathaus“ nach Ostern ohne viel Aufhebens seiner Bestimmung übergeben werden. Trotzdem wird es gleich zu Beginn den in seinem Namen zum Ausdruck kommenden Anspruch, ein Ort der Politik, des Gemeinwesens, der Kultur und des Geistes zu sein, gerecht werden. Wenn sich Bürgermeister Michael Klotz dort um Ostern herum eingerichtet haben wird, wird dort auch eine erste Ausstellung zu sehen sein – veranstaltet vom örtlichen Kunstförderverein „Vis-a-vis“ und kuratiert vom Eresinger Kunsthistoriker Christian Burchard.

Und auch die Ausstellung führt Politik und Kunst zusammen. Unter dem Titel „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ setzen sich dabei 24 Künstler überwiegend aus dem Landkreis Landsberg mit den 30 Artikeln der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 auseinander. Burchard spricht mit Blick auf diese Charta von einem „bewegenden und inspirierenden Dokument“, das Mut auf Zukunft mache und Vertrauen in die Arbeit internationaler Organisationen gebe. Darüber hinaus zeige die Ausstellung, wie jede Gemeinde im Kleinen mit der Welt im Großen verbunden sei.

30 Bildtafeln beschäftigen sich mit der Menschenrechtserklärung

Das Medium, mit dem die Künstler das Thema bearbeitet haben, sind 30 Bildtafeln im Format zwischen DIN A4 und A3. Zu diesen gesellt sich eine rote Holzskulptur des Bildhauers Josef Lang. „Der dicke Rote“ ist eine eher schüchtern und verhalten wirkende Figur, die aber durch ihre Körperhaltung auch verdeutlicht, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen und Standpunkt und Bürgersinn vertreten zu können, also eigentlich geschaffen dazu ist, Besuchern eine etwaige Schwellenangst zu nehmen.

Der Bildhauer Josef Lang (hier mit der Arbeit "Leo guckt") ist bei der Ausstellung mit seinem Werk "Der dicke Rote" vertreten.
Foto: Marcus Merk (Archiv)

Das zweite Kunstwerk außerhalb des Bildtafel-Formats findet sich vor der Fensterwand und wirkt von Ferne wie ein abstraktes Bild vom Ammersee. Wer genau hinschaut, erkennt in dem von Wenzel Ziersch handschriftlich geschriebenen Text den Wortlaut der Menschenrechtserklärung.

Der Regenbogen wird zum Sinnbild

Die Bildsprache der künstlerischen Arbeiten reicht von einem einfachen Regenbogen als Sinnbild dafür, dass die Menschenrechte unveräußerliche, gleichsam naturgegebene Rechte sind (Karl Witti) bis hin zu provokativen Beiträgen wie einem Foto von Noah Cohen: Dieses zeigt einen jungen Mann auf einem Holzkreuz. Es erinnert an „den bekanntesten Prozess seit 2000 Jahren“ und verweist auf das Recht auf ein rechtsstaatliches Gerichtsverfahren. Dass das Verständnis von Menschenrechten auch in den vergangenen sieben Jahrzehnten nicht statisch geblieben ist, zeigt Cornelia Rapps Beitrag zum Menschenrecht auf Heirat und Familie. Ihr Bild zeigt ein lesbisches Paar.

Andere Tafeln wie das Bildnis eines jesidischen Mädchens, das man verhungern ließ und dessen Mutter versklavt worden war (Pila Sippl), zeigen auf erschütternde Weise, wie wenig die Menschenrechte nach wie vor in vielen Teilen der Welt zählen. Es gibt aber auch heitere Bilder, so etwa von Mica Knorr-Borocco zum Recht auf Freizeit oder eine ruhige Berglandschaft von Matthias Czybulka mit einem Schlagbaum im Vordergrund, die für den Schutz vor willkürlicher Haft und Landesverweisung stehen.

Auch heitere Bilder sind im Kulturathaus zu sehen

Auf historische Kontinuitäten macht der Beitrag von Angelika Hoegerl aufmerksam. Es ist ein auf Organza-Stoff gezeichneter Grundriss einer Basilika, in der Antike eine prächtige Markt- und Versammlungshalle, die im Christentum zur religiösen Kultstätte umgeformt wurde.

So versammelt sich im Eresinger „Kulturathaus“ eine Vielzahl an Gedanken, Anregungen und Assoziationen. Ab wann sie genau zu sehen sein werden, ist noch offen. Das hängt davon ab, wann der Verwaltungsbetrieb aufgenommen wird. Nach Ostern soll es so weit sein, sagt Bürgermeister Klotz. Ab dann werden im Kulturathaus auch die Bürgermeister-Sprechstunden stattfinden. Die Zeiten hierfür sind Montag und Mittwoch von 17.30 bis 19 und Freitag von 15 bis 16.30 Uhr.

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