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Landsberg

16.04.2019

In Gedanken in Paris und bei der eigenen Kirche

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4 Bilder
Wie sieht es mit dem Brandschutz unserer Kirchen aus? In der Stadtpfarrkirche in Landsberg gibt es Rauchmelder, aber keine Brandmeldeanlage.  
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Brandkatastrophe von Notre-Dame beschäftigt die Menschen. Der Landsberger Johannes Skudlik spielte dort schon Orgel. Wie sieht es um den Brandschutz in der Landsberger Stadtpfarrkirche oder im Marienmünster in Dießen aus?

Notre-Dame steht in Flammen. Nicht nur in der französischen Hauptstadt bewegten diese Bilder am Montagabend und Dienstag die Menschen. Was bedeutet dieser Verlust und wie sieht es mit der Situation in unseren Kirchenhäusern aus? Das LT hat nachgefragt. Doch zuerst zur Stimmung in Paris, die Felicia Schröder derzeit erlebt. Die 27-jährige, deren Familie aus Landsberg stammt, ist seit fünf Jahren in Paris. Soziale Medien, Radio, Fernsehen – alles wird dominiert von Berichten über oder Bilder von der brennenden Kathedrale. „Die Leute sprechen hier von ’Notre Drame’ oder ’Notre Pauvre Dame´.“ Viele Freunde seien hingefahren, um sich zu vergewissern, ein Freund habe von seinem Balkon aus gesehen, wie der Turm einstürzte.

Mehr zum Brand der Kathedrale lesen Sie hier: Inferno von Notre-Dame: Frankreich will den Wiederaufbau Notker Wolf: "Nicht nur Notre-Dame brennt, die gesamte Kirche brennt“

Johannes Skudlik spielte schon die Orgel in Notre Dame

Der Landsberger Organist Johannes Skudlik stand noch im Februar in dem Französischen Gotteshaus. Anlass war ein Requiem für den verstorbenen Jean Guillou, einem Altmeister an der Orgel, wie Skudlik sagt. Für den Landsberger ist es nicht nur ein immenser Verlust für die abendländische Geschichte, es trifft ihn persönlich. Johannes Skudlik hat selbst schon (wie Guillou) die Orgel in Notre Dame gespielt und ist erleichtert zu hören, dass das Instrument den Brand möglicherweise überstanden hat.

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Der Landsberger Stadtpfarrer Michael Zeitler besuchte vor einigen Tagen Notre-Dame. „Ich war dort, um die Ministrantenreise vorzubereiten. Es ist eine der schönsten gotischen Kathedralen mit diesem wunderbaren Rosenfenster.“ Und natürlich kommen auch Gedanken an die Landsberger Kirche auf. Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt weist kunsthistorisch wichtige Schätze wie die gotische Kirchenfenster, die zu den Bedeutendsten in Bayern zählen, auf. „Es werden immer wieder Begehungen gemacht, die Stromleitungen überprüft und der Mesner kontrolliert den Dachboden“, sagt Zeitler. Er glaubt aber nicht, das alle Eventualitäten abgesichert werden können. Zumal das Feuer, wie derzeit als höchstwahrscheinlich berichtet werde, bei Bauarbeiten verursacht wurde.

Marienmünster: Ein Altarbild ist von Tiepolo

Dießens Pfarrer Josef Kirchensteiner ist die Betroffenheit anzumerken. „Da haben Menschen über Jahrhunderte daran gearbeitet und ihre ganze Kunstfertigkeit hineingesteckt.“ Auch Kirchensteiner dachte an den Marienmünster, der zu den zehn bedeutendsten Barockkirchen Deutschlands zählt. Unter anderem Altarbilder von Giovanni Battista Tiepolo und Giovanni Battista Pittoni sind hier zu finden.

„Wir sind zitternd vor dem Fernseher gesessen und haben live französisches Fernsehen angesehen“, erzählt Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem. Auch ihren Mann, Professor Bernhard Weißhaar, Künstler für Glasmalerei, habe die Sache sehr betroffen, denn die die gotischen Glasfenster seien durch die starke Hitzeentwicklung sicherlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie kann sich in der Zeit in der sich sich mit Denkmalpflege beschäftigt nicht erinnern, dass es jemals ein solches Unglück wie in Paris gegeben hat.

Im Marienmünster gibt es eine Brandmeldeanlage

Weder die Stadtpfarrkirche noch der Marienmünster haben eine Sprinkleranlage und Heide Weißhaar-Kiem geht davon aus, dass jetzt im Denkmalschutz über stärkere Schutzmaßnahmen diskutiert werden wird. Freilich hat eine Sprinkleranlage auch den Nachteil, bei einer Fehlfunktion einen Wasserschaden anzurichten, obwohl des gar nichts zu löschen gibt. Im Marienmünster gibt es laut Feuerwehrkommandant Florian König eine Brandmeldeanlage über die die Feuerwehr frühzeitig alarmiert wird. König kann sich an einen Schwelbrand in der Elektroverkabelung und eine Brand in der Orgel erinnern. „Es gibt einen Feuerwehrplan für das ganze Ensemble Münster, Turm und Traidtcasten und wir machen Übungen, damit alle mit dem Objekt vertraut sind.“

In der Stadtpfarrkirche in Landsberg gibt es zwar Rauchmelder, aber keine Brandmeldeanlage, wie Kommandant Christian Jungbauer berichtet. Problematisch sei es, wenn der Turm brennt. Denn die Drehleiter reiche ungefähr nur bis zur Hälfte des Gebäudes. Solange niemand gefährdet werde, könne ein Innenangriff versucht werden. Das heißt Wasser wird von innen direkt auf den Brandherd gespritzt. Jungbauer hat mitbekommen, dass bei Notre-Dame darüber nachgedacht wurde, Wasser von oben einzubringen. Doch einfach ein Löschflugzeug oder einen Hubschrauber seine Wasserfracht abladen lassen geht nicht: Das Gewicht des Wassers könnte zu viel Schaden an der Statik anrichten.

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